Das Kutscherhaus gehörte zum Anwesen Wilhelm Amsincks Foto: mf

Aus fürs Kutscherhaus?

Historisches Häuschen muss wohl weichen

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Hinter dem Lokstedter Amsinckpark soll ein neuer Grünzug entstehen.
Die Anlage eines Parks oder neuer Kleingartenparzellen wird derzeit
diskutiert (das Wochenblatt berichtete). Für das alte Kutscherhaus aus
dem Jahr 1901, das einst zum Amsinck-Anwesen gehörte, bedeuten
die  noch nicht abgeschlossenen Planungen wohl in jedem  Fall das Aus.

Im Jahr 2014 wurde das Stück Lokstedter Geschichte zusammen mit rund 900 weiteren Wohneinheiten vom Senat der städtischen Saga übertragen mit dem Ziel, „dass  die  Wohnimmobilien  zukünftig  im  Eigentum  eines  Wohnungsunternehmens stehen, das seit mehr als 90 Jahren für die Stadt Hamburg die Schaffung und die Verwaltung von Wohnraum in sozialer Verantwortung übernimmt.“ Das ehemalige Kutscherhaus wurde als Zweifamilienhaus vermietet, der letzte Mieter kündigte nach Auskunft der Saga 2017. Im Jahr 2016 hatte es im Haus einen Wasserrohrbruch gegeben.

Im vergangenen Jahr betraute die Saga einen Immobilienmakler mit dem Verkauf des Kutscherhauses, denn: „Die Typologie des Objekts entspricht nicht dem Vermietungsportfolio der Saga Unternehmensgruppe, sodass sich das Unternehmen für den Verkauf entschieden hat“, erklärt Saga-Pressesprecher Gunnar Gläser. Unter Denkmalschutz habe das Haus nicht gestanden. In der Objektbeschreibung des Immobilienmaklers wurde ein Kaufpreis von 410.000 Euro aufgerufen mit den Hinweisen, dass das „stark sanierungsbedürftige“ Gebäude Bestandsschutz besitzen würde. Weder ein Neubau noch eine weitere Bebauung des Grundstückes seien möglich und der Baumbestand geschützt.  Das Angebot wurde im Sommer vergangenen Jahres zurückgezogen, da Fläche und Gebäude auf den Bezirk übergingen. „Aufgrund von länger dauernden Wasserschäden ist das Haus wohl leider nicht zu retten und wird entsprechend abgerissen“, so Sebastian Dorsch von den Grünen.

Romantische Dorfstraße
Die Stellinger Chaussee war laut Zeitzeugen um die Jahrhundertwende eine wunderschöne, romantische Dorfstraße. Die Gaststätte Lokstedter Höh war ein beliebtes Ausflugslokal der Hamburger. Die Sackgasse, die nun teils zum Grünzug werden soll, gehörte laut Stadtteil­chronistin Helene Koden einst zum  burchardschen Besitz. Hier hatte Johann Heinrich Burchard (1852–1912), Schwiegersohn von Wilhelm Amsinck und Hamburgs erster Bürgermeister, seine Villa. Diese brannte während des Zweiten Weltkrieges ab. mf

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