Im ehemaligen Park der Amsincks verstreut liegen die Gebäude der Schule Hinter der Lieth Foto: mf

Im ehemaligen Park der Amsincks verstreut liegen die Gebäude der Schule Hinter der Lieth Foto: mf

Lokstedts Denkmal-Vielfalt

Viele versteckte Zeitzeugen erzählen Stadtteilgeschichte

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Rund 35 Denkmäler verzeichnet die Liste des Denkmalschutzamtes für Lokstedt. Bekannt sind Stadtteilwahrzeichen wie der Wasserturm, das ehemalige Rathaus im Zylinder Viertel oder die Klinkerbauten am Siemersplatz aus der ersten Hälfte der 1930er Jahre.

Es finden sich auch Architektenhäuser von Ingeborg und Friedrich Spengelin oder Hans Mensinga aus den 1960er Jahren darunter, ein Grenzstein oder der Lüttge-Garten. Die Siedlung Heimat, entstanden in den Jahren 1929/30 in der Stellinger Chaussee nach Entwürfen von Eduard und Ernst Theil, ist schwer zu übersehen. Einige Denkmäler haben sich aber richtig gut versteckt.

Straßenbahn im Baumarkt
Bis zu ihrer Stilllegung 1978 fuhren Hamburger Straßenbahnen in die Depothalle in der Alten Kollaustraße am Nedderfeld ein. Teile der 1924 von der Gustav Schibli KG erbauten Wagenhalle stehen unter Denkmalschutz. Wer sich das erhaltene Konstrukt anschauen möchte, muss dem vor rund sechs Jahren neu errichteten Bauhaus einen Besuch abstatten. Der Baumarkt musste die Auflagen des Denkmalschutzes befolgen und um die Wagenhalle herum bauen. Zwischen Gartenmöbeln, Sanitär- und sonstigen Angeboten ist der historische Straßenbahntriebwagen vom Typ V6E 3642 der Linie 2 nicht auf den ersten Blick zu entdecken. „Mit seiner bemerkenswerten filigranen Einbetonkonstruktion besitzt das Depot stadt-, bau- und technikgeschichtliche Bedeutung,“ begründete das Denkmalschutzamt seine Entscheidung.

Monument einer Liebe
Auf einer Lichtung im Heckenrosenweg, der sich versteckt und verwunschen zwischen Kollaustraße und Niendorfer Straße schlängelt, ragt ein Obelisk in die Höhe. Der Steinpfeiler mit der Spitze ist eines der ältesten Personendenkmäler Hamburgs und Hüter einer traurigen Geschichte.  Hier befand sich einst der Lieblingsplatz von Catharina Margaretha von Axen, die 1799 mit nur 26 Jahren an der Schwindsucht starb. Ihr Vater, der wohlhabende Kaufmann Jakob von Axen, der das Gut Kollau für die Sommerfrische erworben hatte, ließ 1800 den Obelisk zum Gedenken errichten. Umrahmt war er von vier Reliefplatten, die der berühmte Bildhauer Johann Gottfried Schadow entworfen haben soll. Die Platten sind spurlos verschwunden, ebenso eine Schriftplatte mit einem Gedicht von Christine Westphalen, einer Tante der Verstorbenen.

Schule mit Geschichte
Die Grundschule Hinter der Lieth, erbaut zwischen 1956 und 1958 nach Entwürfen von Gerhard Langmaack, steht mitsamt dem umgebenden Gelände unter Denkmalschutz. Das Klinkergebäude mit seinen filigranen Konstruktionen der Laubengänge, Stahlstützen, Sichtbetonlinsen, Holzwandbekleidungen und gelben Sichtmauerwerk steht auf dem ehemaligen Parkgelände der Familie von Amsinck. Architekt Gerhard Langmaack (1898 – 1986), der eigentlich auf den Kirchenbau spezialisiert war, nahm in den Entwürfen den Parkgedanken auf: Die Pavillons sind zwischen mächtigen alten Bäumen über das Gelände verstreut. Besondere Merkmale sind auch die Mosaike, der gelbe Klinker im Inneren sowie die pastellfarbenen Türen. Die damaligen Schüler haben den Schulgarten so liebevoll gepflegt, dass sie mehrmals den Wettbewerb „Schule im Grünen“ gewannen. mf

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