Graffiti

An der Wand der Alten Schule befindet sich das neueste Graffiti am Tibarg Foto: mf

Street-Art auf dem Tibarg

Graffitis sind die Leidenschaft von Manfred Meyer

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„Toll, wir gehen jetzt mit ganz anderen Augen durch die Stadt!“ Das hört Manfred Meyer öfter nach seinen Vorträgen. Der Niendorfer hat sich auf Street-Art spezialisiert.

Vor zwanzig Jahren wurde Manfred Meyer infiziert. Seitdem der Niendorfer das erste hauswandfüllende Graffiti bewusst wahrgenommen hat, sucht und findet er vor der eigenen Haustür spannende Street-Art. In Vorträgen weiht er in die Geschichte und Bedeutung der vermeintlichen Schmierereien ein.

Auf einer Wand im Hinterhof am Tibarg 13 versteckt sich Manfred Meyers absolutes Highlight: Ein in Grüntönen gehaltenes Riesen-Graffiti der drei Sprayer Phanc, Caro, Davis. In Auftrag gegeben wurde es 1999 von den Eigentümern der angrenzenden Villa Sundermann. Links und rechts des Graffitis stehen in Reihen zahlreiche Namen: „Das ist eine Eigenart in der Szene. Mit der Nennung der Namen werden andere Künstler oder Freunde verehrt“, erklärt Manfred Meyer. Auch DAIM, einer seiner Lieblingskünstler, wird hier gewürdigt.

Graffiti

Ein echtes Highlight: Das Kunstwerk von Stohead in der Einfahrt der Tiefgarage Foto: mf

Ein echter Schatz versteckt sich direkt gegenüber, in der Einfahrt der Tiefgarage. In der futuristisch-abstrakt gestalteten Straßenschlucht versteckt sich auch der Name des Künstlers: Hier hat Stohead, mit bürgerlichem Namen Christoph Hässler, seine Spuren hinterlassen. Der Berliner ist längst ein etablierter Künstler mit zahlreichen internationalen Ausstellungen. Viel Spaß hat Manfred Meyer aber auch daran, noch unbekannte Künstler und ihre Werke zu entdecken. So wie den blauen Tag mit dem Schriftzug Faber direkt auf dem Tibarg: „Es macht mich ganz fertig, dass ich noch nicht weiß, wer dahinter steckt“, sagt Manfred Meyer und lacht.

Im Auge hat der Niendorfer auch die mit Aufklebern beklebten Rückseiten von Straßenschildern: „Mit Stickern können Graffiti-Künstler ihre Werke schnell bekannt machen. Das fing vor ein paar Jahren mit Paketaufklebern an“, erklärt Meyer. Auf dem Schild am südlichen Tibarg haben unter anderen Rolf Rolfe aus Berlin und Hallo Karlo aus Hamburg ihre Spuren hinterlassen. „Es lohnt sich, hier auch mal zu gucken. Da ist manchmal so Lustiges und Intelligentes dabei.“ Auf einem grauen Steinpoller unter einem Werbeschild hat er sogar den charakteristischen Smiley des legendären Walter Josef Fischer, bekannt als Oz, ausgemacht. Die meisten Spuren auf dem Tibarg hat Künstler Vincent Schulze hinterlassen. Sieben Stromkästen sowie Jalousien und Hauswände hat der ehemals illegal sprayende Hamburger mit historischen Niendorfer Motiven als Auftragsarbeiten gestaltet. Es liegt in der Natur der Sache, das Graffitis nicht für die Ewigkeit gemacht sind. So wird auch das jüngste, eine Gemeinschaftsarbeit an der Wand der Alten Schule am Tibarg, spätestens im kommenden Jahr mit Abriss des Gebäudes verschwinden. mf

 

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