Beliebte Stadtteilschule: Auch in diesem Jahr musste die Julius-Leber-Schule wieder viele Kinder ablehnen Foto: kh

„Stadtteilschule
für Stadtteil-Kinder“

Klagen über unverständliche Schulplatzvergabe

Archiv| Views: 139

Die Schnelsener Julius-Leber-Schule gehört zu den beliebtesten
und größten Stadtteilschulen in Hamburg. Das Schuljahr
2019/2020 ist mit acht fünften Klassen und 185 Schülern gestartet.
Immerhin 42 angemeldete Kinder konnten ihren Wunschplatz
aber nicht erhalten, darunter auch Schüler aus dem Stadtteil.

„Wo sollen unsere Kinder zur Schule gehen, wenn dies nicht mal im eigenen Stadtteil möglich ist?“, fragt eine Schnelsener Mutter, deren Sohn nun trotz Widerspruchs die fünfte Klasse der Stadtteilschule Niendorf besucht. „In Hamburg gilt die freie Schulwahl, unabhängig vom Wohnort. Folglich muss sich niemand in seinem Stadtteil anmelden, sondern kann sich drei Schulen im gesamten Stadtgebiet wünschen“, erläutert Peter Albrecht, Pressesprecher der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB): „Aus der Zugehörigkeit zu einem Stadtteil erwächst folglich keine Beschränkung der Schulwahl.“ Andersherum könne daraus aber auch kein Recht auf einen Schulplatz hergeleitet werden.

Schulwege werden länger
„Für mich ist es unverständlich, dass Kinder aus Eidel-stedt mit einer eigenen Stadtteilschule bevorzugt werden“, äußert sich die enttäuschte Mutter: Ihr Sohn muss nun jeden Tag in einen anderen Stadtteil fahren und hat zudem einen weiteren Schulweg als bis zur Schnelsener Wunschschule.
Die Problematik: Die Familie wohnt im Märchenviertel und damit aufgrund der hohen Anmeldezahlen zu weit entfernt von der Julius-Leber-Schule. „Die Verteilungsmaßgaben sind im Schulgesetz geregelt. Dort ist unter anderem die Entfernung klar als Kriterium genannt“, so der BSB-Sprecher weiter. Da Kinder aus Eidelstedt näher an der Julius-Leber-Schule wohnen, wurden sie folglich bei der Vergabe bevorzugt.
Dieses Beispiel ist längst kein Einzelfall mehr: Um den steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden – nach aktuellen Prognosen erhöhen sich diese in den nächsten zehn Jahren um 25 Prozent – sieht ein Entwurf des Schulentwicklungsplans den Neu- und Ausbau von Schulen in Hamburg vor.

Campus-Stadtteilschule geplant
„Im Herbst erarbeitet die BSB dafür einen konkreten Gesamtvorschlag“, betont BSB-Sprecher Albrecht. In Schnelsen ist nach derzeitigem Stand eine vierzügige Campus-Stadtteilschule geplant. Bis dieses Projekt realisiert ist, werden aber Jahre vergehen – und noch einige Familien enttäuscht über das System der Schulplatzver-gabe sein. kh

 

Comments are closed.