Nicht mehr verkehrssicher ist die Blutbuche vor der Mutzenbecher Villa. Sie soll deshalb sehr stark zurückgeschnitten werden Foto: ngo

Nicht mehr verkehrssicher ist die Blutbuche vor der Mutzenbecher Villa. Sie soll deshalb sehr stark zurückgeschnitten werden Foto: ngo

Guter Pilz – böser Pilz?

Blutbuche an der Mutzenbecher Villa soll stark zurückgeschnitten werden

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Nach den zwei uralten gefällten Bäumen im Niendorfer Gehege soll nun auch vor der Mutzenbecher Villa eine Blutbuche zum Torso zurückgeschnitten werden (das Wochenblatt berichtete). Ist das wirklich notwendig, hat ein Leser beim Wochenblatt nachgefragt?

„Es handelt sich um ein möglichst protestfreies Fällen eines uralten Baumes, der seit ewigen Zeiten in Symbiose mit einem Pilz lebt“, äußert Dr. Udo Fuchs, Mitglied des Vereins Pro Niendorfer Gehege seine Bedenken gegenüber dem Wochenblatt: „Ob dieser Pilz dabei wirklich zerstörerisch für den Baum ist, wage ich zu bezweifeln. Für eine Pilzbestimmung wäre ich dankbar.“

„Leider kann bei diesem Pilzbefall nicht von einer Symbiose gesprochen werden“, reagiert Revierförster Sven Wurster auf Nachfrage und bezieht sich auf einen Befund des Hamburger Instituts für Baumpflege, welches den Baum als „stark geschädigt und aufgrund des Riesenporling-Befalls als nicht mehr standsicher“ einstuft. Zusätzlich sei die Blutbuche aufgrund der Totäste nicht mehr bruchsicher, so dass insgesamt keine Verkehrssicherheit mehr gewährleistet sei.

Früh gealtert

„Bei dem Absterbeprozess handelt es sich keineswegs um einen einmaligen Vorgang, sondern kann an mehreren Stellen im Gehege, aber auch in gesamt Hamburg und überregional beobachtet werden“, fügt Sven Wurster hinzu. Eine normale Buche habe eine Lebenserwartung von 200 bis 250 Jahren, die Blutbuchen scheinen aber schon ab dem Alter 120 bis 140 Jahre ihren Lebensabend zu erreichen.

Massenanzucht

„Seit einigen Jahren erhalten wir verstärkt Anfragen zu pilzbefallenen und absterbenden Blutbuchen“, so Thomas Kowol vom Institut für Baumpflege, „und haben uns daraufhin mit diesem Phänomen beschäftigt.“ Seine These: Ende des 19. Jahrhunderts war es schick, sich neben seiner Villa auf dem repräsentativen Landsitz eine Blutbuche zu pflanzen. Aufgrund der damaligen großen Nachfrage sei davon auszugehen, dass die Bäume vegetativ vermehrt wurden und folglich ein identisches genetisches Ausgangsmaterial besitzen, welches heute zum fast zeitgleichen Auftreten des Absterbephänomens führe. kh

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