Das Dolle Deerns-Team mit den Sozialpädagoginnen Cornelia Roßkopf und Urte Paulsmeier, sowie Susana Pietsch, systemische Beraterin (v.li.n.re.) Foto: kh

„Sexuelle Gewalt ist und bleibt ein Tabu“

Dolle Deerns berät Frauen auch in Corona-Zeiten

Allgemein| Views: 194

Obszöne Blicke, erzwungene Berührungen und das unerwünschte Verbreiten von intimen Fotos sind genauso wie eine Vergewaltigung Formen von sexualisierter Gewalt. Die Fachberatungsstelle „Dolle Deerns“ ist Anlaufstelle für Mädchen und junge Frauen, die Ähnliches erlebt haben.

„Jede junge Hamburgerin kann sich bei uns melden, wenn sich Situationen oder Beziehungen, auf eine körperliche oder sexualisierte, intime Weise gewaltvoll und gegen den eigenen Willen nicht in Ordnung anfühlen“, betont Sozialpädagogin Urte Paulsmeier. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geschehene eine Straftat ist oder nicht.

Häufig kommen die Betroffenen mit großen Schuld- und Schamgefühlen in die Beratung. Auf einfühlsame Art und Weise sollen ihnen diese in Gesprächen genommen werden. „Schuld hat niemals diejenige, die sexuelle Gewalt erfahren hat – ganz gleich, was sie vorher getan hat“, betont Urte Paulsmeier. Die fünf Dolle Deerns-Beraterinnen stellen sich deshalb parteilich auf die Seite der Betroffenen, hören zu, helfen dabei, das manchmal Unaussprechliche auszusprechen und geben darüber hinaus auch ganz pragmatische Lösungsansätze. „Auch wenn wir keine Therapeutinnen sind, freuen wir uns, wenn unsere Beratung therapeutische Effekte hat,“ so die Sozialpädagogin.

Lockdown belastet
Auf die Frage nach einem Corona-Effekt, antwortet Beraterin Susana Pietsch: „Momentan beraten wir vor allem diejenigen, bei denen bedingt durch Isolation und der fehlenden Möglichkeit einer Ablenkung, verdrängte Ereignisse wieder hochkommen.“ In den Gesprächen sei zudem eine größere psychische Anspannung und höhere Belastung zu spüren. „Corona-Taten werden uns wohl erst Monate oder sogar Jahre später begegnen“, mutmaßt Urte Paulsmeier. Denn nicht selten melden sich Frauen erst dann, wenn sie das bisherige häusliche Umfeld verlassen haben. „Wir können davon ausgehen, dass es aktuell mehr sexuellen Missbrauch gibt“, sagt die Sozialpädagogin. „Sexuelle Gewalt ist und bleibt ein Tabuthema.“

Beratung auch online
Das kostenlose, niedrigschwellige und anonyme Angebot richtet sich zum Einen an Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 27 Jahren und zum Anderen an deren Bezugspersonen wie Eltern, Freunde oder pädagogische Fachkräfte, die einen konkreten Verdacht haben und helfen möchten. Neben Telefon- und Videoberatungen sind nach Absprache auch persönliche Gespräche in den Räumen der Beratungsstelle möglich. kh

Dolle Deerns e.V.
Niendorfer Marktplatz 16
Tel. 439 41 50
Email beratung@dolledeerns.de
Weiterführende Infos gibt
es im Internet unter
www.dolledeerns-fachberatung.de

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