Drei Sirenen gab es bis etwa 1978 in Lokstedt, eine war auf dem Feuerwehrgebäude in der Vogt-Wells-Straße 13 befestigt Foto: Karsten Bornhold

Der leise Warntag

Warum in den Stadtteilen nichts zu hören war

Archiv| Views: 197

Mit großem Trara wurde der #Warntag in allen Medien angekündigt. Abendblatt, NDR und auch das Niendorfer Wochenblatt hatte berichtet.

Am Donnerstag, 10. September, war um elf Uhr dann aber vor allem eins zu hören: Verkehrslärm, Vogelgezwitscher und der schimpfende Vater von nebenan. Aber keine Sirene. Eine Kollegin aus Schnelsen vernahm einen Ton – der kam allerdings aus Bönning-stedt herübergeweht. Denn: „Hamburg betreibt Sirenen nur im sturmflutgefährdeten Gebiet entlang der Elbe“, erklärt Frank Reschreiter, Sprecher der Behörde für Inneres und Sport. „Nur in den Bezirken Altona, Hamburg-Mitte, Bergedorf und Harburg sind Sirenen aufgestellt – und auch dort nur in den Gebieten, die so tief liegen, dass sie bei einer möglichen extremen Sturmflut gefährdet sind.“

Zahlreiche Leser_innen hatten sich gemeldet und besorgt nachgefragt, ob denn alle Sirenen kaputt seien. Auf Nachfrage bei der Freiwilligen Feuerwehr in Lokstedt erklärt Wehrführer Jörg Riisgaard, dass die drei Sirenen, die es ursprünglich in Lokstedt gab, bereits 1978 abgebaut und zunächst durch die sogenannten Funkmeldeempfänger, später dann durch die Digitalen Meldeempfänger (DME) ersetzt wurden. Dass es am vergangenen Donnerstag so leise war, hat ihn nicht überrascht.

Über Sirenen werden die Menschen vor „Großschadenslagen“ wie Natur- oder Umweltkatastrophen, Großbränden, aber auch terroristischen Anschlägen nicht gewarnt. Dafür bleiben die Medien, die Nachbarn oder die Smartphone-Apps NINA oder Katwarn. Wenn sie denn funktionieren. Eine Gefahrenmitteilung, die durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz angekündigt worden war, kam am vergangenen Warntag erst mit einer halben Stunde Verzögerung bei den Empfängern an.

Man wolle aus den Fehlern lernen, so Behördensprecher Reschreiter. „Aufgetretene Fehler werden ausgewertet und behoben. Ab jetzt wird jährlich einmal bundesweit am jeweils zweiten Donnerstag im September geprobt.“ cc

SireneN – ein verlockendes Warngerät
Der Sage nach lockte die Sirene durch ihren Gesang vorbeifahrende Seefahrer an,
um sie zu töten. Die moderne mechanische Sirene hat allerdings die genau gegenteilige
Funktion – sie soll vor Naturkatastrophen, Feuer oder feindlichen Angriffen warnen.

Comments are closed.