Die Flüchtlingsunterkunft Kollaustraße soll ab November Obdachlose beherbergen Foto: mf

Platz für Obdachlose

Flüchtlingsunterkunft soll für das Winternotprogramm genutzt werden

Archiv, Lokstedt| Views: 362

Die Flüchtlingsunterkunft Kollaustraße 15 wird aufgelöst. Ab 1. November sollen hier Obdachlose im Rahmen des Winternotprogrammes einen warmen Platz zum Schlafen finden. Am Montag informierte die Sozialbehörde über die Planungen.

Vom 1. November bis zum 31. März sollen die Container in der Kollaustraße 15 zum neuen Standort des Winternotprogrammes werden, um Obdachlose vor dem Kältetod zu schützen. Mitarbeiter der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), der Betreiberin fördern und wohnen sowie des Bezirks- amtes stellten die Pläne am frühen Montagabend in der Aula des Gymnasiums Corveystraße vor. Der neue Standort in der Kollaustraße sei in den Fokus geraten, weil die Unterkunft im Schaarsteinweg in der Neustadt als Ergänzung zu der zentralen Anlaufstelle in der Friesenstraße in Hammerbrook nicht mehr zur Verfügung stünde, erläuterte Frank Burmester von der BASFI.

Nur Schlafplatz, kein Tagesaufenthalt

„Die Unterkunft wird von 17 bis 9.30 Uhr nur zum Übernachten geöffnet sein, es gibt dort keinen Tagesaufenthalt. Menschen sollen nicht auf der Straße erfrieren“, erläuterte Burmester. 252 Plätze in Drei-Bett-Zimmern sollen eingerichtet werden, bei Bedarf könne auf 336 Plätze erhöht werden. „Das heißt aber nicht, dass so viele Menschen kommen. Es hängt auch davon ab, wie hart der Winter wird“, so Burmester. Dass die Anzahl der Schlafplätze deutlich höher ist als die 161 Plätze der Flüchtlingsunterkunft läge in der Nutzung ausschließlich zum Schlafen begründet. Tagsüber würden die Obdachlosen Tagesstätten in der Innenstadt aufsuchen. Auf Nachfrage einer Anwohnerin handele es sich um eine heterogene Gruppe, die zu 20 Prozent aus Deutschen sowie aus Menschen aus Afrika und Osteuropa bestünde. Der Standort an der Kollaustraße kann bis 2021 für das Winternotprogramm genutzt werden, von April bis Oktober ist keine Nutzung geplant. Da die Fläche im Eigentum der Stadt, die Verkehrsanbindung gut sei und sich die Container gut für die neue Nutzung umbauen ließen, würde der Standort nun geprüft.

Nachbarn haben Angst vor Lärm und Alkohol

Rund 50 Zuhörer saßen in der Aula des Gymnasiums, einige Nachbarn der Unterkunft sorgten sich um nächtlichen Lärm sowie Alkohol- und Drogenkonsum. Kathrin Wollberg von fördern und wohnen betonte, dass ein absolutes Alkoholverbot herrsche und erläuterte die strengen Einlasskontrollen „wie am Flughafen“ und dass rund zehn Wachdienstleute auch im Sinne der Übernachtenden dafür sorgen würden, dass es ruhig sei. Nachts seien außerdem zwei Mitarbeiter von fördern und wohnen vor Ort, tagsüber sechs. „Die Winter sind so kalt. Wir kommen nicht, um uns die Hucke vollzusaufen. Das können wir auf dem Kiez machen. Es ist ein guter Standort wo alle gut miteinander auskommen können“, nahm Dominik Bloh Stellung, der selbst zehn Jahre auf der Straße gelebt hat und jüngst das Buch „Unter Palmen aus Stahl“ über seine Erfahrungen im Ankerherz Verlag veröffentlicht hat. „Lokstedt ist überlastet, ich habe null Verständnis“, äußerte sich eine Anwohnerin. Andere Zuhörer wollten wissen, wie sie die Obdachlosen unterstützen können. „Spenden können direkt bei uns abgegeben werden“, erklärte Kathrin Wollberg. Auch im Förderverein Winternotprogramm, der abends für warme Speisen sorgt, können Ehrenamtliche aktiv werden, Informationen finden sie auf www.winternotprogramm.de.

Einige Anwohner kritisierten die Kurzfristigkeit der Einladung, die den Anwohnern erst am Freitag zugegangen war. „Wir wollten so früh wie möglich informieren“, erklärte Frank Burmester. Mit den Bewohnern des direkt angrenzenden Mehrfamilienhauses in der Stapelstraße habe man das direkte Gespräch gesucht um eventuelle bauliche Maßnahmen zu erörtern. Die Obdachlosen würde es tagsüber in die Innenstadt ziehen, erläuterte Burmester. Um den Berufsverkehr auf der Buslinie 5 zu entzerren habe man die Öffnungszeit der Unterkunft deshalb auf 9.30 Uhr ausgeweitet. Eine Tagesöffnung, wie von einer Lokstedterin vorgeschlagen, käme aber nicht in Betracht: „Das ist ein Evergreen. Es handelt sich um einen reinen Kälteschutz für die Nacht“, so Burmester. Über den reinen Schlafplatz hinaus fanden laut Burmester in der Vergangenheit aber auch mehr als 300 Menschen durch das Hilfs- und Beratungsangebot neue Perspektiven und mussten nicht auf die Straße zurückkehren. mf

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