Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher

„Wir überstehen auch die letzte Phase“

Den Blick nach vorn, trotz schwieriger Zeiten

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HAMBURG In einem Kurz-Interview mit dem Wochenblatt nimmt Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher Stellung zur aktuellen Situation. Er setzt auf Impfstoff und auf lokale Medien.

Niendorfer Wochenblatt: Hat sich durch Corona Ihre Sicht auf die Stadt Hamburg und Ihre Bürger/-innen verändert?
Tschentscher: Ja. Vieles erscheint mir nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Die Einschränkungen in der Kultur, im Sport, in der Gastronomie und im öffentlichen Leben führen uns vor Augen, wie vielfältig und attraktiv das Leben in Hamburg normalerweise ist. Zugleich bin ich froh, dass die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg die Corona-Regeln akzeptiert und sich verantwortungsvoll verhält. Dadurch sind wir als zweitgrößte Stadt Deutschlands bisher besser durch die Pandemie gekommen als alle anderen vergleichbar großen Städte –
und sogar besser als viele Flächenländer. Das ist nicht selbstverständlich, denn in den Metropolen leben mehr Menschen auf kleinerer Fläche zusammen. Dadurch ist es schwieriger, Abstand zu halten und Infektionsketten zu verhindern. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die letzte Phase der Pandemie gut überstehen, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht und wir uns damit wirksamer vor dem Virus schützen können.

NW: Als Mediziner haben Sie zweifellos einen besonderen Blick auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Was schätzen Sie an der Leistung der Menschen an der „Corona-Front“ am meisten?
Tschentscher: Dass es durch ihre hervorragende Arbeit gelingt, die gute medizinische Versorgung in Hamburg aufrechtzuerhalten, und alle weiterhin die Hilfe bekommen, die sie benötigen. In der Pandemie gibt es viele zusätzliche Covid-19-Patienten. Zugleich müssen auch alle anderen Patienten gut behandelt und betreut werden. Hinzu kommen die schwierigeren Arbeitsbedingungen, wenn man von morgens bis abends Masken tragen und besonders auf den Infektionsschutz achten muss. Das ist schon eine ganz besondere Leistung, für die allen Beschäftigten im Gesundheitswesen Respekt und Anerkennung gebührt.

NW: Einige Reiseveranstalter werben jetzt schon mit Frühbucherrabatten für Frühjahr, Sommer und Herbst 2021. Planen Sie schon Ihren Sommerurlaub?
Tschentscher: Nein, noch nicht. Ich hoffe aber, dass Reisen im kommenden Sommer wieder möglich sind, jedenfalls innerhalb Deutschlands. Es gibt sehr positive Berichte aus der Impfstoff-entwicklung. Mit einer wirksamen Corona-Impfung ist ein Wendepunkt in der Pandemie erreicht. Sobald uns ein Impfstoff zur Verfügung steht, werden wir ihn einsetzen, um die Menschen in Hamburg vor Corona zu schützen. Dafür richten wir gerade ein großes Impfzentrum in den Messehallen ein.
WB: Wenn der Erste Bürgermeister momentan mal abschalten will, was macht Peter Tschentscher dann?
Tschentscher: Musik hören oder spazieren gehen, zum Beispiel im Stadtpark oder an der Alster.

WB: Politiker haben wenig freie Zeit. Aber liest der „Nachrichten-Macher“ Tschentscher vielleicht am Wochenende mal eine lokale Zeitung?
Tschentscher: Nicht nur am Wochenende. Ich lese jeden Tag Zeitungen und verfolge auch die Berichterstattung der Wochenblätter. Hamburg ist eine weltoffene und vielfältige Metropole. Jeder Stadtteil hat seine eigenen Themen und Besonderheiten, die in den lokalen Zeitungen besonders zur Geltung kommen. Es ist wichtig, dass man vom Rathaus aus die ganze Stadt im Blick hat, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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