Hauptkommissar Knuth Cornils in seinem Büro vor der Promi-Fotowand. Bei vielen Film- und TV-Produktionen hat der Polizeibeamte beraten Fotos: Dagmar Gehm

Krimi-Klischees im Faktencheck

Hauptkommissar Knuth Cornils berät Filmemacher und Krimiautoren

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Ein metallisches Klicken. Während der Kommissar seine Pistole durchlädt, sucht der Zuschauer Deckung in den Sofakissen. Denn er ahnt es bereits – jetzt wird geschossen. „Aber nur im Fernsehen. In Wirklichkeit ist das bei uns nicht denkbar“, sagt Knuth Cornils. „Jeder echte Polizist läuft draußen mit geladener Waffe herum. Er würde im Notfall sonst wertvolle Zeit verlieren.“ Der Hauptkommissar muss es wissen, denn er ist seit fast 40 Jahren bei der Hamburger Polizei im Einsatz und seit 15 Jahren im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig für die Beratung von Filmemachern und Krimiautoren.

„Obwohl sich bei manchen Szenen die Haare sträuben, kann ich darüber hinwegsehen, weil sie unter den Begriff künstlerische Freiheit fallen“, sagt der 56-jährige. „So wird mit dem Durchladen einer Waffe Spannung signalisiert. Da kann ich nicht reinreden.“ Nächste Szene, nächster Fake. Ein Verdächtiger wird in einem dunklen Vernehmungsraum verhört. „In der Realität werden Verhöre aber in ganz normalen Büros geführt, die nicht Furcht einflößend sind, sondern hell, wo Bilder an den Wänden hängen.“

No go: Rosa Socken zu schwarzen Schuhen
Nicht akzeptieren kann Knuth Cornils, wenn die Polizei falsch dargestellt wird. Wenn im Film Uniform und Mütze nicht korrekt getragen und rosa Socken mit schwarzen Schuhen kombiniert werden. „Wenn es noch spezieller wird, geht es ins Polizei-Trainingszentrum in Alsterdorf, wo die Darsteller lernen, wie man eine Waffe richtig hält oder eine Handfessel anlegt.“

Nicht immer gibt der Faktenchecker grünes Licht: „Was wir komplett ablehnen, sind fiktive Polizeisendungen im Reality-TV. Beim Durchlesen der Drehbücher merke ich schon, wenn Polizisten trinken, mit Drogen zu tun haben oder sich mit illegalen Dingen beschäftigen. Ein solches Bild vermittelt einen falschen Eindruck von unseren Polizeibeamten.“
Inzwischen ist Hamburg eines der letzten Bundesländer, die Filmberatung anbieten. Geld muss weder ein Krimiautor noch eine Filmproduktion für die professionelle Beratung bezahlen. „Wenn man sieht, welch hervorragende Krimi- und Polizeisendungen Hamburg hat, kann es für uns nur von Nutzen sein. Bei Serien wie Tatort, SOKO Hamburg, Großstadtrevier, Notruf Hafenkante stehen wir gut da.“ Auch beim Spielfilm „Aus dem Nichts“ von Regisseur Fatih Akins, der 2018 mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, hat der echte Hauptkommissar die Dreharbeiten begleitet.

„Einer von uns“

Jan Fedder war einer von uns. In seinem Büro im Polizeipräsidium Hamburg hängen Bilder verschiedener Schauspieler mit ihrer Unterschrift. Jan Fedder gehört dazu, Heinrich Brix, Herr Holm, alias Dirk Bielefeldt – Ehrenkommissare allesamt. „Jan Fedder hat es echt im Blut gehabt“, sagt Cornils. „Das war einer von uns.“

Auch Krimiautoren nutzen gern den Beratungsservice der Hamburger Polizei. Wie Daniel E. Palu, der vor kurzem seinen Debüt-Krimi „Tod im Alten Land“ veröffentlichte: „Herr Cornils professioneller Blick hat die eine oder andere Situation glaubwürdiger gemacht.“

Und was tut jemand, der tagtäglich bei Polizeifragen berät, am Abend? „Da schaue ich mir am liebsten einen Krimi an“, sagt der Mann, dem zahlreiche TV-Serien und Krimis ihre Glaubwürdigkeit verdanken. dg

Auch Dirk Bielefeldt, alias Herr Holm, hat schon einige Male den Rat von Hauptkommissar Knuth Cornils in Anspruch genommen

Bekannte Schauspieler aus TV-Krimiserien sind auf der Fotowand im Büro von Hauptkommissar Knuth Cornils verewigt

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