Die Übung „Sphinx“, die besonders gut für den Rücken ist, vorgeturnt von Trainerin Anja Stubley Foto: cc

Die Übung „Sphinx“, die besonders gut für den Rücken ist, vorgeturnt von Trainerin Anja Stubley Foto: cc

„Faszien wollen gedehnt werden“

Wie funktioniert Faszien-Training eigentlich? Redakteurin Corinna Chateaubourg hat es ausprobiert

Archiv, Lokstedt| Views: 262

Ich habe Muskelkater. Und das nicht zu knapp. Dabei gehe ich regelmäßig zum Sport. „Was hast du gemacht?“ fragt der Kollege als ich mich stöhnend vom Stuhl erhebe. Ich wimmere: „Faszien-Training“. Er staunt: „Was ist das denn? Das kann ich nicht einmal buchstabieren geschweige denn trainieren!“ „F A S Z I E N“ buchstabiere ich artig und humpele von dannen.

Dienstagabend, 18.30 Uhr in der Turnhalle des TV Lokstedt Hinter der Lieth. Rund ein Dutzend Frauen und Männer widmen sich hier regelmäßig der Dehnung und Mobilisierung ihrer Faszien. Faszien, das ist das bindende Gewebe, gegen dessen erblichen Zustand („Du hast halt ein schwaches Bindegewebe“) man scheinbar nichts machen kann.

Den Köchen unter uns ist es als das weiße Zeug um das Bratenfleisch herum bekannt, das man manchmal einfach abziehen kann, dem manchmal auch mit einem scharfem Messer zu Leibe gerückt werden muss, bevor das Fleisch in die Pfanne darf. Eigentlich gar keine schöne Vorstellung.

Aber dieses Gewebe soll jetzt also hier trainiert werden. Wenn es verklebt oder verdreht ist, sorgt es für Schmerzen. Damit die vergehen oder gar nicht erst entstehen, gibt es das Faszien- Training. Auch beim TV Lokstedt. Trainerin Anja Stubley ist seit 2,5 Jahren lizensierte Faszien-Trainerin. Neben dem Trainer-C-Schein hat sie beim Verband für Turnen und Freizeit (VTF) einen speziellen Faszien-Kurs erfolgreich absolviert. „Viele Menschen kommen, weil sie Rückenprobleme haben, die Computermenschen. Durch die einseitige Haltung haben sie auch Probleme mit dem Brustmuskel oder im Lendenbereich“, erklärt die 54-Jährige. Dagegen hilft das spezielle Training.

Nach der Aufwärmung mit ausgiebigen Schulterübungen, kreisen, ausstreichen und lockern, geht es mit Schütteln weiter. „Faszien wollen in alle Richtungen gedehnt werden“, sagt Stubley. Bei jedem Training wird nach „sieben Strategien“ vorgegangen: Trainiert werden Dehnfähigkeit, Geschmeidigkeit, Lösungstechniken, Regeneration, Stabilität und Wahrnehmung. „Wenn du nur die Muskeln trainierst, bist du irgendwann ein Muskelprotz, aber nicht unbedingt geschmeidig. Darum ist es wichtig auch die Faszien zu dehnen“ erläutert die Trainerin, die auch Fitness und Funktionelles Training unterrichtet.

Es wird also gedehnt: im Stehen, im Sitzen, im Liegen. Viele Übungen kenne ich aus anderen Gruppen, die sind vermutlich auch für die Muskeln gut. Recken… und Strecken… und  Rumpfbeugen… Das tut gut, entspannt auch, wie ich feststelle. Nach anderthalb Stunden ist das Programm vorbei und am nächsten Tag habe ich Muskelkater oder eher einen ausgewachsenen „Faszientiger!“  cc

 

Faszien-Training, TV Lokstedt, Di. 18.30 Uhr bis 20 Uhr, Schul-Turnhalle, Hinter der Lieth 61, Lokstedt, www.tv-lokstedt.de, Tel. 564870

Was sind Faszien?

Der Körper ist durchzogen von einem Netzwerk an elastischem, bindendem Gewebe, auch Faszien genannt. Die faserigen, milchig-weißen Häute und Stränge umhüllen sämtliche Muskeln, Organe und Knochen. Hier sorgt das Geflecht zum einen für eine Trennung der einzelnen Körperbestandteile, sodass keine Reibung entsteht. Zum anderen verbindet es diese miteinander und ermöglicht so beispielsweise die Kraft- übertragung vom einen auf den anderen Muskel. Faszien geben dem Körper somit seine Form und halten ihn beweglich. Zudem verleihen sie den Muskeln Stabilität und Festigkeit. In den Faszien liegen so viele Nerven und Rezeptoren, dass das Geflecht mit einem Sinnesorgan verglichen werden kann. Entsprechend können Faszien Schmerz auslösen, aber auch die Bewegung und Lage der Gliedmaßen registrieren.  Faszien-Training soll „Verklebungen“ im Bindegewebe lösen und Muskeln leistungsfähiger machen.  cc

Comments are closed.