Engagiert In Kellinghusen sorgen ehrenamtliche Helfer dafür, dass der Bürgerbus verlässlich fährt Foto: Agentur Landmobil

Engagiert In Kellinghusen sorgen ehrenamtliche Helfer dafür, dass der Bürgerbus verlässlich fährt Foto: Agentur Landmobil

Der Bürgerbus wäre machbar

Niendorf-Ost: Bereits ab Ende 2019 könnte ein ehrenamtlich organisierter Kleinbus fahren

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Besonders die älteren Anwohner leiden. Sie wollen besser von A nach B kommen. Doch alle Versuche von Politik und Verwaltung, die Mobilität in Niendorf- Ost zu verbessern, sind bislang gescheitert. Da hilft nur noch Eigeninitiative.

Ein ehrenamtlicher Bürgerbus könnte bereits in wenigen Monaten fahren, wenn die Bürger mitmachen. Was dieser Bürgerbus leisten kann und ob das Konzept für Niendorf-Ost geeignet ist, haben Dr. Holger Jansen und Ralph Hintz von Agentur Landmobil dem Regionalausschuss Lokstedt erklärt.

Für die Experten ist der Bürgerbus eine selbstorganisierte Lebenshilfe, die als Ergänzung zu ÖPNV, Taxi und anderen Fahrdiensten funktioniert. „Der Bürgerbus ist für ältere Menschen, für die der Fußweg zur Bushaltestelle zu weit oder das Kaufen einer Fahrkarte zu kompliziert ist, die sich nicht allein aus dem Haus trauen oder ein Taxi keine Option ist,“ erläutert Jansen. Die Agentur hat in den vergangenen acht Jahren mehr als 60 Bürgerbusse in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern auf die Straße gebracht und alle Busse fahren noch.

Mobilität Für ältere Menschen in Niendorf-Ost sind die Fußwege zur nächsten Bushaltestelle oft zu weit Foto:ngo

Mobilität Für ältere Menschen in Niendorf-Ost sind die Fußwege zur nächsten Bushaltestelle oft zu weit Foto:ngo

Ob zum Arzt, Einkauf, zur Bank oder zum „Kaffeeklatsch“ ins Café: Der Bürgerbus holt den Fahrgast an der Haustür ab und bringt ihn zum Ziel. Es werde beim Ein- und Aussteigen geholfen, Einkaufstaschen getragen und der Klönschnack gehöre zum Service auch noch dazu. Träger des ehrenamtlich betriebenen Bürgerbusses sind meist die kommunalen Gemeinden. Laut Jansen könnte ein bereits existenter Verein, der sich in Niendorf um soziale Belange kümmert, die Trägerschaft übernehmen. Auch eine Vereinsgründung ist möglich. Damit der Bürgerbus rollt, müssen sich Bürger aktiv beteiligen, so Jansen.

Erfolgsmodell

Wie gut der Bürgerbus funktioniert, zeigt sich in Langenlonsheim (Rheinland-Pfalz). Dort fährt der Bus drei Mal pro Woche und erreicht 13 500 Einwohner in sieben Gemeinden, sagt Hintz, der dort die Fahr- und Dienstpläne erstellt. 31 Ehrenamtler sind im Fahr- und Telefondienst. Die Helfer sind „aktive Jung-Senioren zwischen 60 und 75 Jahren.“ In der Regel wird der Fahrdienst, den die Kunden am Vortag per Telefon bestellen, zwischen 8 und 18 Uhr angeboten. „Etwa 75 bis 80 Prozent unserer Kunden sind ältere Damen und in ihrer Mobilität unterschiedlich eingeschränkt,“ sagt Hintze.

Viele Menschen seien so dankbar, dass sie spenden wollen. Deshalb haben die Busse eine Spendenbox. Das Geld fließt in das Projekt. „Wir fahren aber prinzipiell unentgeltlich,“ so Jansen.

Der Unterhalt ist überschaubar. Die Fahrzeuge werden in der Regel geleast. Bei einer jährlichen Fahrleistung von rund 15 000 Kilometern kommen zu den Lea- singraten noch Versicherung, Kfz- Steuer, Kraftstoff, Wartungskosten aber auch mal die Kosten für einen Betriebsausflug der Ehrenamtler hinzu. „Damit betragen die jährlichen Gesamtkosten 7000 bis 8000 Euro,“ erläutert Hintz. Diese niedrige Summe überraschte viele Politiker im Regionalausschuss.

Damit der Bürgerbus in Niendorf-Ost fährt, müssen zuverlässige Helfer gefunden werden. „15 Menschen sind Minimum, 20 bis 25 Ehrenamtler sind optimal.“ Damit seien die 5000 Einwohner von Niendorf-Ost gut versorgt. Wichtig sei es auch, die Fahranlässe und das Fahrgebiet vor Projektstart zu klären. „Eine Fahrt zum Hauptbahnhof oder zum Flughafen sind generell Taxi- Touren,“ so Jansen. In der Regel dauere es von der Idee bis zum ersten Fahrtag neun Monate.

Um endlich die mobile Situation in Niendorf-Ost zu verbessern, sollte sich Eimsbüttel das „Know-how vom Land in die Stadt holen“, so der Eimsbütteler Regionalbeauftragte Dr. Michael Freitag. Er ist überzeugt, dass der Bürgerbus auch in Niendorf-Ost funktioniert. ngo

 

Lust auf Chauffeur?

Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich als Fahrer oder im Telefondienst zu engagieren, kann sich an den Regionalbeauftragten Michael Freitag wenden. Tel. 428015567 oder  regionalbeauftragter@eimsbuettel.hamburg.de

 

Politiker sind für eine zeitige Realisierung

Ist der ehrenamtlich betriebene Bürgerbus die Lösung für das Mobilitätsproblem in Niendorf-Ost? Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat bei den Fraktionen im Regionalausschuss Lokstedt nachgefragt.

Ines Schwarzarius    Foto: ngo

Ines Schwarzarius Foto: ngo

Ines Schwarzarius (SPD): Das Konzept eines ehrenamtlich betriebenen Bürgerbusses hat die SPD im Regionalausschuss überzeugt. Wir haben beantragt, für die Umsetzung des Konzeptes vor Ort die nötigen Mittel jetzt einmalig bereit zu stellen und die laufenden Kosten im Quartiersfonds bereitzustellen, so dass ein Angebot für   Niendorf-Ost Ende des Jahres starten könnte. Ein wirklich gutes Ergebnis für den Niendorfer Osten, der bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Hoffnung auf mehr Mobilität und Selbstständigkeit weckt.

Rüdiger Kuhn Foto: CDU Eimsbüttel

Rüdiger Kuhn Foto: CDU Eimsbüttel

Rüdiger Kuhn (CDU): Auch wenn die Situation auf dem platten Land in Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein nicht genau auf Niendorf-Ost zu übertragen ist, so kann der Bürgerbus einen echten Mehrwert darstellen. Die Kosten sind überraschend gering und es lohnt sich, nach einer Lösung zu suchen. Wir unterstützen das Projekt, um gerade Älteren die Möglichkeit zur Teilhabe am normalen Leben zu ermöglichen. Vom Zeitplan her ist ein Angebot ab 2020 realistisch und wünschenswert.

Ali Mir Agha Foto: ngo

Ali Mir Agha Foto: ngo

Ali Mir Agha (Grüne): Um Teilhabe und Versorgung älterer Menschen zu sichern, denen  Distanzen zu ÖPNV und Nahversorgung Probleme bereiten, überprüft die Verwaltung auf rot-grüne Veranlassung ein ehrenamtsbasiertes Bürgerbus- Konzept. Wir begrüßen Maßnahmen für ein inklusives und gleichberechtigtes Zusammenleben, explizit unter Einschluss älterer Menschen, die solange wie möglich in ihrem Zuhause selbstbestimmt leben können sollen. Wir unterstützen somit einen Bürgerbus in Niendorf- Ost. Den Zeitplan müssen wir tauglich gestalten.

Manuela Pagels Foto: Die Linke

Manuela Pagels Foto: Die Linke

Manuela Pagels (Die Linke): Die Linke unterstützt die Verbesserung der Mobilität eingeschränkter Menschen wie des öffentlichen Nahverkehrs in städtischen Randgebieten. Senat und HVV sollten dringend Mobilitätsdefizite beheben, aber mit dem Bürgerbus wird erneut versucht, gesellschaftlich notwendige Arbeit, die bezahlt gehört, auf Ehrenamtliche abzuschieben. Zudem erwarten die Initiatoren Kosten, zu denen die tatsächlich darauf Angewiesenen flexibler und ökologischer mit anderen Mitteln transportiert werden könnten.

 

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