Stein, Besen und Spezialschuhe, der Niendorfer Axel Detert mit der Grundausstattung für Curler Foto: ap

Stein, Besen und Spezialschuhe, der Niendorfer Axel Detert mit der Grundausstattung für Curler Foto: ap

Curling: Das ist wie Schach auf dem Eis

Zwei Niendorfer starteten jetzt bei den Deutschen Meisterschaften - gleich ums Eck in Stellingen

Allgemein| Views: 105

Es ist gerade Mal eine Woche her, da fanden die Deutschen Curling-Meisterschaften im Eckelmann-Jahr-Rink statt. Wo, bitte?  Quasi gleich ums Eck an der Hagenbeckstraße in Stellingen. Und das hat sich Wochenblatt-Sportreporterin Angela Preuß natürlich nicht entgehen lassen. Denn mit Leon Hundertmark, 22, und Axel Detert, 31, waren auch zwei Niendorfer mit ihrer Herrenmannschaft am Start. Nach ihrem letzten Durchgang („End“) standen die beiden sympatischen Sportler gern für ein Interview zur Verfügung. Übrigens: Dieses Wochenende finden die Deutschen Meisterschaften im Mixed statt – leider nicht in Stellingen sondern in Füssen.

Niendorfer Wochenblatt:

Ihr seid heute gegen Mannschaften aus Füssen, Garmisch oder Oberstdorf angetreten, in Norddeutschland ist Curling eher eine Nischensportart. Wie seid ihr zu diesem Sport gekommen?

Leon Hundertmark: Bei mir war es eine Partyidee meines großen Bruders, der sich in den Kopf gesetzt hatte, in einer olympischen Sportart durchzustarten und mich so zu einem seiner Spiele mitgenommen hat. Er lebte später sogar ein Jahr lang im Curling-Mekka Kanada, ich  fing dann mit 10 Jahren auch mit Curling an.

Taktiker und Stratege, Skip Leon Hundertmark Foto: ap

Taktiker und Stratege, Skip Leon Hundertmark Foto: ap

Axel Detert: Ich war damals 15 und auf der Suche nach einer neuen Sportart für mich. Auf dem Heiligen-Geist-Feld fand  der Hein-Gas Winterzauber mit Curling-Schnupperstunden statt. Ich fand den Sport sofort toll und bin seitdem dabei.

 

NW: Heute wurden die Deutschen Meisterschaften ausgetragen. Gab es zuvor auch einen Hamburger Entscheid?

Leon: Nein, da wir der einzige Curling Club in Hamburg sind, gibt es keine Regionalliga. Wir haben eine clubinterne Liga, in der wir mit unseren 15 Teams regelmäßig Punktspiele austragen. Die Clubmeisterschaft entspricht daher quasi einer Norddeutschen Meisterschaft.

 

NW: Was macht den Reiz an dieser speziellen Sportart aus?

Axel: Ich liebe das Curling, weil es einen körperlich und geistig fordert. Man muss unheimlich viel nachdenken und taktisch agieren. Außerdem ist der Zusammenhalt der Curling-Familie toll, wir haben einen Fairplay Codex, der sich „spirit of curling“ nennt. Es gibt deutschlandweit nur etwa 800 Curler, da neidet niemand  dem anderen etwas und Fairness steht auch bei Meisterschaften an oberster Stelle.

 

NW: Heute ist es für euer Team nicht so rund gelaufen, ihr habt den fünften von sechs Plätzen belegt.

Leon: Das stimmt, besonders im letzten Durchgang hatten wir einfach großes Pech. Allerdings haben wir uns erst kürzlich als Team neu formiert, insofern war unser Ziel heute, einfach bei den anderen Mannschaften, die zum Teil Kaderathleten aus Leistungszentren am Start haben, mitzuhalten. Und das ist uns in jedem Fall gelungen. Bei Meisterschaften zählt nur der Sieg um weiter zu kommen. Als noch neuer Skip (Anm. d. Red.: Mannschaftskapitän) war ich heute entsprechend angespannt und habe mich voll verausgabt, daher auch die heisere Stimme.

 

NW: Was sind die Aufgaben des Skips?

Leon: Er legt die Strategie für das Spiel fest, zum Beispiel, welcher Stein wo auf dem Feld zum Stehen kommen soll, wie die Rotation jedes Steines beim Gleiten sein soll, er gibt die Kommandos zum Wischen und spielt selbst immer die letzten zwei Steine im End (Anm. d. Red.: Durchgang). Da geht es um Zehntel Sekunden und eine reibungslose Kommunikation und Abstimmung im Team. Daran arbeiten wir jetzt gemeinsam weiter.

 

NW: Curling ist auch olympische Wintersportart. Ein Fernziel?

Axel: Leon war 2013 bei der Europameisterschaft der Junioren in Prag dabei. Das war schon eine tolle Erfahrung. Die Weltmeisterschaften im Curling werden immer im Wechsel Damen und Herren in Europa und Kanada ausgetragen. Das wäre ein Traum. Olympia ist ganz weit weg. Allerdings waren sowohl Johnny Jahr (Anm. d. Red.: 2014 Sotschi, Enkel von Gruner & Jahr Gründer John Jahr sen.) als  auch unser langjähriges Mitglied Sabine Belkofer-Kröhnert (2002 Salt Lake City) tatsächlich bei Olympia dabei.

 

Woher stammt der Begriff Curling?

 

Beim Curling spielen zwei Mannschaften mit jeweils vier Mitgliedern gegeneinander und versuchen, ihre Curlingsteine näher als der Gegner an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu platzieren. Der ursprünglich schottischen Variante des Eisschießens (erste schriftliche Erwähnung 1541 im Kloster von Paisley in der Grafschaft Renfrewshire) werden zwei unterschiedliche Namens- Theorien zugrunde gelegt. Die eine leitet den Namen vom altenglischen Wort „to curl“ ab, also der Drehung, die der Stein auf dem Eis vollzieht. Die andere besagt, dass der Name vom ebenfalls englischen „to curr“ stammt, dem Schnurr- oder Gurr-Geräusch, welches der Stein beim Gleiten auf dem Eis macht.

 

Curling, ein Sport für jedermann

 

Geschicklichkeit, Konzentration, Taktik, Teamgeist: wer sich einmal beim Curling ausprobieren möchte, hat regelmäßig in der Halle (Eckelmann-Jahr-Rink) an der Hagenbeckstraße 132 a die Gelegenheit dazu.

Damen und Herren jeden Alters immer montags von 18 bis 20 Uhr oder von 20 bis 22 Uhr. Preis für das Schnuppertraining: 30 Euro. Voranmeldung unbedingt erbeten unter info@cur lingclub.hamburg oder per Telefon 540 16 21. Die Bambinis ab acht Jahren trainieren immer samstags um 14 Uhr. Alle Infos auf www.curlingclub.hamburg.com

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