Die Veloroute 3 Richtung Niendorf Nord soll ab Ende 2020 durch die Paul-Sorge-Straße führen Foto: ngo

Die Veloroute 3 Richtung Niendorf Nord soll ab Ende 2020 durch die Paul-Sorge-Straße führen Foto: ngo

Veloroute 3 kommt nach Niendorf

Paul-Sorge-Straße: Bezirksamt bessert nach

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Politik und Verwaltung haben auf die Proteste im Stadtteil gegen den Veloroutenausbau der Paul-Sorge-Straße reagiert. Das Bezirksamt stellt die Änderungen im Regionalausschuss vor.

Der geplante Umbau der Paul-Sorge-Straße zur Veloroute 3 ist im vergangenen Jahr teils auf großen Widerstand bei den Niendorfern gestoßen (das Wochenblatt berichtete). Nach Bürgerprotesten in der öffentlichen Fragestunde sahen auch die Politiker im Lokstedter Regionalausschuss Optimierungsbedarf. In einem Antrag wurde das Bezirksamt Eimsbüttel im November 2018 aufgefordert, die Bürger-Ideen zu prüfen und in der Planung zu berücksichtigen. Die Reaktionen der Parteien fielen unterschiedlich aus.

Protestunterschriften

Rund 700 Unterschriften gegen den Umbau, die zwischenzeitlich von einem Nien-
dorfer gesammelt wurden, liegen dem Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Kay Gätgens vor. Die Liste habe laut Bezirksamtssprecher Kay Becker aber keine bindenden Auswirkungen auf die Planungen. Das liegt auch daran, dass die Liste die juristischen Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren nicht erfüllt. Ein Grund hierfür: Nicht alle Unterzeichner machten vollständige Angaben.

Dennoch sei die Liste ein Stimmungsbild aus dem Stadtteil und eine ernstzunehmende Bekundung der Bürger, so Ines Schwarzarius (SPD). Die Bezirkspolitikerin hatte die Unterschriften erhalten und an den Bezirks-amtsleiter geleitet.

Später fertig

Aufgrund der Nachbesserungen wird der Umbau später beginnen. Die Leitungsarbeiten (Strom und Wasser) sollen erst im Sommer/Herbst 2019 starten. Statt Sommer 2020 soll der Fertigstellungstermin Ende 2020 sein.

Die Anlieger werden laut Bezirksamt vor den Leitungsarbeiten von Stromnetz Hamburg und Hamburg Wasser informiert. Über die anschließenden Straßenbauarbeiten informiert der Bezirk. ngo

 

Die Änderungen vom Bezirksamt im Überblick:

Tempo 30 wird vor der Stadtteilschule Niendorf von 300 auf 600 Meter Länge ab Kreuzung Sethweg verlängert. Grund ist eine Verkehrsberuhigung vor der Kita Fliewatuut.

Von 67 Bäumen werden 9 Bäume gefällt und 9 neu gepflanzt.

Radfahrstreifen sind bei dem engen Straßenquerschnitt nicht erlaubt.  Ein 2 Meter statt regulär 1,5 Meter breiter Schutzstreifen wird im Ampelbereich vor der Stadtteilschule eingerichtet und rot markiert.

Eine Querungsinsel  wird nördlich des Herzog-Bruno-Weges gebaut. Dafür entfallen zwei weitere Parkplätze.

Barrierefreie Fahrradbügel werden im Umfeld der Schule erprobt.

Busse sollen im Fall von Straßensperrungen alternativ die Paul-Sorge-Straße nutzen können.

Lieferanten können auch künftig am Fahrbahnrand halten, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.

 

Was die Parteien, Verwaltung und Verbände sagen

SPD-Politikerin Ines Schwarzarius ist Sprecherin im Regionalausschuss Lokstedt und stellvertretende Distriktvorsitzende der SPD Niendorf Foto: SPD-Bezirksfraktion Eimsbüttel

Ines Schwarzarius (SPD): Ja, Tempo 30 auf 600 Meter erweitert, rote Markierung des Radfahrstreifens vor der Schule, barrierefreie Stellplätze mit Modellcharakter vor der Schule, eine Sprunginsel in die Grünquerung und den Erhalt des Straßengrüns bewerten wir erst einmal positiv. Die Unterzeichner für das Stimmungsbild vor Ort haben diesen Prozess positiv begleitet. ‚Verwaltung kann Bürgernähe’ – das begleiten wir vor Ort gerne als SPD.  Foto: privat

 

Ali Mir Agha (Grüne): Wir sind von der Sinnhaftigkeit der Streckenführung über die Paul-Sorge-Straße überzeugt. Wir wollten jedoch genau die Bedenken einiger Anwohner aufnehmen und prüfen lassen. Wir berücksichtigen somit durchaus die Proteste, jedoch eben auch die Notwendigkeit einer Verkehrswende in Hamburg und den Wunsch vieler anderer Niendorfer, sich im öffentlichen Raum anders bewegen zu können. Nun freuen wir uns auf den Bau der Veloroute. Foto: ngo

 

Rüdiger Kuhn (CDU): Die vier vorgestellten Maßnahmen führen aus unserer Sicht nicht dazu, dass unser Widerstand gegen den Ausbauwahnsinn abgemildert wurde. Nach wie vor sehen wir keinen Bedarf, auf dieser Strecke 3,5 Millionen Euro zu verschwenden. Unsere Vorschläge zu Reparaturen und Verbesserungen hätten einen Bruchteil gekostet. Es ist bitter, dass die Eingaben von 700 Betroffenen ohne Wirkung bleiben. Das ist eine Pseudo-Bürgerbeteiligung. Foto: CDU Eimsbüttel

 

Manuela Pagels (Die Linke): Wir setzen uns konsequent für die Förderung des Radverkehrs ein und begrüßen den Veloroutenausbau auch in der Paul-Sorge-Straße, die bisher trotz ruhigem Eindruck stark unterschätzte Gefahrenstellen für Radfahrer und Fußgänger enthält. Radschutzstreifen erhöhen nachweislich erheblich die Radfahr-Sicherheit an Kreuzungen sowie Einfahrten und helfen erfahrungsgemäß, Konflikte zwischen Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zu vermeiden.   Foto: Linksfraktion Eimsbüttel

 

Kay Gätgens (Bezirksamtsleiter Eimsbüttel): Die Veloroute 3 von Niendorf in die Innenstadt ist eine wichtige Investition in die Zukunft: Alle Zahlen belegen, dass der Anteil des Radverkehrs wächst. Die Paul-Sorge-Straße verbessert für Radfahrer zudem die direkte Anbindung an den Tibarg, für Fußgänger bauen wir einen breiteren, barrierefreien Gehweg. Im Ausschuss konnten nun alle Fragen geklärt werden. Wo wir als Bezirk Spielräume hatten, konnten wir Optimierungen umsetzen. Foto: ngo

 

Bernd Reipschläger (ADFC): Wir begrüßen den dortigen Veloroutenausbau grundsätzlich. Die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn dient der Verkehrssicherheit und verhindert Konflikte mit Fußgängern. Wünschenswert wären Radfahrstreifen in Regelbreite von 2,25 Metern gewesen. So ist der jetzt gefundene Kompromiss der Enge der Straße geschuldet. Der ADFC setzt sich nicht nur in der Paul-Sorge-Straße, sondern bundesweit für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften ein.   Foto: privat

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