Auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier: Die amerikanische Kiefernwanze Foto: cc

Kiefernwanzen aus Amerika

Hübsche Krabbler auf dem Badewannenrand

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Die Tochter (14) kreischt: Im Badezimmer krabbelt mutig und
unheimlich langsam ein schönes braunes Insekt – bis
dahin war der Name nicht bekannt – über den Badewannenrand.

Das zweite läuft über den Gartentisch, das dritte durchwanderte gestern Abend zielstrebig die Sporthalle im Bindfeldweg.  Drei auf einmal mag noch keine große Zahl sein, und dennoch steht die Frage im Raum: Was ist das für ein Insekt? Beim Centrum für Naturkunde (CeNak) an der Universität Hamburg gibt es Informationen. „Bei der Amerikanischen Kiefernwanze handelt es sich um einen reinen Pflanzensaftsauger. Sie saugt insbesondere an den Zapfen und jungen Trieben unterschiedlicher Nadelbaumgehölze. Die Art kann Menschen somit nicht gefährlich werden“, sagt Dr. Martin Kubiak vom CeNak.

Ursprünglich stammt der rot-braune Krabbler aus Nordamerika. In Europa  wurden die ersten 1999 in Italien gesichtet, in Deutschland 2006. „Für Hamburg liegen keine publizierten Erfassungen vor, eigene Aufsammlungen des CeNak belegen ein Auftreten der Art in Hamburg seit 2017“, so Kubiak. Da sich die Insekten aber sehr schnell ausbreiten, sei davon auszugehen, dass sie auch schon früher, so wie in Dänemark bereits 2009, vorkamen.

Vermutlich kamen die ersten amerikanischen Kiefern-wanzen mit Holztransporten (Weihnachtsbäume), Saatgut oder Baumaterial mit. Da sie – im Gegensatz zu einigen anderen Wanzen – nicht stinken, sondern sogar einen angenehmen Geruch absondern, können es schnell mehrere Tierchen werden, die es sich jetzt, im Herbst, bei den Menschen gemütlich machen und überwintern wollen.

Ihnen ein warmes Plätzchen zu gewähren, sei aber nach Ansicht des Experten nicht sinnvoll. „Ein Auftreten gebietsfremder Arten ist grundsätzlich als problematisch für die einheimische Artenvielfalt anzusehen, da Neozoen (eingewanderte oder eingeschleppte Tierarten, Anm. der Red.)  mit einheimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum- und Nahrungsressourcen treten. Eine weitere Verbreitung oder Förderung dieser Arten durch den Menschen sollte unterbleiben“, so Dr. Martin Kubiak. cc

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