Zu Gast in der Wochenblatt-Redaktion: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Gespräch mit Redakteurin Natascha Gotta (li.), Verlagskoordinatorin Silke Stockhusen (2.v.re.) und Redaktionsleiterin Silke Jahn (re.) Foto: ngo

Zu Gast in der Wochenblatt-Redaktion: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Gespräch mit Redakteurin Natascha Gotta (li.), Verlagskoordinatorin Silke Stockhusen (2.v.re.) und Redaktionsleiterin Silke Jahn (re.) Foto: ngo

Der Bürgermeister setzt auf neue Projekte

Im großen Wochenblatt-Interview lobt Peter Tschentscher (SPD) die in Niendorf umstrittenen Velorouten als sicherste Lösung für Zweiradfahrer

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher spricht mit dem Niendorfer Wochenblatt über mehr bezahlbaren Wohnraum, den Ausbau von U- und S-Bahn und den Erhalt von Grünflächen.

Niendorfer Wochenblatt: Die Bezirkswahl 2019 gilt als Stimmungstest nach dem Bürgermeisterwechsel. Kennt die Hamburg-SPD die Bedürfnisse der Hamburger?

Bürgermeister Peter Tschen-tscher: Ja. Bei den Themen Wohnungsbau, Straßensanierung, Förderung von Bus und Bahn, gebührenfreie Kitas, gute Schulen und Universitäten können wir selbstbewusst zeigen, was wir geschafft haben. Mit unserem Programm zur Bezirkswahl wollen wir die Erfolge mit neuen Projekten fortführen.

NW: Der Veloroutenabschnitt in der Paul-Sorge-Straße ist umstritten. Die Niendorfer wünschen sich eine Teilhabe am Entstehungsprozess. Welche Möglichkeiten gibt es?

Tschentscher: Bei den Velorouten kommt es darauf an, mit dem Rad über größere Strecken schnell und sicher ans Ziel zu kommen. Amsterdam und Kopenhagen haben das schon hinbekommen. Die Radwege müssen gradlinig verlaufen und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern vermeiden. Die Paul- Sorge-Straße stellt eine direkte Verbindung zwischen Niendorf-Mitte und Niendorf-Markt dar. Radfahrverbände und Verkehrsexperten halten Radfahrstreifen am Fahrbahnrand für die sicherste Lösung. Das ist eine Umstellung, aber es klappt gut, wie ich es zum Beispiel in meinem Stadtteil Barmbek sehe. Ich hoffe, dass es auch in Niendorf hierfür eine gute Lösung gibt.

NW: In Schnelsen fahren Gefahrguttransporte durch Wohnstraßen und ein Standort für eine Feuerwehr- und Rettungswache Schnelsen fehlt trotz Tunnelbau. Immer wieder schildern uns Leser, dass sie von ‚Politik und Behörden nicht mitgenommen’ werden. Wie kann das geändert werden?

Tschentscher: Indem die Behörden gut informieren und die Politik Gespräche mit den Bürgern führt. Deshalb bin ich als Bürgermeister regelmäßig vor Ort in den Stadtteilen, um über alles zu sprechen, was die Anwohner bewegt. Bei den Gefahrguttransporten handelt es sich um eine vorübergehende Regelung während der Bauarbeiten für den A7-Deckel. Später können diese wieder durch die Tunnel über die A7 erfolgen.

NW: Auf was müssen sich die Niendorfer, Lokstedter und Schnelsener künftig einstellen? Mehrparteien- statt Einfamilienhäuser,  mehr Beton und weniger Grün?

Tschentscher: Hamburg bleibt eine grüne Stadt und kann wachsen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Dafür müssen wir an den richtigen Stellen bauen und an anderen Stellen neues Grün schaffen. Bei allen großen Wohnungsbauvorhaben sorgen wir dafür, dass auch neue Grünflächen entstehen. Es wird weiterhin viele Stadtteile mit Einfamilienhäusern geben, aber in einigen Bereichen können zusätzlich Reihenhäuser oder Mehrfamilienhäuser entstehen, wenn es in die Nachbarschaft passt.

NW: Der Bedarf an seniorengerechten, aber bezahlbaren Wohnungen wächst. Was plant die SPD?

Tschentscher:Wir planen mehr Bauprojekte mit kleineren barrierefreien Wohnungen und Serviceeinheiten, die ältere Menschen unterstützen, wenn sie Hilfe benötigen. Dadurch können sie lange selbstbestimmt in der gewohnten Nachbarschaft leben. Im Sommer habe ich verschiedene Wohn- und Pflegeeinrichtungen besucht. Sehr gut gefallen hat mir das Projekt „Lebendige Nachbarschaft“ der Saga, eine Mischung aus günstigen Wohnungen, ambulanten Pflegeangeboten und einem Büro für Kontakte in den Stadtteil. Solche Projekte wollen wir jetzt in vielen Stadtteilen schaffen.

NW: Berlin will bundeseigene Grundstücke günstig an die Länder für den Wohnungsbau verkaufen. Wird auf diesen Flächen bezahlbarer Wohnraum gebaut?

Tschentscher: Ja, auch das. Was genau auf den Flächen passiert, hängt aber von der Lage und der Umgebung ab. Auf jeden Fall bekommen wir mehr Raum für Wohnungsbau, öffentliches Grün und Gewerbe. Wir brauchen für jedes Portemonnaie ein bezahlbares Wohnungsangebot. Deshalb bauen wir jedes Jahr 3000 neue Sozialwohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. Für diejenigen mit einem durchschnittlichen Einkommen, das etwas über den Grenzen für eine Sozialwohnung liegt, schaffen wir Acht-Euro- Wohnungen. Die Wohnungsbauunternehmen erhalten dafür günstige Grundstücke von der Stadt, wenn sie sich verpflichten, die neuen Wohnungen für acht Euro pro Quadratmeter zu vermieten. Auch die Saga und die Genossenschaften schaffen viel günstigen Wohnraum.

NW: Wird die U5 einen Siemers-platz-Halt bekommen?

Tschentscher: Fest steht, dass die Quartiere am Siemersplatz eine Anbindung an die Schnellbahn bekommen. Die Streckenführung und genaue Lage der U-Bahnstation werden noch geprüft, denn die neue U5 soll nicht – wie ursprünglich geplant – am Siemersplatz enden, sondern darüber hinaus weiter in den Westen führen.

NW: Der Ausbau der S21 Richtung Kaltenkirchen stockt. Gibt es Neuigkeiten?

Tschentscher: Gegen die S- Bahn-Planungen gab es vor allem in Schleswig-Holstein viele Einwendungen. Jetzt gibt es eine Lösung, mit der die Strecke zwischen Ellerau und Tanneneck eingleisig belassen wird. Das Planverfahren kann nun fortgeführt und voraussichtlich bis Ende 2020 abgeschlossen werden.

NW: Die Grundsteuer-Reform kommt. Werden die Anwohner in Niendorf, Schnelsen und Lokstedt tiefer in die Tasche greifen müssen?

Tschentscher: Ich hoffe nicht. Das Leben ist in den großen Städten schon jetzt für viele zu teuer. Ich setze mich im Bundesrat deshalb sehr dafür ein, dass die Grundsteuerreform, die vom Bundesverfassungsgericht gefordert wird, nicht zu einer weiteren Belastung der Mieter führt.

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