Tino Enders Foto: ap

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Was ist Krav Maga?

Dieser Kontaktsport soll auch helfen, Zivilcourage zu entwickeln

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Hier und da mal gehört oder gelesen, aber nie wirklich verstanden, worum es bei Krav Maga geht? Das ging auch Wochenblatt Redakteurin Angela Preuß so. Bis zu ihrem Besuch bei Tino Enders, ein Niendorfer, der die Krav Maga Academy in Bahrenfeld aufgebaut hat und leitet.

 

Niendorfer Wochenblatt: Herr Enders, das Wichtigste zuerst: Was genau ist Krav Maga?

Tino Enders: Wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt bedeutet Krav Maga Kontaktkampf. Es handelt sich um ein taktisches defensives Selbstverteidigungssystem. Im Großen und Ganzen geht es um Stressmanagement in bedrohlichen Alltagssituationen. Wahrnehmung, Prävention, Deeskalation und Reaktionsfähigkeit sind wichtige Standbeine. Auf der Straße gibt es keine Regeln, es geht darum, mit Stress in unerwarteten Situationen umzugehen und diese in Sekundenbruchteilen einzuschätzen. Wie schütze ich mich selbst, und wie schütze ich andere? Zudem lehren wir unsere Teilnehmer wie sie in Situationen, die über die klassische Selbstverteidigung hinaus gehen, reagieren können.

 

NW: Wie kamen Sie zu Krav Maga?

Enders: Mein Hauptberuf ist Polizeibeamter. Vor eineinhalb Jahren bin ich aus dem Schichtdienst als Trainer an die Polizeiakademie Hamburg gewechselt und konnte so durch regelmäßigere Arbeitszeiten meine Leidenschaft für Krav Maga ausbauen. Angefangen habe ich als 10-Jähriger mit den klassischen Kampfsportarten Karate, Jiu Jitsu und Kickboxen. Mit 16 fing ich dann die Polizeiausbildung an. Irgendwann wollte ich weg vom Wettkampfsport und etwas finden, was mir bei der Bewältigung von körperlichem und psychischem Stress im Polizeiberuf hilft. 2011 bin ich, damals noch in Schleswig-Holstein, professionell zum Krav Maga gekommen und habe die Trainerausbildung begonnen. 2013 folgte die Selbstständigkeit in Hamburg. Die Akademie hier in Bahrenfeld besteht seit Dezember 2017.

 

NW: Was fasziniert Sie so an Krav Maga?

Enders: Die Entwicklung die ich persönlich schon in den ersten zwei bis drei Jahren Krav Maga gemacht habe, habe ich in 16 Jahren Kampfsport nicht erlebt. Mich faszinieren die Trainingsmethodik und -didaktik beim Krav Maga, die Entwicklung, die unsere Teilnehmer machen. Es gibt ein festes Curriculum (Lehrplan), keine Wettkämpfe. Jeder unterstützt jeden, es bilden sich tolle Communities. Wir haben Teilnehmer zwischen sechs und 75, quer durch alle Berufsgruppen. Joe, unser ältester Teilnehmer, ist erst vor eineinhalb Jahren gestartet und hat schon jetzt enorm an Flexibilität und Aufnahmefähigkeit gewonnen. Und ganz nebenbei zu seiner großen Freude auch noch zehn Kilo Gewicht verloren.

 

NW: Was ist der Unterschied zu klassischen Kampfsportarten?

Enders: Die sind alle gut so wie sie sind, aber jeweils limitiert auf ihren Fokus. Jemand der Karate macht, kann gut schlagen und treten, jemand der Judo macht, kann gut werfen und so weiter. Aber das Training findet immer nur in der Halle statt, auf der Matte. Wir im Krav Maga trainieren auch draußen, auf der Wiese, am Strand, auf der Straße, oder sogar im Fahrstuhl oder in der Tiefgarage. Es geht darum, so realistisch wie möglich ausgebildet zu werden. Stichwort Zivilcourage: wie soll ich helfen, wenn ich keine Idee habe wie das geht und aus Stress und Angst selbst in eine Schockstarre verfalle. Das macht Krav Maga besonders.  ap

 

KMA – Krav Maga Academy, Training und Workshops für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Friesenweg 4, Haus 13, Bahrenfeld, Tel. 645 678 34, info@krav-maga-acadmemy.com

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