Das Lernen zu Hause ist für viele Kinder sehr schwierig Fotos: Alexandra H. / pixelio.de

„Die Eltern sind
kein Lehrerersatz“

HOMESCHOOLING Interview mit
Grundschullehrerin Malin Frese

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Schnelsen Genauso wie ihre Kollegen, aber auch die Eltern der vielen Hamburger Schüler steht Malin Frese zurzeit vor einer ganz neuen Herausforderung. Die Lehrerin an der Grundschule Anna-Susanna-Stieg in Schnelsen begleitet das Homeschooling ihrer zweiten Klasse mit vielen Tipps für die Zeit zu Hause sowie mit aufmunternden E-Mails und Telefonaten.

Grundschullehrerin
Malin Frese

Niendorfer Wochenblatt
Frau Frese, wie erleben Sie die Situation,
wie klappt das Homeschooling?

Malin Frese Für die meisten Eltern ist das sehr schwierig. Viele arbeiten und müssen nun gleichzeitig der Vertretungslehrer sein. Der Spagat ist groß. Teilweise müssen jüngere Geschwister beschäftigt werden. Auch für die Kinder ist die ungewohnte Situation nicht einfach: Das selbstständige Arbeiten zu Hause ohne die Struktur des Unterrichts stellt sie vor eine neue, nicht unbedingt schöne Herausforderung.

NW Welche Unterstützung können Sie bieten?
Frese Wichtig ist mir der persönliche Austausch per Mail oder telefonisch. So kann ich den Kindern oder Eltern zum Beispiel Aufgaben oder Rechenwege erklären, wenn es mal hakt. Außerdem versuche ich, den Kindern etwas Mut zuzusprechen und den Eltern den Druck zu nehmen.

NW Wie machen Sie das konkret?
Frese Ich vermittele den Eltern, dass sie kein Lehrerersatz sein müssen und sich beim Einhalten des wöchentlichen Arbeitsplans nicht zu sehr unter Stress setzen sollen. Eltern können ihre Kinder am besten einschätzen und entsprechend so viel Lernstoff in den Tag einbauen, wie es für alle zu schaffen ist. Natürlich ist es wichtig, dass die Kinder etwas für die Schule tun, aber sie können jetzt noch etwas viel Wichtigeres lernen: Rücksichtnahme, Geduld, gegenseitige Hilfe und Dankbarkeit. Von mir bekommen sie regelmäßig Mutmach-Mails. Als freiwillige Angebote schicke ich außerdem interessante Links, zum Beispiel für Lern-Apps, sowie einige Tipps für die Freizeitbeschäftigung.

NW Womit könnten die Kids denn zum
Beispiel beschäftigt werden?

Frese Warum nicht mal einen möglichst hohen Turm aus Klopapier bauen? Oder je nach Alter eigenständig einen Kuchen backen? Wer noch Kapazitäten hat, könnte jetzt den Jüngeren das Schuhezubinden beibringen oder die Mülltrennung erklären.

NW Wie empfinden Sie selbst die Einschränkungen?
Frese Die Kinder und der Schulalltag fehlen mir. Ich bin froh, wenn wir uns wieder sehen, die Schüler ihre Freunde treffen. Und wahrscheinlich werden die Kids die Schule künftig mit anderen Augen sehen. kh

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