So sah das nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtete Pastorat in den 1950er Jahren aus Foto: Forum Kollau

Wo die Geschichte Niendorfs noch lebendig ist

Der Stadtteil hat ganz besondere Kulturdenkmäler zu bieten – hier eine Auswahl

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Relikte längst vergangener Tage mit besonderem kulturellen und historischen Wert gibt es auch in Niendorf. Dabei sind es vor allem Gebäude, die nach dem Hamburger Denkmalschutzgesetz heute unter Schutz stehen. Aber auch Grenz- und Gedenksteine, ein Landhausgarten sowie eine Brücke gehören dazu. Dass die barocke Niendorfer Kirche denkmalgeschützt ist, dürfte den meisten Niendorfern geläufig sein. Auch die Villa Mutzenbecher, das Berenberg-Gossler-Haus und der Gedenkstein mit der Doppeleiche auf dem Tibarg sind vielen bekannt. Aber wo genau befindet sich eigentlich die Dänenbrücke, welches Gebäude hat früher ein Armenhaus beherbergt und was ist mit dem Pastorat der Kirche?

Das Pastorat ist heute ein Kulturdenkmal Foto: kh

Pastorat / Gemeindehaus Niendorfer Kirche
Neben der 250 Jahre alten Niendorfer Barockkirche wirkt das Pastorat beziehungsweise das Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde fast schon modern. Erbaut wurde das rote Backsteingebäude „erst“ 1950 als Ersatz für das im Zweiten Weltkrieg am 24./25. Juli 1943 durch eine Luftmine zerstörte Pfarrhaus. Dieses erste Pastorat von 1773 lag etwas weiter nördlich und wurde 1892 wegen schwerer Baumängel mit einer Erneuerung des ersten Stockwerks und des Daches grundsaniert, wodurch das Gebäude eine völlig andere Gestaltung erfuhr. Im Jahr 2013 ist das heutige Pastorat in die Denkmalliste eingetragen worden.

Anno 1903 floss die Tarpenbek unter der Dänenbrücke, heute liegt die Brücke auf dem Flughafengelände trocken Foto: Max Broders / Forum Kollau

Dänenbrücke
Die Besichtigung einer der ältesten Hamburger Brücken ist heute nicht mehr ohne weiteres möglich – sie befindet sich auf dem Flughafengelände. Anno 1798 wurde die Dänenbrücke aus massiven Steinen an der damaligen Grenze zwischen der dänisch verwalteten Herrschaft Pinneberg und Preußen auf Anweisung des dänischen Staatsministers Christian Ditlev Reventlow errichtet. Sie löste einen bis dato existierenden wackeligen Steg ab und war mit ihren 3,70 Meter breit genug für Pferdefuhrwerke und Kutschen. Die Brücke diente vor allem dem Kirchenweg zwischen Hummelsbüttel und Niendorf. Seit der Regulierung der Tarpenbek liegt die Dänenbrücke auf dem Trockenen. Im Jahr 2015 wurde sie vollständig freigelegt.

Das Werk- und Armenhaus an der Friedrich-Ebert-Straße um 1960 Foto: Forum Kollau

Werk- und Armenhaus
Die Geschichte dieses markanten Hauses an präsenter Stelle direkt an der Friedrich-Ebert-Straße geht auf das Jahr 1866 zurück. Ursprünglich errichtet wurde es als Werk- und Armenhaus unter dem Träger des Gesamtarmenverbandes Niendorf. Bis 1910 beherbergte das Haus Menschen jeden Alters, teilweise auch ganze Familien. Es gab sogar eine Arrestzelle, in die die Menschen bei Ungehorsam, Trunkenheit oder anderen Vergehen eingesperrt wurden. Im Jahr 1938 ging das Heim nach dem Zusammenschluss der Großgemeinde Lokstedt mit Hamburg an die Jugendbehörde Hamburg über und wurde zu einem Jugendheim, das ab 1968 auch Kleinkinder aufnahm. Anfang der 1970er Jahre erhielt das Heim den Namen „Max-Zelck-Haus“. Heute befinden sich in dem Gebäude unter anderem eine Erziehungsberatungsstelle und die Niendorfer Elternschule.

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