Die Stolpersteine vor dem Haus Siemersplatz 4 erinnern an Jane und Dr. Walter Schüler Foto: mf

Stolpersteine zum Gedenken

Kleine Messingplatten erinnern an NS-Verbrechen

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Der Kölner Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Projekt Stolpersteine durch kleine Gedenksteine europaweit an Opfer des Nationalsozialismus vor deren früheren Wohnorten. In Hamburg gibt es aktuell 5874 Stolpersteine. Auch auf den Gehwegen in Lokstedt, Niendorf und Schnelsen finden sich die kleinen Messingplatten, die Passanten in wenigen Daten und Worten von den Gräueltaten der Nationalsozialisten erzählen.

In Lokstedt gibt es derzeit neun Stolpersteine. Am Siemersplatz 4 erinnern zwei Steine an Jane und Dr. Walter Schüler, der 1945 in Auschwitz ermordwet wurde. Weitere sind zu finden in der Münsterstraße, in der Höxterstraße und vor dem Haus Brunsberg 9, wo an vier ehemalige Bewohner erinnert wird.

In Niendorf sind drei Stolpersteine zu finden, zwei davon für Paul Dieroff, geboren 1928. Der jüdische Junge lebte mit seiner Mutter Bertha Freudenthal im Garstedter Weg 101 und besuchte die Volksschule am Niendorfer Marktplatz 7. 1943 wurden er und seine Mutter deportiert. Zum Verhängnis wurde ihnen wohl ein später Kinobesuch, der jüdischen Menschen verboten war. Nachbarn hatten sie denunziert. Nach Recherchen von Schülern der Anna-Warburg-Schule, die sich heute am Markt befindet, könnte auch Pauls Klassenlehrer, der stellvertretender NSDAP-Ortsgruppengleiter war, eine Rolle bei der Deportation gespielt haben. Paul Dieroff wurde laut Stolperstein am 15. Dezember 1944 in Dachau ermordet.

In Schnelsen erinnern fünf Stolpersteine an NS-Opfer. Vor der Flagentwiet 5 gedenken die kleinen Messingsteine an Alphons, Hannchen und Ida Elkeles, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und ermordet wurden. Vor der Schule Frohmestraße wird der Schülerin Elisabeth Korpatsch gedacht, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Jürgen Frank aus der Pinneberger Straße 15 wurde im Alter von vier Jahren in der Kinderfachabteilung der Heilanstalt Eichberg ermordet. mf

Wer vor seinem Haus mit einem Stolperstein an einen ehemaligen Bewohner erinnern möchte, der von den Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurde, kann selbst aktiv werden. Dazu gehört die Recherche der Lebens- und Sterbedaten sowie die Übernahme der Kosten in Höhe von 120 Euro pro Stein. Hinzu können Kosten für eine Übernachtung des Künstlers Gunter Demnig kommen, der alle Stolpersteine eigenhändig verlegt.
Einige Stolpersteine sind in einem traurigen Zustand. Zum Säubern empfiehlt Gunter Demnig gebräuchliche Metall- oder spezielle Messingputzmittel aus dem Drogeriemarkt. Ausführlich unter www.stolpersteine.eu

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