Weniger Unterstützung gibt es bald für viele Schüler, da an einigen Grundschulen Förderungen gestrichen wurden Foto: Pixabay

Weniger Unterstützung gibt es bald für viele Schüler, da an einigen Grundschulen Förderungen gestrichen wurden Foto: Pixabay

Gerechtere Startchancen für alle?

Hamburger Bildungsbehörde passt Sozialindex der Schulen an

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NIENDORF/LOKSTEDT/SCHNELSEN Infolge einer aktuellen Anpassung des Sozialindex durch das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätssicherung (IfBQ) erhalten einige Schulen in Hamburg künftig mehr Lehrkräfte, bei anderen werden dagegen Förderungen für Schüler gestrichen. Die Änderungen betreffen auch unsere Stadtteile.

Zum Ausgleich sozialer Bildungsungleichheiten bekommen Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen bis zu 50 Prozent mehr Lehrkräfte. Welchen Förderanspruch eine Schule hat, gibt der Sozialindex auf einer Skala von 1 (schwierige Voraussetzungen) bis 6 (sehr gute soziale Lage) vor. Auf Grundlage aktueller Daten wurde dieser Index mit dem Ziel, „gerechtere Startchancen“ für alle zu schaffen, aktualisiert.
Hochgestuft wurden die Schnelsener Grundschulen Röthmoorweg (von Index 3 auf 4) und Frohmestraße (von 4 auf 5) sowie mit einem deutlichen Anstieg von Index 1 auf 4 die Grundschule Vizelinstraße in Lokstedt. In Niendorf verbessert sich der Index der Grundschule Moorflagen von 4 auf 5. Positiv ist die Veränderung für die Schulen aber nicht. So bedeutet dies zum Beispiel für die Schule Moorflagen, dass bereits im nächsten Schuljahr 20 Wochenarbeitsstunden für Förderangebote, vor allem im Sprachbereich, wegfallen. Weitere Einschnitte erfolgen ein Jahr später.
An der Grundschule Vizelinstraße müssen sogar 350 Wochenstunden innerhalb von vier Jahren abgebaut werden.
„Die neue Zuordnung trifft einige Grundschulen hart – und das ausgerechnet in der Pandemiezeit, in der erst recht Förderbedarf besteht“, meint Dr. Andreas Yasseri, Vorsitzender des Kreiselternrats (KER32). Grundsätzlich plant die Schulbehörde zwar keinen Stellenabbau, jedoch eine Umverteilung von insgesamt 108 Lehrkräften. Denn: Die eingesparten Förderungen kommen nun Schulen zugute, deren Index herabgestuft wurde. In unseren Stadtteilen gibt es hier nur geringfügige Änderungen, unter anderem für die Grundschule Rönnkamp (von Index 5 auf 4).
„Es ist wichtig und vermutlich auch höchste Zeit, Schulen mit geringem Sozialindex zu stärken“, so Yasseri: „Das bedeutet jedoch nicht, dass Schulen, die Förderungen abgeben müssen, diese auch erübrigen können.“
Anstatt in alle Schulen zu investieren, werde nur quer finanziert. „Ich hoffe sehr, dass sich die Schulbehörde dazu bewegen lässt, mehr Geld bereitzustellen, um Härtefälle abzufedern.“ Gegen die „ungerechte“ Umverteilung hat sich mittlerweile auch die Lehrergewerkschaft Hamburg (GEW) klar positioniert. kh

Der Hamburger Sozialindex
Der Sozialindex beschreibt die unterschiedlichen Rahmenbedingungen­ der Hamburger Schulen, die durch verschiedene ökonomische und kulturelle Zusammensetzungen der jeweiligen Schülerschaft bedingt sind. Im Jahr 2005 wurde er erstmalig ermittelt und 2013 zuletzt aktualisiert. Nun ist er acht Jahre später erneut angepasst für insgesamt 137 der 311 staatlichen Schulen verändert worden. Eine Anpassung soll schrittweise in den nächsten fünf Jahren erfolgen. Bei insgesamt 44 Grundschulen (davon allein 16 in Eimsbüttel) hat sich der Sozialindex verbessert, aber bei fast genauso vielen (41 Schulen) verschlechtert.

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