Der Dachstuhl eines Mittelreihenhauses im Kassubenweg brannte in der Silvesternacht aus Foto: kh

Der Dachstuhl eines Mittelreihenhauses im Kassubenweg brannte in der Silvesternacht aus Foto: kh

„Diese Knallerei sollte einfach verboten werden“

Silvesterböller löste Brand in Wohnhaus aus – Appell einer Anwohnerin

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Der Jahreswechsel wurde für einige Anwohner im Niendorfer Kassubenweg zum Albtraum. Während andere fröhlich feierten, brannte durch einen Silvesterböller der Dachstuhl eines Reihenhauses aus.

„Kurz vor Mitternacht hörte ich einen irrsinnigen Knall, wie eine Explosion“, erinnert sich Hannelore Thea Heyden nur ungern an die Silvesternacht. Da ihr Hund Angst vor der lauten Böllerei habe, sei sie mit heruntergelassenen Jalousien in ihrem Haus geblieben. „Dass tatsächlich etwas passiert war, begriff ich erst, nachdem ein mir unbekannter Mann kurze Zeit später die Jalousien von außen hochschob und rief, dass das Haus brenne“, so die 76-Jährige. An der Haustür empfing sie draußen bereits dicker Rauch sowie Polizei und Feuerwehr. In Brand stand das Dach des Hauses ihres direkten Reihenhausnachbarn.

Der komplette Hausrat ist nur noch Sperrmüll, das Haus für lange Zeit unbewohnbar Foto: kh

Der komplette Hausrat ist nur noch Sperrmüll, das Haus für lange Zeit unbewohnbar Foto: kh

„Wir wurden um 0.07 Uhr zu einer Feuermeldung alarmiert“, berichtet Torsten Wessely, Sprecher der Feuerwehr Hamburg: „Dort brannte der Dachstuhl eines dreigeschossigen Hauses auf einer Länge von circa 15 Metern.“ Etwa zweieinhalb Stunden waren Einsatzkräfte im Einsatz, um das Feuer zu löschen und um weitere Beschädigungen an den direkt verbundenen Parteien des Reihenhauses zu verhindern.

Zwar konnte die Brandursache nicht eindeutig geklärt werden, die Brandermittler des Landeskriminalamtes (LKA) gehen aber davon aus, dass ein Feuerwerkskörper die Brandursache ist. „Ermittelt wurde auch im Hinblick auf fahrlässige Brandstiftung“, so Florian Abbenseth, Sprecher der Hamburger Polizeipressestelle: „Ein Verursacher wurde jedoch nicht gefunden.“

In Anbetracht des großen Ausmaßes – das Mittelreihenhaus ihres Nachbarn wird über lange Zeit unbewohnbar sein, in ihrem Haus ist ebenfalls ein nicht unerheblicher Schaden entstanden – appelliert die Niendorferin daher an alle, verantwortungsbewusster und rücksichtsvoller mit den gefährlichen Böllern umzugehen. „Ich halte zudem ein komplettes Verbot der Silvesterknaller für sinnvoll.“ kh

Fahrlässige Brandstiftung?

Wird ein Feuer durch ein Silvesterfeuerwerk fahrlässig verursacht, kann gemäß § 306d StGB (Strafgesetzbuch) „Fahrlässige Brandstiftung“ geltend gemacht werden und dem Verursacher je nach Ausmaß des Schadens eine Geldstraße oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren drohen.

Zivilrechtlich wird bei einem durch Feuerwerkskörper verursachten Brand ein Verschulden oder Vorsatz für eventuelle Ansprüche benötigt.

Notwendig ist hierbei eine Klärung zu der in den wenigsten Fällen eindeutig zu beantwortenden Frage, ob der Eintritt der Rakete bei aller Sorgfalt objektiv vorhersehbar war.

Ist dies nicht der Fall, kann der Verursacher mangels Verschulden zivilrechtlich nicht haftbar gemacht werden. kh

 

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