Hamburger Schüler: „Die psychologischen und gesundheitlichen Risiken werden von der Schulbehörde ignoriert"

„Den aktuellen Zustand empfinde ich als ziemlich gefährlich für alle“, sagt Lukas Lißewski, Abiturient am Gymnasium Ohmoor in Niendorf Fotos: privat

Abi 2020: Prüfungen verschieben

Risiko zu groß Niendorfer Schüler
kritisiert Plan der Schulbehörde

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In der vergangenen Woche hat die Schulbehörde in Hamburg angekündigt, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr verschoben werden. „Hamburg will den Abiturientinnen und Abiturienten dadurch mehr Vorbereitungszeit ermöglichen“, so Schulsenator Ties Rabe (SPD).

„Für mich hat sich nur ein Prüfungstermin verschoben, sodass die Prüfungen noch enger getaktet sind“, sagt Thea Seitz, Abiturientin am Gymnasium Bondenwald in Niendorf

Die Prüfungen sollen jetzt – angeglichen mit den Prüfungsterminen in Schleswig-Holstein – vom 21. April bis 6. Mai stattfinden. Das Risiko, sich während der Prüfungen anzustecken, sei dann aber noch viel zu hoch, kritisiert der Niendorfer Schüler Lukas Lißewski. Er besucht die zwölfte Klasse am Gymnasium Ohmoor und gehört zu den Schülern, die in nicht ganz zwei Wochen ihre Klausuren schreiben sollen. „Ich habe Angst, wenn ich fünf Stunden zusammen mit zehn Personen in einem Raum die Prüfung schreibe, dass dann eine Person dabei ist, die schon infiziert ist, ohne Symptome zu zeigen. Dann besteht die reale Gefahr, dass wir uns und unsere Familien zu Hause anstecken.  Damit würden die Infektionsketten unnötig verlängert“, so der 18-Jährige. „Die psychologischen und gesundheitlichen Risiken werden von der Schulbehörde ignoriert“, so der Schüler.

Thea Seitz, Abiturientin und Schülersprecherin am Gymnasium Bondenwald, sieht die Situation dagegen gelassener. Um ihre Gesundheit macht sich die 18-Jährige weniger Sorgen. „Ich glaube viele wollen es hinter sich und geschafft haben, aber natürlich bedeutet das Verschieben mehr Tage zum Lernen, was erst mal eine Entlastung darstellt“, so Seitz.

Elternkammer und Online-Petition
Inzwischen hat sich auch die Elternkammer zum Thema „Abitur 2020“ gemeldet. In einem Schreiben fordert sie, dass „sämtliche Prüfungen auf den spätest möglichen Termin gelegt werden“. Sichere Hygienebedingungen seien nicht nur in den Prüfungsräumen, sondern auch auf Toiletten und Zuwegungen zu gewährleisten, fordern die Unterzeichnenden.

Vergangenen Donnerstag hat sich der Protest gegen die Abiturpläne erneut verschärft: Eine Online-Petition von Schülern fordert eine weitere Verschiebung der Prüfungen um weitere ein bis zwei Wochen, damit die „Zeitabstände zwischen den Prüfungen menschlich bleiben“. Durch die Verschiebung von Seiten der Schulbehörde wurde die Zeitspanne, in der alle Prüfungen statfinden verkürzt, so dass manche Schüler mehrere oder sogar alle Prüfungen innerhalb einer Woche
schreiben müssen.

Von der Schulbehörde lag uns bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zur Kritik durch Schüler und die Elternkammer vor. Um die Vorbereitungen derer, die aus verschiedenen Gründen nicht gut zu Hause lernen können zu verbessern, soll das Lernen jetzt in der Schule ermöglicht werden. Dabei soll je ein Schüler in einem Klassenraum sitzen, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. cc

 Mehr Infos unter
www.elternkammer-hamburg.de

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