Eine Kaufmännische Angestellte im Büromanagement sucht der Fachbetrieb für Stahlbau, Schlosserei, Metall- und Zaunbau, Gawron. Die aktuelle Auszubildende beantwortet Fragen und berichtet von ihrem Alltag Foto: cc

Eine Kaufmännische Angestellte im Büromanagement sucht der Fachbetrieb für Stahlbau, Schlosserei, Metall- und Zaunbau, Gawron. Die aktuelle Auszubildende beantwortet Fragen und berichtet von ihrem Alltag Foto: cc

In zehn Minuten zum Ausbildungsplatz

Azubi-Speeddating feiert Hamburg-Premiere an der Julius-Leber-Schule

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Etwa 80 Schüler werden im Juni die Julius-Leber-Schule in Schnelsen mit dem ersten oder mittleren Schulabschluss verlassen. Vor ihnen liegt eine aufregende Zeit. Um sie beim Einstieg ins Berufsleben ganz praktisch zu unterstützen, hat die Schule ein „Azubi-Speeddating“ organisiert. Etwas Vergleichbares gab es bisher noch an keiner Hamburger Schule.

Drei Tage – drei Ziele

Beim Azubi-Speeddating lernen Schüler unkompliziert Unternehmen und Betriebe aus der Region kennen. Zwei Tage Bewerbungs-Coaching, ein Tag Azubi-Speeddating: Das steht bei dreißig ausgewählten und an einer Ausbildung interessierten Zehntklässlern an der Julius-Leber-Schule in dieser Woche auf dem Stundenplan. Ziel ist es „den Jugendlichen zu zeigen, wie man sich 1. richtig bewirbt, 2. beim Vorstellungsgespräch verhält und 3. möglicherweise einen Ausbildungsplatz erhält“, erklärt Heiko Memming, Koordinator für Berufs- und Studienorientierung an der Beruflichen Schule Eidelstedt.

Tag 1: Bewerbungen schreiben

Am ersten Tag werden zunächst das Anschreiben und der Lebenslauf formuliert und optimiert. Vorlagen aus dem Internet können genutzt und mit eigenen Daten und Aussagen über sich gefüllt werden. Bei der Erstellung der „Papiere“ helfen Jobcoaches, das sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Jobbrücke Schnelsen. „Ganz schön schwierig“, findet Tabea Tiemann aus der 10 F. Zum Glück geht es allen dreißig TeilnehmerInnen gleich, sie stehen ganz am Anfang und haben meist alles Mögliche im Kopf, nur nicht einen Ausbildungsplatz. Tabea weiß schon in etwa, was sie machen möchte: Sie will in den medizinischen Bereich und kann entsprechende Krankenhäuser oder Einrichtungen aus dem Internet heraussuchen.

Gleich geht’s los Auf der einen Seite die Schüler, auf der anderen die Betriebe und Unternehmen, Koordinator Memming erklärt, wie es laufen soll Fotos: cc

Gleich geht’s los Auf der einen Seite die Schüler, auf der anderen die Betriebe und Unternehmen, Koordinator Memming erklärt, wie es laufen soll Fotos: cc

Nachdem die Unterlagen auf Vordermann gebracht sind, stellt Koordinator Heiko Memming die 30 Firmen vor, die aus Schnelsen und Hamburg an dem Projekt teilnehmen und am dritten Tag in die Schule kommen werden. So sucht zum Beispiel das Krankenhaus Asklepios Altona gleich mehrere Azubis, zum Beispiel als Operationstechnische Angestellte, Anästhesietechnische AssistentIn oder Gesundheits- und Krankenpfleger. Das Straßenbauunternehmen Eurovia sucht Azubis zum Tiefbaufacharbeiter, Straßenbauer oder Baugeräteführer, Friseur Kaminski einen Friseur und Firma Zywietz Innenausbau bietet einen Ausbildungsplatz zum Tischler.

 

Die Premiere war ein voller Erfolg

Tag 2: Das Vorstellungsgespräch

Am zweiten Tag steht das Thema „Vorstellungsgespräch“ auf dem Programm: Mittels eines Videointerviews zeigen Memming und die Jobcoaches den angehenden Auszubildenden, was jeder sagen (oder lieber nicht sagen) sollte. Die richtige Garderobe und ein angenehmes Auftreten sowie viele Fragen zum Unternehmen oder Betrieb stellen, würfen ein gutes Licht auf die Bewerber, erklärt Memming. Darüber hinaus hat er zwei Azubis mitgebracht, die bereits in der Ausbildung sind. Sie  berichten aus ihrem Alltag.

Tag 3: Das Azubi-Speeddating

Der Große Konferenzraum neben der Cafeteria ist kurz nach acht Uhr schon mächtig voll. An den dreißig Tischen sitzen die Mitarbeiter oder Chefs der 30 Unternehmen, die für August 2019 einen oder mehrere Azubis suchen. Ihnen gegenüber sitzen 30 Schüler, die sich gleich um die angebotenen realen Ausbildungsplätze bewerben wollen.

Erfolgreiches „Date“ Media Markt Halstenbek-Chef, Thomas Hanke, bietet Lennart Kollosché spontan einen Azubi- Vertrag an

Erfolgreiches „Date“ Media Markt Halstenbek-Chef, Thomas Hanke, bietet Lennart Kollosché spontan einen Azubi- Vertrag an

In jeweils 15 bis 30 Sekunden (!) stellen sich die Firmen nochmals kurz vor: Einige werben mit ihrem renommierten Namen, andere mit außergewöhnlichen Ausbildungsbedingungen, eine Firma verspricht die Hilfe beim Führerschein im dritten Ausbildungsjahr.

Vier Runden à zehn Minuten stehen dann zur Verfügung. Die Schüler gehen an die Tische der Firmen, die sie im Vorfeld als potenziellen Ausbildungsplatzgeber ausgesucht haben.

Nach vier Runden und einer Kaffeepause ist das Azubi-Speeddating vorbei. Einige Schüler durften ihre Bewerbungsmappe bei den Firmen lassen – das Interesse ist groß. „Hier waren zwei Bewerberinnen und ich bin froh sie kennengelernt zu haben“, freut sich Steffen Grewe, Zahnarzt bei Bublitz und Partner in Schnelsen. „Und ich bin schon jetzt traurig, dass ich einer von Beiden absagen muss, wir haben nur Platz für eine Zahnmedizinische Fachangestellte“, erklärt er. In der nächsten Woche will Grewe bei den Schülerinnen anrufen und einen Termin zur Probe vereinbaren. Andere erwarten, dass sich die zukünftigen Azubis bald selbst melden, so dass weitere Details besprochen werden können.

Richtig gut gelaufen ist es für den 15-jährigen Lennart Kollosché. Media Markt Halstenbek-Chef Thomas Hanke bot ihm spontan einen Azubi-Vertrag zum Einzelhandelskaufmann an: „Weil wir glauben, dass Lennart zu uns, zu Media Markt, passt und weil er Menschen mag“, begründet Hanke sein spontanes Engagement.  cc

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