Anwohner Audrey Krause-Roehrig (3.v.li.) und ihr Ehemann Elmar Krause (4.v.r.) und ihre Nachbarn freuen sich über den Fahrstuhl, vermisssen aber den Lärmschutz Fotos: ngo

U-Bahn-Lärm ist
nicht auszuhalten

Anwohner: Neue Treppe braucht Schallschutz

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Sie waren froh, als in der Paul-Sorge-Straße nach jahrelanger
Bauzeit die U-Bahn-Station Joachim-Mähl-Straße
barrierefrei war. Endlich hatte der Baulärm ein Ende.

Die Anwohner haben sich aber zu früh gefreut. Zu den Stoßzeiten schallt der Lärm der ein- und ausfahrenden U-Bahnzüge inklusive Bremsgeräuschen und den Warnsignalen der U-Bahntüren beim Öffnen und Schließen im Zwei-Minuten-Takt nach oben. „Es ist unerträglich, wir können nicht mehr im Garten sitzen. Auch nachts hören wir trotz geschlossener Fenster deutlich die U-Bahn“, sagt Audrey Krause-Roehrig. Die Gärten der acht Reihenhäuser sind teils nur einen Meter von der Treppe entfernt. „Ich habe oft das Gefühl, auf dem Bahnsteig und nicht in meinem Garten zu stehen“, sagt Krause-Roehrig. Nachbar Dirk Fichtelmann ärgert sich besonders über die Geruchsbelästigung durch die offene Treppe. Je nach Windrichtung setze sich der typische U-Bahngeruch und ölige Gestank der U-Bahnbremsen wie eine Stinkwolke im Garten fest.

„Grundsätzlich begrüßen wir den barrierefreien Ausbau. Wir haben deshalb die dreijährige Bauzeit und den Baulärm akzeptiert, und das in Regel von 6 bis 20 Uhr“, stellt Elmar Krause klar. Nicht der Fahrstuhl, sondern die neue Treppe sei das Problem. Die Anwohner verstehen nicht, warum diese auf ihrer Straßenseite gebaut wurde. Gegenüber liege ein Gewerbegrundstück.

Schon vor Baustart Bedenken geäußert
Die Hamburger Hochbahn zeigt sich überrascht. Laut Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum gab es an ähnlichen Haltestellen mit offenen Treppenaufgängen bisher keine Beschwerden. „Das bedeutet nicht, dass es nicht zu einer geänderten Situation vor Ort kommt“, sagt Kreienbaum auf Wochenblatt-Nachfrage. Der Gehweg gegenüber sei für eine Treppe nicht breit genug und ein Ausweichen auf das Privatgrundstück nicht umsetzbar gewesen, so Kreienbaum. Die neue und dritte Treppe „dient als zweiter Fluchtweg und erschließt den Bahnsteig vom anderen Ende her“.

Die neue Treppe hat einen Meter Abstand zu den Gärten

Die Anlieger haben ihre Bedenken schon vor Baustart an die Hochbahn gemailt und mit Mitarbeiten telefoniert. „Die Antworten waren häufig schwammig formuliert und nicht wirklich hilfreich“, sagt Ehepaar Krause-Roehrig. Auf einige Mails wurde gar nicht reagiert. Die Argumente eines Hochbahn-Mitarbeiters, dass es durch den Straßen- und Flugverkehr auch einen Lärmpegel gebe, lassen die Anwohner nicht gelten. Abends und nachts gebe es kaum Verkehr, und Flugzeuge seien selten wahrnehmbar.

Die Anlieger haben der Hochbahn mehrere Ideen für einen besseren Schallschutz vorgeschlagen. Dazu gehören Schwingtüren zwischen Bahnsteig und Treppenaufgang, eine Dachkonstruktion über der Treppe – ähnlich wie an der U-Bahnstation Schippelsweg – und Lärmschutzkacheln entlang der Treppenwände. Familie Krause-Roehrig und ihre Nachbarn hoffen, dass sich die Hochbahn bis Anfang Oktober für einen Vor-Ort-Termin meldet.

Auf Wochenblatt-Nachfrage verspricht Kreienbaum einen „direkten Dialog mit den Anwohnern“. Das gelte auch für die Schäden an den Reihenhäusern und Gärten, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind. Vorab wolle die Hochbahn die Situation untersuchen und bei Bedarf einen Gutachter hinzuziehen, so Hochbahn-Sprecher Christoph-Kreienbaum, der „um etwas Geduld“ bittet. ngo

 

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