Erlen und Eschen wurden bei den Renaturierungsmaßnahmen an der Uferzone der Tarpenbek am Rahsee in engen Reihen gepflanzt Foto: kn

Erlen und Eschen wurden bei den Renaturierungsmaßnahmen an der Uferzone der Tarpenbek am Rahsee in engen Reihen gepflanzt Foto: kn

Warum dicht an dicht?

An der Tarpenbek ist eine gegenseitige Verdrängung der Bäume erwünscht

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Mehr Platz für Pflanzen, mehr Schutz für Tiere – so lautete das Ziel für die aufwändigen Renaturierungsmaßnahmen  der Tarpenbek in Niendorf am Rahwegteich und Rahmoor, die nun mit Millionen-Aufwand abgeschlossen sind. Schön und idyllisch wird es sicher werden, doch ist die neue Bepflanzung dort wirklich sinnvoll?

 

Die Uferzonen wurden aufwändig dicht an dicht mit Bäumen bepflanzt. Erlen und Eschen wechseln sich ab, nicht einmal anderthalb Meter auseinander und bis ganz dicht an den Bach gepflanzt, fein säuberlich in sogenannten Dreiböcken sicher gegen Sturmböen vertäut. Für Laien sieht das seltsam aus. Wurden an der Uferzone der Tarpenbek zu viele Bäume gepflanzt?

Das Wochenblatt hat sich bei verschiedenen Experten umgehört. Zunächst beim Bezirksamt Eimsbüttel. „Den Pflanzplan für die naturnahe Umgestaltung der Tarpenbek hat  ein fachkundiges Büro für Naturschutz und Landschaftsökologie erstellt“, so Sprecher Kai Becker.  Typischerweise fänden sich entlang von Bächen und kleinen Flüssen bis zum Wasser reichende Erlen-Eschen-Wälder, die den Verlauf des Baches begleiten. Diese Pflanzen seien gut  an regelmäßige, kürzere Überflutungen und nasse, grundwasserbeeinflusste Standorte angepasst. An diesen natürlichen Lebensraum habe sich die Pflanzung im Sinne einer naturnahen Umgestaltung orientiert. „Die dicht erscheinende Pflanzung  ist  unproblematisch und vollkommen natürlich“, so Becker.

Aus fachkundiger Sicht mache der Einsatz  von Erlen und Eschen an der Uferzone Sinn,  bestätigt  auch Harald Vieth vom Naturschutzbund Deutschland, der sich bei seinen Kollegen von der Baumschutzgruppe schlau gemacht hat.  Schwarz-Erlen zum Beipiel fühlen sich sogar im Moor sehr wohl. 3000 bis 3500 Bäume pro Hektar könnten durchaus gepflanz werden in Reihen mit Zwischenabständen von mindestens 2,40 Metern und Baumabständen in der Reihe von mindestens 1,20 Metern. Auch Landschaftsarchitekt Paul Stegmann hält die Pflanzung gemäß deren Bestimmung als Uferbefestigung durchaus für stimmig. Denn hierbei seien spätere Ausfälle durch Verdrängung und eine damit einhergehende Verjüngung durchaus eingeplant.  Er fasst erklärend zusammen: „Will ich, dass jeder einzelne Baum überlebt, müssen die Abstände größer gewählt werden, da sonst in ca. 10 Jahren ein Verdrängungseffekt eintreten wird. Will ich Uferbefestigung mit späterer Naturverjüngung erreichen, ist der Abstand ok.“ Allerdings, so  ergänzt Stegmann, hätte man sicher auch mit kleineren Bäumen arbeiten können, was Kosten gespart hätte.“

Vielleicht haben sich die Mehrkosten für die  gut 2,50 Meter großen gepflanzten Bäume aber auch schon  bezahlt gemacht. Die können nämlich eine Dürreperiode wie die jetzige viel besser aushalten, als ihre jüngeren Kollegen. Dennoch: auch hier ist einer der Bäume bereits eingegangen. kn

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