Vorbereitungsarbeiten Besonders die Ramm- und Gründunsarbeiten (hier im August) sowie das Abfräsen der alten Fahrbahn in den Sommermonaten war lärmintensiv Foto: ngo

Vorbereitungsarbeiten Besonders die Ramm- und Gründunsarbeiten (hier im August) sowie das Abfräsen der alten Fahrbahn in den Sommermonaten war lärmintensiv Foto: ngo

Trotz Weströhre keine Ruhe

Nicht alle Anwohner an der A7 sind mit der Lärmentwicklung entlang des Autobahndeckels glücklich

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Seit Juni fließt der A7-Verkehr durch die Weströhre des Schnelsener Lärmschutzdeckels. Doch der Baulärm der Oströhre und der Verkehr auf der Westseite machen den Schnelsenern unweit der Baustelle zu schaffen.

Hannelore Zimmermann hat in den vergangenen Monaten wenig schlafen können. „Der nächtliche Baulärm war teilweise kaum auszuhalten, besonders wenn der Wind aus der falschen Richtung kam“ sagt Zimmermann, die seit 30 Jahren in Schnelsen lebt und in der Wählingsallee wohnt. Was sie besonders ärgert: die fehlende Informationspolitik durch das Baukonsortium Via Solutions Nord (VSN). „Ich wohne nur wenige Meter von der Baustelle entfernt, aber es gab keine Anwohnerinfos über die Nachtarbeiten.“ Das sei zu Beginn der Bauzeiten vor vier Jahren anders gewesen, so Zimmermann. „Da wurden uns auf einen Infoabend sogar Übernachtungsmöglichkeiten in einem Hotel angeboten.“

Baulärm Hannelore Zimmermann ärgert sich, dass sie als direkte Anwohnerin keine Anwohnerinfos von VSN über die Nachtarbeiten auf der Baustelle erhalten hat Foto: ngo

Baulärm Hannelore Zimmermann ärgert sich, dass sie als direkte Anwohnerin keine Anwohnerinfos von VSN über die Nachtarbeiten auf der Baustelle erhalten hat Foto: ngo

Auch Dagmar und Kai Hadler, die im Wählingsweg leben, raubt der Autobahnlärm den Schlaf. „Unser Schlafzimmerfenster liegt in Richtung Autobahn. Seit Freigabe der ersten Röhre müssen wir es nachts häufig schließen. Während der heißen Sommerphase war das besonders ärgerlich“, sagt Dagmar Hadler.

Das Ehepaar, das seit 18 Jahren in Schnelsen wohnt, ist bislang enttäuscht vom Lärmschutzdeckel. „Der Verkehrslärm ist seit Juni zeitweilig sogar lauter als vor Beginn der Bauarbeiten. Ganz extrem ist es in Höhe der Ein- und Ausfahrt der Weströhre und die neuen Lärmschutzwände scheinen den Schall noch zu verstärken,“ so Kai Hadler.

Der Lärmpegel an der Ein-und Ausfahrt der Tunnelportale soll laut VSN-Sprecher Florian Zettel nach Fertigstellung des Deckels (siehe Interview unten) sinken. Bis dahin werden die Anwohner wohl häufiger – auch nachts – die Fenster schließen müssen. ngo

Situation soll sich verbessern

VSN-Sprecher Florian Zettel im Interview

Anwohner rund um die Tunnelbaustelle in Schnelsen leiden trotz Weströhre unter dem Bau- und Verkehrslärm. Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat mit Florian Zettel, Sprecher vom Baukonsortium Via Solutions Nord (VSN), über die Lärmsituation gesprochen.

VSN-Sprecher Florian Zettel bittet die Anwohner während der Bauphase um Verständnis Foto: ngo

VSN-Sprecher Florian Zettel bittet die Anwohner während der Bauphase um Verständnis Foto: ngo

Niendorfer Wochenblatt: Immer wieder erreichen uns Beschwerden von Anwohnern, die über den zeitweise massiven Baulärm klagen. Was sind die Gründe?

Florian Zettel: In den vergangenen Monaten haben Vorbereitungsarbeiten stattgefunden. So wurde die alte Fahrbahn mit Fräsen rückgebaut und mit den Gründungsarbeiten begonnen. Ein Großteil dieser Arbeiten ist jedoch abgeschlossen.

NW: Warum muss auch nachts gearbeitet werden?

Zettel: Im Sinne der Anwohner sind wir angehalten den Bau schnellstmöglich fertigzustellen. Auf Grund des engen Zeitplans und erforderlicher Abläufe wird es – wie bereits bei dem Bau der Weströhre – notwendig sein, Arbeiten auf der Ostseite gegebenenfalls auch rund um die Uhr und auch am Wochenende auszuführen. Besonders für diese Arbeiten mit komplexen und eng getakteten Arbeitsabläufen bitten wir die Anwohner um Verständnis. Der positive Effekt, den die bereits fertiggestellte Weströhre in Schnelsen mit sich bringt, hat derzeit für die Anwohner den Nachteil, dass sie den Baulärm intensiver wahrnehmen, als beim Bau der Weströhre.

NW: Müssen die Anwohner auch künftig mit lärmintensiven Nachtarbeiten rechnen?

Zettel: In den kommenden Monaten werden auch weiterhin nächtliche Arbeiten stattfinden. In den kommenden Wochen starten beispielsweise die Verschalungsarbeiten und die Betonage des Tunnelrohbaus. Die Bau-ARGE ist allerdings angehalten, keine lärmintensiven Arbeiten in der Nacht durchzuführen.

NW: Die Anwohner möchten wissen, warum VSN nicht vorab über Nachtarbeiten oder lärmintensive Bauarbeiten informiert?

Zettel: Anwohnerbriefe sind ein wichtiger Teil unserer Kommunikation. Seit Jahresanfang haben wir rund ein halbes Dutzend Infobriefe im Hamburger Bauabschnitt verteilen lassen und verschickt. Bei besonderen Maßnahmen werden wir auch weiterhin die Menschen über Anwohnerbriefe, über das Niendorfer Wochenblatt und andere Medien informieren. Sollten Anwohner einmal keine Info von uns bekommen, bitten wir um einen Hinweis, damit wir diese Informationslücke schließen können.

NW: Einige Anwohner erleben nach Freigabe der Weströhre den Verkehrslärm an der Ein- und Ausfahrt des Deckels lauter als vor dem Tunnelbau. Was sagen Sie dazu?

Zettel: Seit der Verkehrsumlegung in den Tunnel gibt es auf Grund des temporären Gegenrichtungsverkehrs mehr Lärmentwicklung auf der Westseite der Portale. Im Vergleich zu vorher gibt es seit Freigabe der Weströhre für beide Fahrtrichtungen keine Abschirmung mehr durch den ‚Tunnelrohbau’ und die ,Lärmquelle’ Verkehr liegt jetzt deutlich näher an der Wählingsallee und dem Wählingsweg. Diese Faktoren werden sich aber mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme der zweiten Röhre wieder verbessern. Ebenfalls wird eine deutliche Verbesserung der Lärmentwicklung auftreten, wenn im gesamten Bauabschnitt der lärmmindernde, offenporige Asphalt eingebaut ist. Dies wird gegen Ende der Baumaßnahme erfolgen. Zudem gibt es im Bereich AS Schnelsen noch Lücken in den Lärmschutzwänden auf der Westseite. Diese werden in den kommenden Wochen geschlossen. Dann wird sich die Lärmsituation verbessern.

Fragen zum Bauablauf oder Anmerkungen: 04191-27491-15; per E-Mail unter Kommunikati on@VSN-A7.de. Weitere Infos unter Kurz-URL bit.ly/2NxjXLs

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