Die Ecke Groß Borsteler Straße /Bekstück soll bald ein Apartmenthaus prägen Foto: mf

Die Ecke Groß Borsteler Straße /Bekstück soll bald ein Apartmenthaus prägen Foto: mf

Nachbarn wünschen sich Kompromiss

Anwohner fürchten überdimensionierten Neubau

Ausgabe Niendorf, Niendorf| Views: 178

NIENDORF Rosa Neuschild steht in ihrem verwunschenen Garten im
Bekstück und schaut besorgt auf das Nachbargrundstück.

Das Einzelhaus dort soll einem mehrstöckigen Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen weichen. Fünf Fichten wurden zur Bauvorbereitung bereits gefällt. Die Dimension dieses Bauprojektes, da sind sich Rosa Neuschild und ihre Nachbarn einig, ist viel zu groß für die von Einfamilienhäusern geprägte Gegend in der Groß Borsteler Straße und in der beschaulichen Sackgasse Bekstück. Im Bauplanungsrecht gelte für das fragliche Grundstück eine „zwingend eingeschossige“ Bauweise. Die Baubehörde schickte zwar vor einem Jahr eine Möglichkeit zur Stellungnahme, ihre Anmerkungen darauf finden die Anwohner/-innen aber nicht berücksichtigt. „Wir sind gesprächsbereit und wünschen uns einen Kompromiss“, sagt Rosa Neuschild, und ihre Nachbarin Nina Karsten betont: „Wir sind mit Sicherheit keine Nimbys, also solche, die nach dem Motto ‘Not in my backyard’ nur aufbegehren, wenn es sie selber trifft.“ Für die geplante Größe haben die Anwohner jedoch kein Verständnis: „Sämtliche relevanten Abmessungen wurden bis auf den Zentimeter ausgereizt und es wurden fünfmal Befreiungen beantragt.“ Auch angesichts des Großbauprojektes Petersen Park mit 400 Wohnungen, das in unmittelbarer Nähe an der Papenreye entsteht, gäbe es „eine extreme Herausforderung für unsere Gegend“ inklusive der Tier- und Pflanzenwelt.
Auf dem Grundstück in der Groß Borsteler Straße wurden bereits Obstbäume, Fichten und Hecken gefällt, wie Rosa Neuschild traurig beobachtete. „Die Fällung von fünf Fichten mit einem Stammdurchmesser von 20 bis 29 Zentimeter wurde als Ausnahme genehmigt“, erklärt Bezirksamtssprecherin Cornelia Rosenberg. „Der Allgemeinzustand war so schlecht, dass die Lebenserwartung erheblich eingeschränkt war. Die Bäume sind ehemals gekappt worden und standen unterständig der prägenden Stieleiche. Durch die Entnahme werden die Obstbäume im Garten gefördert.“

Dann doch genehmigt

Ersatzpflanzungen für die Fichten wurden nicht gefordert, da „das Grundstück ausreichend begrünt ist, ausreichend Baumbestand verbleibt und die Entnahme zugunsten erhaltenswerter Bäume durchgeführt wurde.“ Die erwähnten Obstbäume sind jedoch ausdrücklich von der Hamburger Baumschutzverordnung ausgenommen, dürften also ohne Genehmigung gefällt werden. Der Krone einer alten Stieleiche auf öffentlichem Grund an der Ecke Groß Borsteler Straße/Bekstück soll es für das Bauprojekt an den Kragen gehen, obwohl der Beschnitt laut Nina Karsten zunächst von der Behörde abgelehnt und nach einem Mailwechsel zwischen Architekt und Fachämtern, der den Anwohnern teilweise vorliegt, dann doch genehmigt wurde.
Zur konkreten Planung des Neubaus will sich das Bezirksamt nicht äußern. „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, daher dürfen wir dazu leider keine Auskünfte geben“, erklärt Cornelia Rosenberg. Der Bauherr reagierte nicht auf eine Nachfrage seitens der Redaktion. mf

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