Quartierskoordinatorin für das Projekt „Perspektive Hamburg“ Nicola Schulz-Bödeker vor ihrem neuen Arbeitsplatz an der Alten Schule am Tibarg Foto: kh

Quartierskoordinatorin für das Projekt „Perspektive Hamburg“ Nicola Schulz-Bödeker vor ihrem neuen Arbeitsplatz an der Alten Schule am Tibarg Foto: kh

„Integration ist keine Einbahnstraße“

Im Interview: Nicola Schulz-Bödeker, Quartierskoordinatorin Niendorf/Lokstedt für das Projekt „Perspektive Hamburg“

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Mit dem Ziel, die Integration von Geflüchteten zu fördern, betreut Nicola Schulz-Bödeker seit dem 1. März als Quartierskoordinatorin für Niendorf/Lokstedt das Projekt „Perspektive Hamburg“. Wochenblatt Redakteurin Katrin Hainke hat sich mit ihr in ihrem Büro in der Alten Schule am Tibarg 34 getroffen und über ihre neue Aufgabe und die vielfältigen Herausforderungen gesprochen.

 

Niendorfer Wochenblatt: Welches Ziel verfolgt das Projekt „Perspektive Hamburg“?

Nicola Schulz-Bödeker: „Perspektive Hamburg“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der großen Wohlfahrtsverbände, bei dem es vorrangig um die Integration von und das Zusammenleben mit Geflüchteten in den Stadtteilen geht. Bestehende Angebote sollen gestärkt und bekannter gemacht sowie neue Strukturen aufgebaut werden (siehe Info- Kasten).

 

NW: Welche Aufgaben haben Sie als Projektkoordinatorin?

Schulz-Bödeker: Ich bin als Koordinatorin bei der Diakonie Hamburg angestellt und speziell für das Quartier Niendorf/Lok- stedt zuständig. In beiden Stadtteilen vernetze ich mich mit den unterschiedlichen Akteuren und Institutionen und stimme mich mit dem Sozialraummanagement des Bezirksamts Eimsbüttel sowie mit den Unterkünften für geflüchtete Menschen ab. Derzeit sondiere ich in Gesprächen, wo noch Handlungsbedarf besteht, welche Unterstützung von meiner Seite kommen kann und wie ich die einzelnen Instituti- onen untereinander vernetzen kann. Ich selbst verstehe mich dabei als neutrale Vermittlerin.

 

NW: Welche Projekte werden unterstützt?

Schulz-Bödeker: Neben der Initiierung einzelner Veranstaltungen steht für Niendorf die Sicherung der Angebote von „Wir für Niendorf“ sowie die Perspektive der Alten Schule im Vordergrund. Relevante Projekte für Lokstedt sind der Bezug der neuen Folgeunterkunft am Alma-Ohlmann-Weg (Hagendeel) und das Zusammenwirken mit den Initiativen rund um das Begegnungscafé „Why not?“ und „Herzliches Lokstedt“.

 

NW: Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach für erfolgreiche Integration wichtig?

Schulz-Bödeker: Die Integrationsförderung von Geflüchteten erstreckt sich auf alle Lebensbereiche. Eine große Hürde, die dafür überwunden werden muss, ist natürlich die Sprachbarriere. Auf der einen Seite begleiten ehrenamtliche Sprachmittler die Geflüchteten zum Beispiel bei Behördengängen und Arztbesuchen, auf der anderen Seite steht vor allem das Erlernen der deutschen Sprache. Ich kümmere mich hier beispielsweise um das Angebot an Deutschkursen und überlege, an welchen Stellen diese effektiv angedockt werden können. Große Integrationsthemen sind zudem die Vermittlung von Wohnraum und Beschäftigung.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Stärkung des kulturellen Angebots. Kultur ist meiner Meinung nach das beste Mittel, um im positiven Sinne Menschen zusammen und ins Gespräch zu bringen – und nebenbei noch die Sprache zu erlernen.

Integration sollte dabei nicht als Einbahnstraße verstanden werden. Geflüchtete sind nicht nur belastete Menschen, die hier viel lernen müssen. Häufig bringen sie eine Menge Kompetenzen und Fähigkeiten mit, die auch für die Stadtteile eine große Bereicherung sein können.

 

NW: Sie schöpfen aus jahrelanger Erfahrung als Sozialpädagogin. Kommt Ihnen das bei Ihrer neuen Aufgabe zugute?

Schulz-Bödeker: Auf jeden Fall. Ich habe 13 Jahre im Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Schnelsen gearbeitet und einige Jahre im Kulturzentrum im Eidelstedter Bürgerhaus. Auch hier hatte ich Berührungspunkte mit Geflüchteten, so dass mir viele Strukturen bereits bekannt sind. Derzeit kümmere ich mich auch um eine Vernetzung zu den beiden Stadtteilen.

 

NW: Wie ist das bisherige Angebot in Niendorf und Lokstedt ihrer Meinung nach aufgestellt?

Schulz-Bödeker: Bislang gibt es bei relativ vielen Flüchtlingsunterkünften vergleichsweise wenig hauptamtliche Strukturen, dafür ist das Ehrenamt hier sehr groß. Ich bewundere, was viele Menschen mit bürgerschaftlichem Engagement bereits auf die Beine gestellt haben. Die große Bereitschaft, anderen Menschen in Notlagen zu helfen und neue Strukturen aufzubauen, ist großartig. kh

 

Was ist die „Perspektive Hamburg“?

Das Projekt „Perspektive Hamburg“ wurde Anfang 2018 von der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg (AGFW) mit dem Ziel gegründet, die Integration von Geflüchteten zu fördern sowie ein gemeinsames Zusammenleben und die Begegnung mit Bewohnern zu unterstützen. In den Bezirken Altona, Eimsbüttel, Harburg, Nord, Mitte und Wandsbek tragen in ausgewählten Quartieren Projektkoordinatoren dazu bei, die einzelnen Handelnden zu vernetzen und den Zugang zu Angeboten zu erleichtern. Sofern möglich, initiieren die Koordinatoren auch selbst zusätzliche Maßnahmen. „Perspektive Hamburg“ wird von der Deutschen Fernsehlotterie finanziell gefördert und ist als Projekt zunächst auf drei Jahre ausgelegt.

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