Mess-Aktion Telekom-Mitarbeiter Thomas Fannasch (3.v.li.), ASN-Sprecher Heinrich Flügge (li.), BI-Sprecher Ralph Kesler (re.) unter weitere Anwohner am Funkturm im Bönningstedter Weg Foto: ngo

Mess-Aktion Telekom-Mitarbeiter Thomas Fannasch (3.v.li.), ASN-Sprecher Heinrich Flügge (li.), BI-Sprecher Ralph Kesler (re.) unter weitere Anwohner am Funkturm im Bönningstedter Weg Foto: ngo

Das ist nur eine Momentaufnahme

Michael Mumm vom BUND-Arbeitskreis Elektrosmog im Interview

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Wie sind die Mess-Werte der Mobilfunkstrahlungen im Schnelsener Märchenviertel zu bewerten? Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat Michael Mumm, vom BUND-Arbeitskreis Elektrosmog, um eine Einschätzung gebeten.

 

Niendorfer Wochenblatt: Wie bewerten Sie die Messergebnisse der Telekom?

Michael Mumm Foto: ngo

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Michael Mumm: Mit 476 bis 715 Millivolt pro Meter liegen die Messwerte deutlich über dem empfohlenen Vorsorgewert des BUND von 200 Millivolt pro Meter für Außenbereiche. Strahlungswerte schwanken im Tagesverlauf je nach Nutzung in dem Gebiet. Eine Messung in den Abendstunden von 17 bis 22 Uhr statt der aus Telekom-Sicht geschickt ausgewählten Mittagszeit wird erfahrungsgemäß deutlich höhere Werte zeigen.

 

NW: Wie sollte aus Ihrer Sicht eine aussagekräftige Messung aussehen?

Mumm: Die Mess-Werte stellen nur eine Momentaufnahme dar. Ein realistisches Bild gibt nur eine Langzeitmessung über mindestens 24 Stunden jeweils an einem Werktag und einem Sonntag. Alle Frequenz- und Leistungsverläufe des Funkturms müssen aufgezeichnet werden. Mittelwerte sind dabei uninteressant, weil sie das tatsächliche Belastungsbild verfälschen. Nur Spitzenwertmessungen sind aussagekräftig.

 

NW: Wie bewerten Sie, dass ein Telekom-Vertreter die Messungen durchgeführt hat und nicht eine externe Firma?

Mumm: Dass ein Telekom-Vertreter die offiziellen Messungen des eigenen Funkturms vornimmt und kein unabhängiges Ingenieurbüro oder ein unabhängig geschulter Behördenvertreter, sagt viel über die enge Verzahnung von Politik und Wirtschaft aus. Wollen unsere politischen Vertreter die Bedenken der Anwohner wirklich ernst nehmen, müssen sie neutral handeln.

 

NW: Ist das verwendete Messgerät für diese Art von Messungen geeignet?

Mumm: Das Messgerät ist in der Lage, die Frequenzbereiche zu unterscheiden, um die genaue Belastung der Funktürme selektiv anzugeben. Leider wurde dies im vorliegenden Messprotokoll nicht gemacht. Welche Frequenzen in welcher Höhe und ob es sich um Mittel- oder Spitzenwerte handelt, ist nicht dokumentiert. Für mehr Transparenz sollten alle Werte veröffentlicht werden.

 

NW: Wie bewertet der BUND die gesetzlichen Grenzwerte, auch mit Blick auf die neuen Technologien wie 5G?

Mumm: Unsere Regierung hat ausdrücklich bestätigt: ‚Bei der Ableitung der geltenden Grenz- werte, die die Grundlage der Standortbescheinigung bilden, hat das Vorsorgeprinzip keine Berücksichtigung gefunden.’ Die Grenzwerte betrachten nur die Wärmeentwicklung im Körper bei kurzzeitigen Belastungen. Neurologische und zellbiologische Einflüsse weit unterhalb der Grenzwerte bei Langzeitbelastung die in hunderten von Studien belegt wurden, werden nicht berücksichtigt. Das ist unverantwortlich und muss dringend geändert werden.

 

E-Smog im Netz

BUND-Arbeitskreis Elektrosmog: www.ak-elektrosmog.de;449 Studien zu Mobilfunk: www.emfdata.org; Stellungnahme der Regierung zum Thema Auswirkungen elektromagnetischer Felder unter Kurz-URL https://bit.ly/2NW DcSZ

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