Vor jedem Einsatz muss das Gasspürgerät zunächst geeicht werden Fotos: kh

Vor jedem Einsatz muss das Gasspürgerät zunächst geeicht werden Fotos: kh

Der Mann mit der Lizenz zum Schnüffeln

Die Gasspürer sind in Niendorf unterwegs

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NIENDORF Mit seiner Spürnase ist Stephan Albers derzeit Tag für Tag auf Niendorfs Straßen unterwegs. Und auch wenn es die Bezeichnung zunächst vermuten lässt, der Geruchssinn spielt bei seiner Arbeit keine Rolle. Als Gasspürer überprüft er alle erdverlegten Gasleitungen auf ihre Dichtigkeit – und das klappt nur mit seiner hochsensiblen elektronischen Spürnase.

„Theoretisch wäre es schon möglich, dass ich austretendes Gas rieche, da dieses mit einem typischen schwefelartigen Geruchsstoff versetzt ist“, meint Albers, der im Auftrag von Gasnetz Hamburg aktuell wieder auf der turnusmäßigen großen Gassuche ist: „Dafür müsste die Undichtigkeit aber schon sehr groß sein.“ Deutlich sensibler reagiert dagegen seine „elektronische Nase“, die im ppm-Bereich (parts per million) misst. Dieser Riecher schlägt bereits dann an, wenn unter einer Million Luftpartikeln nur ein einziger aus Gas besteht.
Neben Albers sind weitere Gasspürer auch in anderen Stadtteilen wie Groß Flottbek, Sasel, Altengamme, Farmsen-Berne, Volksdorf, Billstedt und Marmstorf, noch bis Ende des Sommers im Einsatz, um rund 2100 der insgesamt knapp 8000 Kilometer Gasleitungen auf öffentlichem Grund und in den Grundstücksbereichen abzugehen. Eine Überprüfung steht alle vier Jahre an.

Gasspürer Stephan Albers bei der Arbeitin Niendorf

Gasspürer Stephan Albers bei der Arbeitin Niendorf

Da die unterirdisch verlaufenden Leitungen nicht sichtbar sind, orientieren sich die Gasspürer an einer GPS-gesteuerten digitalen Karte, die ihnen zentimetergenau den richtigen Weg weist. Mit ihrer Ausrüstung und der an zwei Rädern befestigten Messsonde, die sie vor sich herschieben, fallen sie natürlich auf. Die Frage, ob er ein Wünschelrutengänger sei, kennt Albers mittlerweile: „Einige Menschen denken auch, dass ich den Boden auf Radioaktivität prüfe“, schmunzelt er. Auf die Frage, ob austretendes Gas denn gefährlich sei, meint er: „Bei einem größeren Leck besteht zwar eine gewisse Brandgefahr. Dass etwas passiert, ist aber unwahrscheinlich.“ Wichtiger sei der Umwelt­aspekt, wenn Methan austrete. Außerdem sei Gas ein teurer Brennstoff, der natürlich nicht verkommen soll. Etwa 200-mal im Jahr schlägt die Spürnase mit einem lauten Piepton tatsächlich an – nicht immer ist austretendes Gas die Ursache, und meistens handelt es sich um ein kleineres Leck – eines, das die menschliche Nase wohl nicht erschnüffelt hätte. kh

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