Wolfsattacke Bislang wurden Wölfe nur in Schleswig-Holstein gesichtet. Mit dem Schafsriss in Schnelsen hat eines der Raubtiere erstmals die Grenze nach Hamburg überquert. Der Rüde hat das Lamm nur wenige Meter von Wohnhäusern (hinten) und einer Tennisanlage entfernt erlegt Foto: privat

Wolfsattacke Bislang wurden Wölfe nur in Schleswig-Holstein gesichtet. Mit dem Schafsriss in Schnelsen hat eines der Raubtiere erstmals die Grenze nach Hamburg überquert. Der Rüde hat das Lamm nur wenige Meter von Wohnhäusern (hinten) und einer Tennisanlage entfernt erlegt Foto: privat

Wolf reißt Schaf in Schnelsen

Junges Raubtier erreicht den Hamburger Stadtrand und sorgt für reichlich Aufregung

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Im Märchenviertel hat ein Wolf aus Dänemark ein Schaf erlegt. Die zuständige Behörde bestätigt nach DNA-Untersuchung den ersten Angriff auf einer Weide im Nordwesten der Stadt – nur wenige Meter von Wohnhäusern entfernt. Für Menschen bestehe aber keine Gefahr.

 

Das war kein schöner Anblick, der sich Familie P. am frühen Sonntagmorgen bot. Der Hausmeister vom Tenniscenter Racket Inn, das unweit der Weide steht, habe angerufen, weil er ein totes Schaf auf ihrer Wiese gesehen habe, so die Schnelsenerin P., die seit Jahren mit der Familie eine kleine Schafsherde hält.

„Ich wusste gleich, dass war kein Hund, sondern ein Wolf. Der Biss war zu groß, die Rippen waren durchgebissen und das Tier war ausgeweidet.“ sagt die Hobbyzüchterin. Sie und ihr Sohn alarmierten sofort die Polizei und einen Wolfsbetreuer vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR). „Zur Sicherung der Spuren für eine DNA-Probe haben wir das Tier mit einer Plane abgedeckt,“ sagt der Hobbyzüchter P. Bei der ersten Untersuchung durch einen Experten vom Wolfsmanagement zeigte sich, dass Herz und Lunge fehlten.

Sicherheitshalber  hat Hobbyzüchter P. die Herde  nach dem Wolfsriss auf eine andere Weide gebracht Foto: ngo

Sicherheitshalber hat Hobbyzüchter P. die Herde nach dem Wolfsriss auf eine andere Weide gebracht Foto: ngo

Die anderen Tiere hat Familie P. auf eine andere Weide getrieben. Seit dem Vorfall würden sie die Umgebung aufmerksamer absuchen und auch das Bellen der Hunde aus der Nachbarschaft genauer registrieren, sagt der Sohn.

Im August gab es dann die amtliche Bestätigung: Das gerissene Schaf wurde laut Zoologen der TU Dresden von einem Wolf erlegt. Damit hat ein Wolf die Landesgrenze passiert und zwischen Wohnhäusern, Tennisplätzen, unweit der A7 und Ikea im Hamburger Naturschutzgebiet zugeschlagen. Derselbe Rüde hat einige Tage später bei Lutzhorn im Landkreis Pinneberg ein weiteres Schaf gerissen.

Der Jungwolf stammt aus einem Rudel im dänischen Ulfborg. Dort seien acht Welpen geboren worden, die nun auf Partnersuche seien, erklärt Martin Schmidt vom LLUR. Damit erkläre sich auch der Anstieg von Sichtungen, so Schmidt. Bislang konnten vier Jungtiere aus dem „Ulfborg-Wurf“ im Nachbarland Schleswig-Holstein nachgewiesen werden.

Sichtung Ein Wolf wurde am 5. Juli in der Gemeinde Bimöhlen im Landkreis Segeberg gesehen Foto: T. Hansen

Sichtung Ein Wolf wurde am 5. Juli in der Gemeinde Bimöhlen im Landkreis Segeberg gesehen Foto: T. Hansen

Kommt jetzt ein Rudel?

Einige Anwohner sind in Sorge, dass sich in ihrem Wohngebiet entlang der Landesgrenze ein Wolfsrudel bilden könnte. Die Ängste kann Behördensprecher Schmidt ausräumen. Er sagt, dass passiere in Hamburg ganz sicher nicht. „Es fehlen die großen ungestörten Bereiche mit hohen Waldanteilen. Gleichzeitig gibt es einen hohen Zerschneidungsgrad durch die Verkehrswege, was für ein Rudel sehr ungeeignete Bedingungen sind.“

Auch Familien mit Kindern, Gartenbesitzer und Hundehalter bräuchten laut Schmidt keine Angst zu haben. Der LLUR-Sprecher sagt, dass kein natürlich lebender Wolf in ganz Europa in den letzten 50 Jahren einem Mensch etwas zuleide getan habe. Auch sei keine besondere Absicherung notwendig. Wenn, dann müssten Halter von Schafen, Ziegen und Kälbern ihre Weidetiere absichern. Hunde sollte zu ihrem eigenen Schutz angeleint werden, rät Schmidt. Und Angst vorm „bösen Wolf“ brauche niemand zu haben:  „Alle Wölfe, die wir in den letzten Jahren nachgewiesen haben, haben sich artgerecht verhalten und sind beim Aufeinandertreffen mit einem Menschen ausgewichen,“ sagt Schmidt abschließend.  ngo

 

Notfallhotline für die Meldung von Wolfshinweisen und Schadensfällen: 0174/6330335. Infos zum Verhalten bei einer Wolfsbegegnung: https://bit.ly/2s7cWIj

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