Großer Vorteil in Corona-Zeiten: Der große Garten des Kinderschutzhauses Foto: Ein Platz für Kinder

Auswirkungen zeigen sich später

Kinderschutzhaus Mattisburg ist in Corona-Zeiten gut aufgestellt

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Für Kinder war es besonders schwer, die Einschränkungen der vergangenen Monate zu verstehen und damit umzugehen. Auch die schwerst traumatisierten Kinder im Schnelsener Kinderschutzhaus Mattisburg standen vor neuen Herausforderungen, Sorgen und Ängsten.

Die ungewohnte Situation, nicht mehr zur Schule oder Kita zu gehen und keinen Kontakt zu den Eltern haben zu dürfen, hat Spuren in den verletzten Kinderseelen hinterlassen, die sich auch sichtbar am beschädigten Mobiliar und an Türrahmen in der Einrichtung zeigen. „Die Zeit war nicht einfach und das Aggressions- und Konfliktpotenzial relativ hoch“, sagt Johanna Ruoff, Vorsitzende der Stiftung „Ein Platz für Kinder“, die das Mattisburg-Projekt mit bundesweiten Standorten mit der „D. und H. Urban-Stiftung“ initiiert hat. Seit 2014 gibt es das Schutzhaus in Schnelsen, das vom Verein „Großstadt-Mission Hamburg-Altona“ betrieben wird.

Zuflucht auf Zeit
Insgesamt sechs Kinder im Alter zwischen vier und elf Jahren haben hier für bis zu zwei Jahre einen Zufluchtsort auf Zeit. Vereint sind sie durch ein ähnliches Schicksal mit Traumatisierungen durch körperliche Gewalt, sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung. Trotz der schwierigen Situation konnte die Corona-Zeit aber dank des Engagements der Mitarbeiter gut bewältigt werden. „Wir haben ein eingespieltes und stabiles Team, das die Kinder liebevoll betreut und das teils sehr auffällige Verhalten ,aushalten‘ kann“, so Ruoff weiter. Von Vorteil sei gewesen, dass das Haus einen großen Garten hat und über Spenden neue Spielsachen angeschafft werden konnten.

Mitten in einem Schnelsener Wohnviertel befindet sich das Kinderschutzhaus Mattisburg Foto: kh

Neuaufnahmen gab es aufgrund der Vollbelegung in den letzten Monaten nicht, Johanna Ruoff ist sich aber sicher, dass sich die Auswirkungen der Isolation noch zeigen werden. „Die aktuellen Zahlen von Gewalt gegen Kinder sind trügerisch. Es ist von einer enormen Dunkelziffer auszugehen, denn bereits ohne Corona ist das Potenzial für häusliche Gewalt hoch.“ Spätestens, wenn Kinder wieder zur Schule gehen, gesehen werden und sich mitteilen können, werde auch die Nachfrage in den Mattisburgen deutlich zunehmen. „Um Schlimmeres zu verhindern, muss gerade jetzt viel deutlicher geschaut werden, was mit den Kindern passiert“, appelliert die Vereinsgründerin. Dafür müssten ihrer Meinung nach im Bereich Kinderschutz mit qualifizierterem Personal und einer besseren Entlohnung aber erstmal die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. kh

Es wird Geld für die Renovierung gebraucht
Für Renovierungsmaßnahmen der während der Corona-Zeit „gelittenen“ Mattisburg freut sich die Stiftung über jede Spende: Spendenkonto Stiftung „Ein Platz für Kinder“, IBAN: DE40 7002 0500 3751 0701 07 (Bank für Sozialwirtschaft)

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