Ein Teil des Parkplatzes ist nun Bauwagenplatz Foto: mf

Alternativ leben in Lokstedt

Erster legaler Bauwagenplatz Hamburgs

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Nach mehrjährigen Verhandlungen bereiten sich
die neuen Bewohner von Hamburgs erstem
legal gegründeten Bauwagenplatz am Lokstedter
Heckenrosenweg auf den Einzug vor.

MIRIAM FLÜß

„Die Baugenehmigung liegt vor, und wir warten jetzt nur noch auf die Kampfmittelfreiheitsbescheinigung. Dann kann der Klempner kommen“, erklärt Helge. Der 30-Jährige ist einer von zehn jungen Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, die drei Jahre lang für die Gründung einer Bauwagengruppe in Lokstedt gekämpft haben. Die Brachfläche am Heckenrosenweg, die sich die Gruppe ursprünglich als Standort ausgesucht hatte, schied als Überflutungsgebiet aus.

Als Alternative wurde der Gruppe der benachbarte Parkplatz neben dem Lycée Français de Hambourg angeboten. Dies wiederum stieß – und stößt teilweise noch – auf Ablehnung bei den Eltern, die ihre Kinder morgens in der engen Straße mit dem Auto zur Schule bringen (das Wochenblatt berichtete). Die Fläche für die Bauwagen wurde deshalb um die Hälfte verkleinert, im September wurde der Mietvertrag mit der Stadt geschlossen.

Eine Notlösung in Zeiten von Wohnungsnot und hohen Mieten sei der Bauwagen für ihn nicht, sagt Moritz: „Ein Bauwagenplatz ist ähnlich schwer zu finden wie eine Wohnung. Wir sind heilfroh, jetzt hier zu sein“, fügt der 29-Jährige hinzu und erklärt: „Mir ist es wichtig, ökologisch, ressourcenschonend, gemeinschaftlich und mit geringen Fixkosten zu leben.“

Schon seit über zwei Jahren lebt Moritz auf sieben Quadratmetern in seinem Mercedes-LKW. Wenn er und die anderen Bewohner es warm haben wollen, müssen sie Holz hacken, und wer Wasser braucht, muss es sich holen. Auf dem Platz gibt es einen Küchen- und einen Sanitärwagen für alle sowie Gemeinschaftsräume.

Keine Scheuklappen
Viele Besucher seien schon vorbeigekommen, erzählt Helge: „Wir wollen ein Teil des Stadtteils werden und haben keine Scheuklappen.“ An dem Mietvertrag, der laut Finanzbehörde „im Sinne aller Beteiligten“ ist, übt die Wagengruppe auf einem Transparent am Zaun dennoch Kritik. Die ursprüngliche Größe des Platzes sei halbiert worden, die Miete gegenüber ersten Verhandlungen aber deutlich gestiegen.

„Wir halten die Pachthöhe immer noch für moderat“, erklärt Ali Mir Agha (Grüne) dazu, der sich mit seiner Fraktion für den Bauwagenplatz eingesetzt hatte. Mir Agha verweist darauf, dass die Gruppe für die Anschlüsse Drittmittel beantragen könne. Außerdem sei die Pachtdauer von fünf auf zehn Jahre verlängert worden mit einer Option auf weitere zwei Jahre.

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