Der neue Präsident der Handwerkskammer: Hjalmar Stemmann

Der neue Präsident der Handwerkskammer: Hjalmar Stemmann Foto: privat

„Fachkräftemangel ist
zur Wachstumsbremse geworden“

Hjalmar Stemmann ist der neue Handwerkskammerpräsident

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Hjalmar Stemmann (55) ist der neue Handwerkskammerpräsident. Neuland ist das Ehrenamt für den Lokstedter Zahntechniker nicht. Acht Jahre lang war er schon als Vize-Präsident im Amt und der Wunschkandidat seines Vorgängers Josef Katzer. Im Interview mit dem Niendorfer Wochenblatt  blickt er auf kommende Herausforderungen.

Niendorfer Wochenblatt: Als Kunde muss man lange auf Handwerker warten.
Geht es der Branche blendend?
Hjalmar Stemmann: Die Handwerkskonjunktur läuft nach wie vor sehr gut. Aber das hat zwei Seiten: Gern würden unsere Betriebe weitere Fachkräfte einstellen, um Aufträge schneller abarbeiten zu können. Doch der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt. Der Fachkräftemangel ist längst zu einer Wachstumsbremse geworden.

NW: Welche Herausforderungen sind Ihrer Einschätzung nach nun am drängendsten?
Stemmann: Die Nachwuchsgewinnung und Fachkräftesicherung ist unsere größte Herausforderung. Außerdem brauchen wir genügend Meisterinnen und Meister für die Gründung oder die Betriebsnachfolge: Wir benötigen für die Zukunft mehr Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer. In Hamburg stehen in den kommenden Jahren tausende Betriebe zur Übernahme an.

NW: Doch jedes Jahr bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt.
Stemmann: Wir müssen jungen Menschen aufzeigen, wie vielfältig die Perspektiven im Handwerk sind. Ein wichtiges Feld ist die Berufsorientierung für Jugendliche. Hier arbeiten wir über das ESF-Projekt „INa – Integrierte Nachwuchsgewinnung im Handwerk“ sehr intensiv mit Betrieben, Innungen und Schulen zusammen. Das Handwerk bietet eine hohe Beschäftigungssicherheit bei gutem Verdienst. Aber das Wichtigste ist sicherlich: Handwerk macht einfach Sinn! Man sieht am Abend, was man am Tage geschaffen hat. Zusätzlich müssen wir noch deutlicher machen, dass viele unserer Betriebe familienfreundlich organisiert sind und dass das Handwerk seit langem für die Energiewende aktiv ist. Unsere Bau- und Ausbauhandwerke sind es, die Häuser im Sinne des Klimaschutzes energetisch sanieren. Wir bilden die Windenergietechniker aus, um nur einige Beispiele zu nennen.  Wir müssen in alle Köpfe bringen: Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig. Das Handwerk hat häufig sogar die besseren Zukunftschancen.

NW: Wie steht es um das Handwerk in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen?
Stemmann: Gerade in unseren Stadtteilen gibt es viele Familienbetriebe, die in den 1970er Jahren auf ihrem Grundstück Wohnhaus, Werkstatt und Betriebsräume gebaut haben. Das führte zu einer großen Kundennähe. Wenn diese Betriebe jetzt familienfremde Nachfolger finden oder sich erweitern wollen, steht häufig ein Umzug an. Die kleinen Gewerbegebiete in unseren Stadtteilen wie rund um den Krähenweg sind voll, da kann kein Betrieb mehr ausweichen. Für diese Betriebe bieten wir jetzt mit der Meistermeile am Offakamp ein neues Zuhause.

NW: Die Meistermeile in Lokstedt ist ein innovatives Projekt.
Sind Sie mit der Auslastung zufrieden?
Stemmann: Wir feiern am 12. Juni offiziell die Eröffnung mit dem Ersten Bürgermeister, allen Partnern, Nachbarn und Handwerkern. Wir haben vereinbart, dass wir dort gemeinsam über den Fortgang berichten. Aber so viel kann ich sagen: Wir sind nach dem Verlauf der Dinge sehr zufrieden. Der Bedarf aus dem Handwerk und dem produzierenden Gewerbe ist ohne Zweifel da! Die Meistermeile wird ein Erfolg!

NW: Unter den Azubis sind mittlerweile auch viele Geflüchtete.
Stemmann: Natürlich ist es für Geflüchtete wie für Betriebe eine große Herausforderung, aber das Handwerk ist nach wie vor der Wirtschaftsbereich, der bei der Integration weit vorn liegt. Unter den Ausbildungsanfängern von 2018 sind mehr als 14 Prozent junge Menschen aus den acht häufigsten Herkunftsländern. Der Ausbildungserfolg ist individuell verschieden. Bei den Malern und Lackierern hat im vergangenen Jahr ein junger Mann aus Syrien als Jahrgangsbester seinen Gesellenbrief erhalten und ist Landessieger bei unserem Leistungswettbewerb geworden.  mf

 

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