Wenn es in der Beziehung kriselt, können Gespräche helfen Grafik: gettyImages

Corona als Stresstest für Beziehungen

Uwe Klüter berät Paare in Pandemie-Zeiten. Sein Tipp: Häusliche Stundenpläne erstellen

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In der Corona-Krise rücken viele Paare im Homeoffice und wegen Social-Distancing dichter zusammen als gewohnt. Das kann zum Stresstest für die Beziehung werden. Studien zeigen aber, dass der Großteil der Beziehungen stabil bleibt und die Befragten sogar eher eine Verbesserung als Verschlechterung wahrnehmen.

Uwe Klüter, Paarberater und Pastor, Freien ev. Gemeinde Lokstedt Foto: privat

Das Niendorfer Wochenblatt wollte von dem Lokstedter Paarberater Uwe Klüter wissen, wie er die Lage in seinem eher privilegierten Umfeld wahrnimmt und welche Tipps er für die Zweisamkeit in der Krise hat.

Niendorfer Wochenblatt: Herr Klüter, welche Tendenzen nehmen Sie in Ihrer Praxis wahr?
Uwe Klüter: Ein Paar sagte mir, dass Corona wie ein Vergrößerungsglas wirkt. Ich habe dazu das Bild eines Gewächshauses: Die Beziehung wird auf das Wesentliche zu-rückgeworfen. Wenn es sich um eine gesunde Pflanze handelt, wird sie stabil bleiben und sogar wachsen. Es kann sich aber auch herausstellen, dass eine Pflanze kränkelt. Um die muss man kämpfen.

NW: Was heißt das konkret?
Klüter: Es kann sein, dass sich eine Beziehung als gute Zweckgemeinschaft herausstellt, die aber nicht so viel Nähe verträgt. Wenn der Dreiklang aus Arbeit, Freizeit und Beziehung kaputt geht, ist die Wir-Identität vielleicht nicht stark genug.

NW: Was heißt das dann?
Klüter: Die Partner sollten dann in sich hineinhorchen und sich fragen, ob mir der andere wirklich so wertvoll ist. Passen wir wirklich so gut zusammen? Das kann auch eine Trennung zur Konsequenz haben.

NW: Rund um die Uhr aufeinander zu hocken kann ja auch ein Beziehungskiller sein…
Klüter: Meine Erfahrung ist, dass Räumlichkeiten Möglichkeiten schaffen und Not erfinderisch macht. Große Häuser schaffen zwar räumliche Freiheit, aber ich erlebe auch vierköpfige Familien, die auf 40 Quadratmetern leben und zusammen wachsen. Wenn die Herzen zusammen sind, sind die Begleiterscheinungen nicht so wichtig.

NW: Was können Paare denn tun, um das gemeinsame Wachsen zu unterstützen?
Klüter: Gerade wenn man an Grenzen kommt, ist es ganz wichtig miteinander zu sprechen und sich auch ausreden zu lassen. Und jeder sollte in Ruhe in sich hineinhorchen und sich fragen dürfen: Wo stehe ich gerade?

NW: Was kann dann im Alltag dabei heraus kommen?
Klüter: Es können neue Gesprächsräume entstehen, weil jeder in seiner Individualzeit einen eigenen Blick auf ein neues Erleben hat. Und häusliche Stundenpläne können Zeiten für gemeinsame gemütliche Leseabende, Kinoabende mit Popcorn und Cola im Riesenbecher oder Kochabende mit dem anschließenden Zelebrieren in schicker Kleidung schaffen. So entstehen neue Rituale. Wir sind zwar in eine neue Situation gefallen, aber jeder hat die Chance, diese kreativ zu gestalten. Wir bleiben handlungsfähig und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

NW: Vielen Dank für das Gespräch! mf

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