Im Gymnasium Ohmoor erzählte Wilhelm Simonsohn (Mitte). Rechts neben ihm sein Helfer Hans-Günter Schmidt, links der mittlerweile zurückgetretene Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert Foto: privat

Im Gymnasium Ohmoor erzählte Wilhelm Simonsohn (Mitte). Rechts neben ihm sein Helfer Hans-Günter Schmidt, links der mittlerweile zurückgetretene Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert Foto: privat

Als Vater Simonsohn „abgeholt“ wurde

Zeitzeuge erinnert im Gymnasium Ohmoor und bei Gedenkveranstaltung an den November 1938

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Erlebnisse aus einer schweren Zeit erzählte der 99-jährige Wilhelm Simonsohn einer Gruppe von Niendorfer Zehntklässlern.

Man schrieb das Jahr 1935, als der Gymnasiast Wilhelm, damals Mitglied der Marine-Hitlerjugend, zum „Judenlümmel“ abgestempelt wurde, weil sein deutschnationaler Adoptivvater Jude war: „Alle Freunde verloren. Das Gefühl, der einsamste Mensch auf diesem Erdball zu sein“, berichtete Simonsohn den Ohmoor-Schülern.

Aufgrund des Judenboykotts musste der Vater seinen Kohlenhandel aufgeben, Wohnung und Schulgeld fürs Gymnasium konnten nicht mehr bezahlt werden. Drei Jahre später wird Wilhelm Simonsohn Soldat bei den Seefliegern. Am dritten Tag erreicht ihn ein Telegramm der Mutter: „Sie haben Vater abgeholt.“

Nach der KZ-Haft in Oranienburg-Sachsenhausen ist der Vater ein gebrochener und kranker Mann und stirbt wenig später im Alter von 56 Jahren. In der Ebertallee 203 bei der Trabrennbahn Bahrenfeld erinnert ein Stolperstein an ihn… Den Ohmoor-Schülern gab Wilhelm Simonsohn mit auf den Weg, sie mögen an Europa festhalten, um eine Zukunft in Frieden zu sichern. „Sie sind der beeindruckendste Mensch, den ich in meinem ganzen Leben getroffen habe“, sagte eine der 15-Jährigen zum Abschied.

Gedenken an Pogrom

Den Besuch hatte die Zeitzeugenbörse des Seniorenbüros Hamburg vermittelt, und die Erinnerungen aus der Hitlerzeit dienten der Vorbereitung einer Veranstaltung am Freitag, 9. November. Beim Gedenkgottesdienst in der Verheißungskirche wird an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren erinnert.

Damals wurden in Deutschland Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und viele jüdische Mitbürger verhaftet. Musikalisch umrahmt wird der Gedenkabend von Nele Schmidt (Violine) und Mitgliedern des Klezmer-Ensembles Yxalag. Der Gedenkgottesdienst beginnt um 19 Uhr im Sachsenweg 2. Die Veranstalter bitten um Spenden. bk

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