In Schnelsen-Süd ganz klar ein Vorbild Amin Cherkaoui besucht die Fußballkinder beim Fußballtraining Foto: cc

„Man muss zeigen, dass man cool ist“

Der Mixed Martial Arts-Kampfsportler Amin Cherkaoui aus Schnelsen vor seinem großen Kampf

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Wenn er am Sonnabend Nachmittag in Jogginghose und Hoodie mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze auf den Fußballplatz im Vörn-Brook in Schnelsen- Süd kommt, ist er der Star.

Die Lütten, die gerade mit Irfan Kirpik vom Verein Kayhan  Fußball trainieren, kommen angelaufen, begrüßen Amin Cherkaoui und fragen ihn etwas schüchtern „Wie geht’s?“. Er ist einer von ihnen, er kommt aus Schnelsen-Süd. Und: Er hat es geschafft. Seit etwas mehr als zwei Jahren trainiert er den Kampfsport Mixed Martial Arts (MMA), hatte inzwischen vier Kämpfe, drei davon hat er gewonnen. Bei den Leichtgewichten steht er bereits an Platz zwei der Rangliste.

Doch bevor er soweit war, hatte es Amin nicht immer leicht. Als Kind und Jugendlicher hat er manchmal mit den falschen Leuten abgehangen und bevor er einen auf die Mütze bekam, hat er lieber selbst schnell zugeschlagen. „Man muss zeigen, dass man cool ist und sich nicht beeindrucken lässt“ versucht er sein Handeln von damals zu erklären. Grundschule Röthmoorweg, anschließend Julius-Leber- Schule. Die musste er aber schnell wieder verlassen. „Ich war als Kind etwas aufgedreht und eher unzufrieden mit mir selbst“, erzählt der heute 24-Jährige. „Ich habe Spanische Furt gewohnt und war neidisch auf die, die etwas mehr hatten als ich.“ Er habe den Frust raus lassen müssen und den üblichen Mist gemacht, sagt Cherkaoui. Nach dem Hauptschulabschluss in Lurup, schaffte er noch den Realschulabschluss. Seinen Versuch auch noch an der Anna Warburg Schule in Niendorf sein Fachabi zu schaffen, gab er nach einem halben Jahr auf. Als der Vater starb, war Amin ganz allein. Eher aus Langeweile probierte er dann verschiedene Sportarten aus, habe aber alles schnell wieder hingeschmissen.

Kampfsportler Amin Cherkaoui Foto: cc

Kampfsportler Amin Cherkaoui Foto: cc

Freund und Mentor Irfan Kirpik vom Verein Kayhan Foto: cc

Freund und Mentor Irfan Kirpik vom Verein Kayhan Foto: cc

Vor zwei Jahren nahm ihn ein Bekannter mit zum Probetraining ins Mo San Sport- und Freizeitcenter in der Oldesloer Straße. Dort sprang der Funke über, MMA sollte sein Sport werden. Zu Anfang trainierte er viermal die Woche  anderthalb Stunden. Seinen ersten Kampf bestritt er im Oktober 2016 und gewann in der ersten Runde. Kommendes Wochenende steht sein fünfter Kampf an. Vor Kämpfen trainiert Amin Cherkaoui zwölf bis 13 Mal die Woche. Als „Local Hero“, so steht es in der Pressemitteilung, tritt Amin Cherkaoui von den Allstars Hamburg am Sonnabend in der Barclaycard Arena gegen Daniel Makin von Ken- pokan Hannover an.

Zutritt zu MMA-Kämpfen haben wegen der Brutalität nur Volljährige. Cherkaouis  Kämpfe haben die Lütten aus Schnelsen-Süd trotzdem zum Teil gesehen, auf Youtube. Sie fragen ihr Vorbild nach Autogrammen. Amin hat aber nichts zu Schreiben dabei, die Jungs auch nicht. Dann vielleicht beim nächsten Mal. In der Spanischen Furt wohnt er zwar nicht mehr, aber Schnelsen ist er treu geblieben. Mit Freundin und zweijähriger Tochter wohnt er um die Ecke. Zum Kicken mit den Jungs aus Schnelsen-Süd und seinem Sponsor und Mentor Irfan Kirpik von Kayhan e.V. kommt Amin Cherkaoui aber sicher bald wieder. cc 

 

Anpacken und Perspektiven schaffen

Kayhan ist ein gemeinnütziger Verein in Schnelsen-Süd. Irfan Kirpik hat ihn gegründet mit dem Ziel bildungsbenachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene durch Sport und Bildung zu fördern, . Das Motto: „Anpacken und Perspektiven schaffen“. Mehrere Angebote hat der Verein inzwischen geschaffen: So treffen sich  auf Zuruf per WhatsApp-Gruppe Kinder und Jugendliche nach Alter getrennt meist zweimal die Woche zum gemeinsamen Kicken unter Anleitung. Mittels Bonuspunkten fürs Mitmachen oder besonders positives Verhalten, kann die Teilnahme an tollen Unternehmungen oder sogar einer Winterreise erworben werden. Außerdem unterstützt der Verein Kampfsportler Amin Cherkaoui.  cc

Kayhan e.V., Graf-Ernst-Weg 15, Schnelsen, Tel. 0178/279256, www.kayhan-ev.com

 

Am Sonnabend gehts in der Barclaycard Arena zum Kampf in den Käfig

Wie schon der Name vermuten lässt, ist Mixed Martial Arts (MMA) ein martialischer, furchteinflößender Sport. Zwei Menschen, meist Männer, prügeln sich innerhalb eines Käfigs mit unverhohlener Härte bis einer k.o. geht oder aufgibt. Es geht – je nach Wettkampf-Typ – über zwei oder drei Runden und die dauern in der Regel fünf Minuten. Mit nichts als Shorts und schützenden Spezialhandschuhen ausgestattet, schenken sich die Kontrahenten im achteckigen Käfig (Cage) in diesen Minuten nichts. Es darf geschlagen, geboxt und getreten werden. Liegt einer am Boden, geht es mit Bodenkampftechniken wie Ringen weiter. Darum, dass das international gültige Regelwerk „Unified Rules of Mixed Martial Arts“ eingehalten wird, kümmern sich Ringrichter, Wertungsrichter, Zeitnehmer und Protokollführer.

MMA ist eine Mischung aus traditionellen und nicht-traditionellen Kampftechniken wie zum Beispiel Boxen, Kickboxen, Muay Thai, Brazilian Jiu-Jitsu, Ringen, Kung Fu, Judo und Grappling. Nicht für umsonst nannten sich die MMA-Sportler früher auch Gladiatoren. Wer bei den Kämpfen zuschaut, bekommt das Gefühl, dass es hier um Leben und Tod geht. Seit etwa acht Jahren gibt es die Veranstaltungsreihe We love MMA. Am Sonnabend, 24. November um 19 Uhr (Einlass 17 Uhr) findet  ein Wettkampf von zwölf Kämpfen in Hamburg in der Barclaycard Arena statt.   cc

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