Der Mann, der die Wahrheit kennt: Rechtsmediziner Prof. Dr. Püschel zu Gast in Niendorf Nord
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Von den Toten
fürs Leben lernen

Rechtsmediziner Prof. Püschel war zu Gast in Niendorf Nord

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Was Menschen anderen Menschen Schlimmes antun können, weiß Prof. Dr. Klaus Püschel nur zu genau. In über 40 Jahren hat er tausende Leichen untersucht, Tathergänge rekonstruiert und mit seiner Arbeit dazu beigetragen, viele Verbrechen aufzuklären.

„Ich weiß, wie Blut spritzt und welche Spuren es hinterlässt“, bringt es der international gefragte Rechtsmediziner sachlich vor den zahlreichen Gästen in der Haspa-Filiale in Niendorf Nord auf den Punkt. Wo bei anderen Menschen das kalte Grauen einsetzt, beginnt bei ihm die Arbeit – eine Arbeit mit dem Tod, die für ihn routinierter Alltag ist. „Auch wenn ich professionell mit dem Thema umgehe, bedeutet das nicht, dass ich kalt bin“, betont der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Etwa 50 Menschen sterben tagtäglich in Hamburg, 20 Prozent landen in der Rechtsmedizin, bevor sie ihre letzte Ruhe finden können. „Hamburg ist die sicherste Stadt in Deutschland“, ist sich Püschel sicher: „In keiner anderen Stadt werden so viele Tote untersucht“. Das liege auch daran, dass nur noch Hamburg über eine öffentliche Leichenhalle verfüge.

Quasi in der Funktion als „letzte Hausärzte“ untersuchen die Rechtsmediziner ihre „Patienten“ gewissenhaft, um Verbrechen auszuschließen oder andersherum um dazu beizutragen, diese aufzuklären: „Von den Toten lernen wir für die Lebenden“, ist der Rechtsmediziner überzeugt. Aber nicht nur von denen: Zu den Aufgaben gehört es zudem, die Todes-Umgebung zu analysieren und Tathergänge zu rekonstruieren. Eine spannende und häufig knifflige Aufgabe, die Püschel anhand von realen Kriminalfällen exem-plarisch nach dem Motto „Die Wahrheit ist der spannendere Krimi“ aufzeigt. So erzählt er vom „Bohrmaschinen-Mord“, der sich zu Jahresbeginn in Lüneburg ereignete, oder von dem zwei Jahre lang vermissten Mann, dessen zerstückelte und teils einbetonierte Leiche auf seinem Reiterhof in Dithmarschen gefunden wurde – kaltblütig ermordet von seiner Frau und dem neuen Partner. Auch an der Aufklärung des Falls Birgit Meier, die 1989 verschwand und deren Leichnam 2017 nach privater Suche ihres Bruders, dem ehemaligen Hamburger LKA-Leiter Wolfgang Sielaff, gefunden wurde, war Püschel beteiligt: „Hinter Ermordeten und Vermissten steht immer eine Familie und die leidet ein Leben lang“ – eine gute Motivation für den Rechtsmediziner, dem Tod stets auf der Spur zu sein. (kh)

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