Bildhauer Kurt Bauer bei der Arbeit an einer Pavian-Plastik Fotos: privat

Mein Vater, der Bildhauer

Christiane Bauers Spurensuche

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„Mein Vater hat wunderschöne Tierplastiken hinterlassen, die zeigen, dass er das Wesen dieser Kreaturen durchdrang und in Form zu fassen wusste“, resümiert Christiane Bauer, die fast 40 Jahre nach dem Tod ihres Vaters auf eine bewusste Spurensuche seines Werkes gegangen ist.

Rund 70 Plastiken des Bildhauers Kurt Bauer (1906–1981) stehen im gesamten Hamburger Stadtgebiet. Alle hat Christiane Bauer nicht oder zum Teil zerstört gefunden. Für die Ausstellung „Tierisch erfasst“ im Bürgerhaus Lokstedt (Sottorfallee 9) hat Christiane Bauer Fotos der Skulpturen und die Skizzen ihres Vaters zusammengetragen.

Im Garten ihres Lokstedter Elternhauses steht noch das Atelier ihres Vaters, für das er lange gekämpft hatte. Sollte er nicht bald einen eigenen Raum bekommen, „bricht die Zeit an, in der nur noch Kompositionen aus Blech, Draht, Messingklumpen und Stahlbändern en vogue sind. Dann muss ich leider Hungers sterben“, erinnert sich Christiane Bauer an die Worte ihres Vaters, einem überzeugten Naturalisten, der mit der aufkommenden abstrakten Kunst nicht viel anfangen konnte.

Der tägliche Arbeitsweg führte den Künstler, der zwei Weltkriege erlebte, von den Nazis aus der Kunstschule geworfen wurde und direkt nach dem Krieg den „Baukreis“ mitbegründete, durch Hagenbecks Tierpark. Hier fand der Tierliebhaber beim Studium verschiedener Arten die Modelle für seine vorwiegend tierischen Plastiken (Foto rechts oben). Die künstlerische Ader hat die ehemalige Lehrerin, die malt und Batiken anfertigt, von ihrem Vater geerbt. Für die Tochter bedeutete die Spurensuche auch eine Versöhnung mit dem künstlerischen Schaffensprozess ihres Vaters: „Es macht mir Spaß und erfüllt mich mit Stolz. Mein Vater hat unheimlich viel geschaffen, bevor er Anfang der 1970er-Jahre wegen einer Alkoholkrankheit aufhörte“, resümiert Christiane Bauer, die damit begonnen hat, zahlreiche Plastiken des Vaters abzumalen. mf

Christiane Bauer vor dem ehemaligen Atelier ihres Vaters

Ausstellung „Tierisch erfasst“,
Bürgerhaus Lokstedt
Sottorfallee 9, T 56 52 12
Eintritt frei
www.buergerhaus-lokstedt.de

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