Die Herrin der Bienen: Annette Gnybek Fotos: Gnybek/privat

Die Bienen vom Sassenhoff

Imkerei ist weit mehr als nur ein Hobby

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Viel Wissenswertes rund um die geflügelten Nützlinge erzählt Annette Gnybek im Interview.

Niendorfer Wochenblatt:
Wie viele Bienen-Völker wohnen bei Ihnen?
Annette Gnybek: Insgesamt haben wir im Normalfall circa 15 bis 18 Wirtschaftsvölker, das variiert ein bisschen. Die ‚Ableger‘, die erst ausgewachsene Völker werden sollen, betreuen wir bei uns am Haus. Allerdings sind wir aus der letzten Wintersaison mit großen Verlusten gekommen. Da wir inzwischen die Kündigung zum Ende des Jahres für das Bienengrundstück bekamen, werden wir dort in dieser Situation keine weiteren Völker hinstellen. Wir haben aber zum Ortsausschuss Kontakte aufgenommen und hoffen, dass wir bald eine positive Antwort auf unsere Vorschläge bekommen.

NW: In einem Wirtschaftsvolk gibt es wie viele Bienen?
AG: In einem Bienenstock wohnt jeweils ein Volk – im Sommer kann ein Volk 50.000 bis 70.000 Bienen zählen (in Einzelfällen sogar noch mehr), die für die Versorgung der Königin, die Brut, den Schutz und das Eintragen von Nektar und Pollen zuständig sind.

NW: Wie groß ist der Flugradius einer Biene?
AG: Der Flugradius einer einzelnen Biene beträgt etwa zwei bis 2,5 Kilometer beim Sammeln des Nektars und der Pollen. Allerdings kann sie auch in Notfällen Strecken von circa sieben Kilometern überwinden (das ist dann aber ein Sonderfall). Durch diese Reichweiten und den Fleiß der kleinen Wunderwesen hält die Biene von den Insekten den größten Anteil der Bestäubung mit ungefähr 80 Prozent. Ein einziges Gramm Honig erfordert 8000 bis 10.000 Blütenbesuche und die dabei durch Bestäubung garantierten Samen und Früchte gehen in die Milliarden.

Wann haben Ihre Bienen Sie das letzte Mal so richtig beeindruckt? – „Jeden einzelnen Tag aufs Neue!“ (Annette Gnybek)

NW: Woher kommen die Pollen?
AG: Die Pollen befinden sich auf den Stempeln der Blüten, man nennt es auch Blütenstaub. Es ist meistens eine mehlförmige Masse, bei der man trotzdem von Pollenkörnern spricht – allerdings sind diese mikroskopisch klein. Die Bienen haben sogenannte Pollenhöschen oder Pollenkörbchen am hinteren Beinpaar, in denen sie den Blütenstaub als Nahrung für das Volk sammeln. Im Stock wird der Pollen wie Honig in den Zellen gelagert.

NW: Gerade wurden zwei Wasserlöcher im Niendorfer Gehege mit Wasser aufgefüllt. Die Bienen waren zwar nicht der Hauptgrund, aber Bienen benötigen ebenfalls Wasser, richtig?
AG: Bienen brauchen wie jedes Lebewesen Wasser. Da es in der trockenen Jahreszeit nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, müssen wir Imker dafür sorgen. Wir richten Bienentränken ein – das kann auch jeder in seinem Garten einrichten: Ähnlich einer Vogeltränke, nur nicht so tief – oder man legt in eine bereits vorhandene Vogeltränke einen etwas größeren Stein, dass die Bienen beim Trinken nicht ins Wasser fallen. Ein Stück Holz oder Baumrinde tun es auch.

NW: Wie kamen Sie zu Ihrem „Hobby“?
AG: Es ist seit 1956 ein Familienhobby. Der Vater meines Mannes ist Landarzt gewesen und hatte in früheren Zeiten mehr als 50 Völker hinter seiner Praxis stehen. Mein Mann ist quasi ‚vor den Fluglöchern geboren´ und hat sein Wissen schon mit der Muttermilch aufgesogen. Als wir uns kennenlernten, war ich anfangs nur fasziniert und bin inzwischen seit über 30 Jahren infiziert – wir werden nie ohne diese kleinen wundervollen ‚Haustiere‘ sein und weiter alles für ihren Erhalt und Schutz tun.

NW: Ich habe die Debatte aus dem letzten Jahr noch deutlich im Ohr: Bienensterben, Bienenkrankheiten, Angst um die Bestäuber. Wie geht es den Bienen heute?
AG:Alle genannten Sorgen bestehen heute extremer als je zuvor. Wir freuen uns, dass die Medien endlich das Thema so öffentlich machen und es ist notwendig und immens wichtig für Natur und Mensch, dass das Interesse an der Imkerei und die Liebe dazu weiter fortbestehen – so retten wir letztlich uns selbst…

NW: Wann haben Ihre Bienen Sie das letzte Mal so richtig beeindruckt?
AG: Jeden einzelnen Tag aufs Neue! cc

Honig, Wachs und Infos gibt’s bei
Annette und Artur Gnybek,
Bernburger Weg 1 Niendorf,
Tel. 552 42 60

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