Zum Abriss freigegeben: Die Siemers-Villa in der Stapelstraße Foto: mf

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Abschied von Siemers-Villa

In Lokstedt muss ein historisches Haus einem Neubau weichen

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In der Stapelstraße in Lokstedt wird eine historische Villa für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit elf Eigentumswohnungen abgerissen. Viele Lokstedter bedauern das Verschwinden charakteristischer Gebäude.

Als Heinrich Siemers (1865 – 1949), stellvertretender Gemeindevorsteher Lokstedts, im Jahr 1907 die Villa in der Stapelstraße 16 errichten ließ, hieß diese noch Jahnstraße und bot einen unverbauten Blick Richtung Niendorf. Nun soll das einst prächtige Gebäude abgerissen werden. „Dieses Altbau-Juwel soll einem Neubau mit elf Wohnungen Systembau weichen. Dieser Kulturverlust in unserem Stadtteil macht mich fassungslos“, bedauert Leserin Bettina Herz.

Die Villa stand nicht unter Denkmalschutz und anders als im Zylinderviertel gilt in diesem Bereich Lokstedts keine Erhaltensverordnung. Laut Auskunft des Bezirksamtes Eimsbüttel braucht der Eigentümer für den Abriss der Villa keine Genehmigung.

„Entlang der Stapelstraße befinden sich ein- bis dreigeschossige Wohngebäude mit breiten Vorgartenzonen. Die Bebauung ist nicht durch einen einheitlichen Stil geprägt; in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer gründerzeitlichen Villa in der Stapelstraße 20 befinden sich Klinkerbauten aus der Nachkriegszeit“, heißt es in der Begründung zum Bebauungsplan Lokstedt 60.

Seit 1975 wohnte die Familie Ziehn in dem Haus und ließ es nach historischen Fotos rekonstruieren: „Das Haus war teilweise durch Bomben zerstört, wir haben es wieder in den Urzustand versetzt. Viele Passanten sind stehengeblieben und haben die Villa bewundert“, erinnert sich Christa Ziehn. „Eine bittere Sache“, war der Abschied von dem Haus für die 77-Jährige und ihre Familie, doch das Gebäude sei „baufällig und nicht reparabel“ gewesen.

Auf dem knapp 15 000 Quadratmeter großen Grundstück entsteht nun ein kubisches Gebäude mit elf Eigentumswohnungen in drei Geschossen und einem Staffelgeschoss sowie einer Tiefgarage. Auch Joerg Kilian vom Geschichtsverein Forum Kollau bedauert den Abriss: „Wir von Forum Kollau sind sehr darum bemüht, historische Gebäude in unserem Stadtbild zu erhalten unabhängig davon, ob sie unter Denkmalschutz gestellt sind. Wenn trotzdem solche Häuser abgerissen werden müssen, würden wir uns freuen, im Vorfeld kontaktiert zu werden, damit wir eine Dokumentation erstellen können.“

Hansjürgen Rhein, Anwohner in der Stapelstraße und einer der Gründerväter des Bürgerhauses Lokstedt, findet „den Abriss bedauerlich. Lokstedt ist ein begehrter Stadtteil und das ist die Entwicklung. So kommt neuer Schwung in den Stadtteil.“ Ein weiteres charakteristisches Lokstedter Gebäude verschwand jüngst nur wenige Meter entfernt: In der Vogt-Wells-Straße 10 wurden Haus und Werkstatt der 1884 gegründeten Glaserei Andreas abgerissen. mf

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