Ein Entwurf der künftigen Portalwache Schnelsen Visualisierung: SKA Sibylle Kramer Architekten BDA

Portalwache in der Kritik

Megaprojekt im Landschaftsschutzgebiet

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Bei der Plandiskussion über die Portalwache
Schnelsen am Schleswiger Damm
gab es kritische Fragen der Anlieger.

Mitte Februar hat das Bezirks-amt Eimsbüttel die erste Planung für die künftige Feuer- und Rettungswache Schnelsen öffentlich präsentiert. Die Portalwache soll im Hamburger Nordwesten eine noch schnellere Notfallversorgung der Menschen gewährleisten und den Brandschutz in den Stadtteilen sowie im Schnelsen-Tunnel sicherstellen, so die Begründung für den Bau und den Standort in Nähe zur A7-Anschlusstelle Schnelsen.

Erster Entwurf
Das Baugelände, nördlich vom denkmalgeschützten Sassenhof, liegt im Landschaftsschutzgebiet und einer Ausgleichsfläche für den A7-Ausbau. Deshalb ist ein Ausgleich erforderlich. Für die geplante Flächenversiegelung von 0,5 Hektar (ha) werde ein Ausgleich durch die Aufwertung von drei Flächen mit einer Gesamtgröße von 4,67 ha erfolgen, so Wiebke Papke vom Bezirksamt. Im Plangebiet zwischen Wache und Sassenhof sowie entlang des Fuß- und Radwegs werden zusätzliche Feldhecken, Bäume, Gehölzer und artenreiche Wiesen gepflanzt.

Das gilt auch für das Gelände zwischen dem Weg Sassenhoff und dem Kollauwanderweg sowie in 650 Metern Entfernung zwischen der Straße Am Ree und dem Röthmoorgraben. Der Standort für den Waldersatz wird noch festgelegt.

Die Kritiker
„Flora und Fauna werden geschützt, aber wo bleiben wir Menschen?“ So lautete die Hauptkritik vieler Anlieger, die gegenüber der Feuerwache auf der anderen Seite des Schleswiger Damms im Bereich Sassenhoff wohnen. Durch Einsätze mit Blaulicht und Martinshorn rund um die Uhr und den zusätzlichen Verkehr durch die Feuerwehrkräfte sinke neben dem Immobilienwert auch die Wohn- und Lebensqualität, so die Befürchtung. „Die Belange der Anlieger wurden bei der Präsentation nicht berücksichtigt“, sagt Hausverwalter Kurt Phillip Weyerstall, der für die Eigentümer im Sassenhoff 3-13 spricht. Die Fragen nach einer Lärmschutzwand oder Dreifachverglasungen sowie die Kosten seien ungeklärt.

Das Bezirksamt
„Wir machen eine frühzeitige öffentliche Beteiligung, um die Einwände und Ideen der Bürger berücksichtigen zu können“, sagt Jan Philipp Stephan, Fachamtsleiter Stadt- und Landschaftsplanung Eimsbüttel, „deshalb gibt es noch kein fertiges Lärmschutzkonzept“. Die Schutzbelange der Menschen werden durch die Gutachten gesichert. Sollte eine Lärmschutzwand nötig sein, werde diese auf Kosten der Stadt gebaut. Insgesamt wurden 30 Flächen geprüft.

Die Feuerwehr

Auch die Feuerwehr ist für eine Ampelanlage direkt an der Feuerwehrein- und Ausfahrt. So könnte nachts der Einsatz von Signalhörnern vermieden werden. Im Durchschnitt gebe es 30 Einsätze innerhalb von 24 Stunden, so Thorolf Taute, Wachführer der Feuer- und Rettungswache Stellingen, die derzeit auch Schnelsen und Niendorf versorgt. Diese werden bereits jetzt täglich gefahren, künftig würden sich aber die Fahrzeiten erheblich verkürzen. Auch die Sorge vor steigendem Verkehr durch die Mitarbeiter räumte Taute aus. Zwar zählen zur Portalwache Schnelsen 196 Mitarbeiter, im täglichen Betrieb seien aber nicht mehr als 25 vor Ort.

Die Naturschützer
Die Einschätzung vom Pro Niendorfer Gehege fällt moderater aus: „Natürlich sehen wir es nicht gern, wenn bestehender Landschaftsschutz aufgehoben wird. Angesichts der Planung sind wir aber überzeugt, dass der Ausgleich, mit dem zwei wertvolle Flächen aufgewertet und dauerhaft gesichert werden, den Eingriff relativiert“, sagt Vereinsvorsitzende Susanne Egbers.

So geht’s weiter
Vor der Grundsteinlegung erarbeitet das Bezirksamt mit Politik und zuständigen Behörden den Bebauungsplanentwurf. Die Bürger können dann wiederum Einwände äußern. Sollten diese zu grundlegenden Änderungen führen, erfolgt eine weitere öffentliche Auslegung. Die Bezirksversammlung und der Bezirksamtsleiter stimmen dem Entwurf zu, der als Bebauungsplan in Kraft tritt. Parallel findet für die Baufläche eine Änderung des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms statt. ngo

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