In schöner Umgebung bieten die Mitarbeiterinnen der stationären Nachsorge des STZ Unterstützung für ein suchtfreies Leben Foto: kh

Reha für ein cleanes Leben

In Lokstedt finden suchtabhängige Frauen mit Kindern Hilfe

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Das eigene Leben nach einer Suchttherapie in den Griff zu bekommen,
ist eine riesige Herausforderung. Ungleich schwieriger wird es, wenn
Kinder im Spiel sind. Als einzige Einrichtung in Norddeutschland
gibt es dafür in Lokstedt eine stationäre Nachsorge für suchtabhängige
Frauen und Mütter mit Kindern.

„Wir unterstützen dabei, eine gute Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen“, beschreibt Diplom-Pädagogin Anja Bluhm eine von vielen Herausforderungen, vor denen die Mitarbeiterinnen der stationären Nachsorge des SuchtTherapieZentrums Hamburg (STZ) als Einrichtung der Martha Stiftung tagtäglich stehen. Denn diese Bindung sei oftmals nicht vorhanden, wenn die suchtkranken Frauen nach einem Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenentzug in die Einrichtung kommen. Fast ausnahmslos alle sind traumatisiert, leiden an psychischen Problemen, einem mangelnden Selbstwertgefühl und dem ständigen Schuldgefühl, keine gute Mutter zu sein.

Inmitten eines beschaulichen Lokstedter Wohngebiets finden sie in der großzügigen Einrichtung ein Zuhause auf Zeit und ein unterstützendes Umfeld – auch um eine liebevolle Beziehung zum eigenen Kind aufzubauen. „Dafür ist es natürlich wichtig, dass die Frauen lernen, eine Perspektive für sich und ihr Leben zu finden“, betont Teamleiterin Anja Bluhm.

Die stationäre Nachsorge sei daher als soziale Rehabilitation zu verstehen, die mit vier (Sozial-)Pädagoginnen und einer Erzieherin (eine weitere wird aktuell gesucht) professionelle Hilfe anbietet. Hierbei geht es auch um scheinbar banale Dinge der Alltagsbewältigung und der Tagesstrukturierung. Einzelgespräche und viele Gruppenangebote gehören zum regelmäßigen Angebot.

Im Stadtteil werden die Kinder sozial in Kitas und in der Schule eingebunden. Die Mütter haben zudem die gute Gelegenheit, sich mit anderen Frauen mit ähnlichen Schicksalen auszutauschen und sich im täglichen Umgang gegenseitig zu stärken.

Insgesamt bietet die Einrichtung Platz für 19 Frauen und Kinder, die hier jeweils in Einzelzimmern in kleinen WGs wohnen. Die meisten bleiben etwa ein Jahr hier, um im besten Fall danach ein eigenständiges suchtmittelfreies Leben zu meistern. Häufig gelingt das, aber nicht immer. „Vor allem dann, wenn ein Kind in Obhut genommen werden muss, ist das auch für uns emotional belastend“, meint Erzieherin Kerstin Benkel. Dafür gebe es aber auch schöne Erfolgsmomente. In Erinnerung geblieben ist ihr die Aussage einer Mutter: „Ich habe erst hier gelernt, mein Kind zu lieben.“ kh

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