Zu wenig behindertengerechte Wohnungen in Hamburg: Seit über vier Jahren suchen Zahra Fazelinochom (li.) und Sozialarbeiterin Ulla Kutter eine Wohnung für die Schnelsener Familie Foto: cc

„Zu schmal für den Rollstuhl“

Familie sucht behindertengerechte Wohnung

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Als Zahra Fazelinochom vor zehn Jahren mit ihrer Familie nach Schnelsen zog, war die Welt noch in Ordnung. Ihr Mann war mobil und sorgte als zertifizierter Dolmetscher bei Gericht und als Taxifahrer für seine Familie. Vor vier Jahren erkrankte Ramin M. an Kleinhirnatrophie. Jetzt sitze er im Rollstuhl und sei im Alter von 55 Jahren behindert und in Frührente, so die 43-Jährige.

Sie beschreibt ihn als stattlichen Mann, der durch seine Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen sei. Seine Wohnung kann er nicht mehr verlassen, durch den Schwindel stürzt er oft und verletzt sich dabei. Seine Sprache sei verwaschen, nur noch sie und der 15-jährige Sohn könnten ihn verstehen, sagt die gebürtige Iranerin. Probleme bereite ihr aber nicht nur die Pflege, sondern vor allem die Beschaffenheit der Wohnung. Die Familie teilt sich zweieinhalb Zimmer in Vörn Brook. Das Problem: Die Türen sind für den Rollstuhl zu schmal. Deshalb schlafe Ramin M. nachts auf dem Sofa im Wohnzimmer, ins Bad komme er nur mit Hilfe Anderer.

Umbau ausgeschlossen
Der Vermieter, die Saga, sagt auf Nachfrage, dass ein Umbau (die Verbreiterung der Türen) nicht möglich sei. Die Rückbaukosten seien nicht gedeckt, den Nachbarn wäre der Baulärm nicht zuzumuten, zitiert Ulla Kutter, Sozialarbeiterin im KiFaZ Schnelsen, die Antwort des Ansprechpartners.

Seitdem sich die Situation der Familie durch die Krankheit des Mannes verschlechtert, versuchen die beiden Frauen ihr Möglichstes, um eine andere, eine geeignetere Wohnung zu finden. Das zuständige Wohnungsamt in Wandsbek teilte mit, dass es in Hamburg insgesamt zu wenig rollstuhlgerechte Wohnungen gebe.

„In vier Jahren hat die Familie vier Wohnungen ‚angeboten‘ bekommen“, so Kutter. „Beworben hat sich die Familie um alle. Leider haben sie sie entweder nicht bekommen oder das Problem – wie bei einer Wohnung in der Lenzsiedlung in Lokstedt – war das Gleiche: Die Türen waren mit 60 Zentimetern wieder zu schmal. Für den Rollstuhl brauchen sie mindestens 75 Zentimeter.“ Noch haben die Schnelsener die Hoffnung nicht aufgegeben: „Mein größter Wunsch für 2021 ist es eine behindertengerechte Wohnung zu finden. Das wäre auch für unseren 15-jährigen Sohn, der in drei Jahren sein Fachabi in Schnelsen machen will, eine ungeheure Erleichterung.“ cc

KiFaZ Schnelsen, Ulla Kutter T 57 20 18 59,
E-Mail: ulla.kutter@kifaz-schnelsen.de

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