Sanna Schnorrenberg (l.) und ihre Kollegin Mandy Ruprecht (r.) planen und koordinieren im Bezirk Eimsbüttel Baustellen, wie hier an der Stresemannallee in Lokstedt Foto: mmh

Die Verkehrsexpertinnen von Eimsbüttel

Ihre Mission Staus und Verkehrsbehinderungen reduzieren und insgesamt für bessere Abläufe sorgen

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Seit Spätsommer 2019 sind in Hamburgs sieben Bezirken 14 Verkehrskoordinatoren im Einsatz. Sie planen behördenübergreifend alle Baustellen in der Stadt und sorgen für bessere Abläufe. Das Niendorfer Wochenblatt hat mit Sanna Schnorrenberg und Mandy Ruprecht, dem Eimsbütteler
Anti-Stau-Team, über ihre Arbeit gesprochen.

Niendorfer Wochenblatt: Was sind aktuell die größten Baustellen in Lokstedt, Niendorf und Schnelsen?
Mandy Ruprecht: Das sind der Veloroutenausbau in der Stresemannallee, Vorarbeiten für den Veloroutenausbau in der Paul-Sorge-Straße, die Sanierung der Rad- und Gehwege in der Friedrich-Ebert-Straße sowie die A-7-Baumaßnahmen und die darauf entstehenden Grünanlagen in Schnelsen.

NW: Auf welche neuen Großbaustellen müssen sich die Eimsbütteler 2020/21 einstellen?
Sanna Schnorrenberg: In Lokstedt, Niendorf und Schnelsen wird es den Veloroutenausbau in der Niendorfer Straße und in der Paul-Sorge-Straße geben. Zudem werden in der Holsteiner Chaussee Leitungen saniert, im selben Zuge erfolgen die Erschließungen von Neubaugebieten und eine Straßenerneuerung. Auch der Swebenweg wird saniert.

NW: Wie viele Baustellen gibt es pro Jahr in Hamburg, und wie viele befinden sich derzeit davon im Bezirk Eimsbüttel?
Ruprecht: Die Anzahl der Baustellen ist sehr dynamisch, und es werden viele Arten von Baustellen unterschieden. 2019 hat das Bezirksamt Eimsbüttel an 25 umfangreicheren Straßenbaumaßnahmen, wie Velorouten oder Grundinstandsetzungen, gearbeitet sowie circa 2000 Unterhaltungsmaßnahmen und dringende sicherheitsrelevante Reparaturarbeiten umgesetzt. Hinzu kommen Baumaßnahmen von städtischen Institutionen und privaten Baulastträgern.

NW: Was sind genau Ihre Arbeitsaufgaben?
Schnorrenberg: Wir unterstützen die Koordination, Kooperation und Kommunikation von Baustellen auf Bezirksstraßen. Koordination bedeutet, Baustellen zeitlich und räumlich aufeinander abzustimmen. Kooperation heißt, rechtzeitig Maßnahmen zu verbinden. Bei der Kommunikation geht es um Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Wir sind Ansprechpartner für die Baustellen im Bezirk und stehen im Austausch mit allen Beteiligten. Dazu gehören: Polizei, Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), Autobahn GmbH, Hamburg Wasser, Stromnetz Hamburg, Gasnetz Hamburg, private Bauträger, Bauleiter und Planer der Bezirksämter, Hochbahn, Absperrfirmen, bauausführende Firmen und Ingenieurbüros. Durch diese Vernetzung können wir bei Problemen zügig mit den zuständigen Stellen in Kontakt treten.

NW: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit so vielen Beteiligten?
Schnorrenberg: Alle Beteiligten sind sehr erfahren. Es gibt unterschiedliche Treffen – von Besprechungen einzelner Maßnahmen bis hin zu hamburgweiten und länderübergreifenden Runden. Wir Koordinatoren sind das Bindeglied. Wichtig sind vor allem die kleineren Treffen – sogenannte Verkehrsbesprechungen – die häufig vor Ort stattfinden. Hier wird die gesamte Verkehrsführung besprochen und einzelne Bauabschnitte werden im Detail aufeinander abgestimmt. Zum Beispiel werden stark verkehrseinschränkende Bauphasen in den Ferien und am Wochenende durchgeführt. Zudem werden  Umleitungsstrecken, Busumleitungen, Ersatzhaltestellen sowie Anpassungen der Ampelanlagen besprochen. Dabei werden immer alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt.

NW: Wie oft treffen Sie sich mit den zwölf Kollegen aus den anderen sechs Bezirken?
Schnorrenberg: Wöchentlich. Die Stellen der Baustellenkoordinatoren in den Bezirksämtern wurden 2019 geschaffen, es ist also ein neues Arbeitsfeld. Ein regelmäßiger Austausch ist in dieser Anfangsphase sehr wichtig. Dabei geht es weniger um die Koordinierung von Maßnahmen als um die Erarbeitung von gemeinsamen Konzepten und  Arbeitsprozessen.

NW: Wie groß ist der Zeitraum für die Planung von Baustellen, und wie flexibel können diese geändert werden?
Ruprecht: Bei großen Baumaßnahmen beginnt die Planung zwei bis vier Jahre im Voraus, bei kleineren Maßnahmen Wochen oder Monate vorher. Entsteht ein Konflikt mit einer anderen Baustelle, werden sie aufeinander abgestimmt. Bei Notfällen – wie Wasserrohrbrüchen – vergehen bis zur Umsetzung oft nur wenige Stunden. Dann ist eine Abstimmung mit anderen Baustellen nur selten möglich.

NW: Spielen Busrouten oder Großveranstaltungen eine Rolle bei der Planung?
Ruprecht: Ist eine Buslinie betroffen, wird das in der Koordinierung berücksichtigt. Daher nehmen auch Hochbahn-Vertreter an den Verkehrsbesprechungen teil. Großveranstaltungen auf Baustellen abzustimmen, ist Teil unserer Arbeit, egal ob es um ein kleineres Straßenfest oder den Hamburger Marathon geht.

NW: Werden nur Hauptverkehrsstraßen oder auch Bezirksstraßen bei der Koordinierung beachtet?
Ruprecht: Wir haben einen Blick auf alle Straßen, allerdings liegt unser Fokus auf den sogenannten Bezirksstraßen mit gesamtstädtischer Bedeutung. Die Hauptverkehrsstraßen werden vom LSBG betrachtet, aber natürlich stehen alle Maßnahmen auf allen Straßennetzen im Zusammenhang. Daher gibt es einen engen Austausch.

NW: Warum wird nicht auf allen Großbaustellen im Mehrschichtbetrieb gearbeitet?
Schnorrenberg: Die Baumaßnahmen auf Autobahnen werden in der Regel im Zweischichtbetrieb ausgeführt, und viele Arbeiten erfolgen zusätzlich nachts und am Wochenende. Auf den Stadtstraßen ist ein Mehrschichtbetrieb nur selten umsetzbar, da die Anwohnerbedürfnisse sowie die Lärmschutzverordnung zu beachten sind.

NW: Welche Überschneidungen konnten Sie schon verhindern?
Ruprecht: Die bereits erwähnte Baumaßnahme in der Niendorfer Straße konnten wir mit einer Maßnahme in der Kollaustraße abstimmen. Da die Umleitungsstrecke der Niendorfer Straße über die Kollaustraße führt, dürfen nicht beide Baumaßnahmen parallel stattfinden, weil die Verkehrsbelastung in der Kollaustraße sonst zu hoch wäre. Daraufhin haben wir alle Beteiligten an einen Tisch geholt und uns auf eine Bauzeitunterbrechung der Niendorfer Straße geeinigt, in der die Kollaustraße bebaut werden kann.

NW: Gibt es bereits ,messbare‘ Erfolge durch die 14 Baustellenkoordinatoren und auch weniger Stau?
Schnorrenberg: Verkehrsentlastung ist schwer messbar. Wir schauen auf alle Verkehrsteilnehmer, und da sind einfache Kennzahlen wie ‚Stauminuten‘ irreführend. Zukünftig wird noch stärker in die Straßeninfrastruktur investiert. Ziel ist es, so gut zu koordinieren und zu kooperieren, dass dieser Zuwachs die Verkehrsteilnehmer nicht belastet. Zusammengefasst kann man sagen: Am effizientesten ist unsere Arbeit dann, wenn man uns nicht wahrnimmt. Sichtbar hingegen sind die Infomaßnahmen wie das neue Baustellenschild, die Baustellenhotline und die Baustellen-Website. Neben den bekannten Anliegerinformationen haben wir in Eimsbüttel Aushänge erstellt, die bei neuen Maßnahmen zum Einsatz kommen, um Anwohner in einem größeren Umkreis zu erreichen.

Baustellenhotline:
Tel. 428 282 020,
Baustellenübersicht:
hamburg.de/baustellen
Infos über Velorouten-Baumaßnahmen in Eimsbüttel: hamburg.de/eimsbuettel/velorouten

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