Bezugsbereit Ein Teil der Unterkunft kann eröffnet werden

Bezugsbereit Ein Teil der Unterkunft kann eröffnet werden Foto: mf

Eröffnung mit Verspätung

Teurer und später: Die neue Unterkunft Hagendeel ist bezugsbereit - aber nur teilweise

Archiv| Views: 228

Die Eröffnung war für 2015 geplant, nun kommt sie mit dreijähriger Verspätung. Seit Montag ist der erste Bauabschnitt der Unterkunft Hagendeel mit 260 Plätzen bezugsbereit. Zum 15. Dezember sollen dann auch die restlichen 268 Plätze zur Verfügung stehen.

 

„Klagen gegen die geplante Unterkunft Hagendeel führten dazu, dass sich für längere Zeitabschnitte unsere Prioritäten auf andere Standorte verlagert haben“, erklärt Fouad Hamdan vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF) einen Grund der Verzögerung. Anwohner hatten sich gegen die Aufschüttung des Grundstückes Hagendeel 60 gewehrt, da sie in dem Überschwemmungsschutzgebiet Überflutungen befürchteten. Die Eigentümer in Hagendeel, Wullwisch und Wehmerstieg dürfen auf ihren Grundstücken im Überschwemmungsschutzgebiet keine baulichen Veränderungen vornehmen. Bei Starkregen werden ihre Häuser und Gärten regelmäßig überflutet. Dass die rund 27 880 Quadratmeter große Aue Hagendeel dennoch aufgeschüttet werden durfte, ermöglichte eine Ausnahmegenehmigung (das Wochenblatt berichtete). Aber auch Korrekturen bei der Planung führten zu der späten Eröffnung: „Zuerst ging man davon aus, dass die Modulhäuser ohne Pfahlgründung gebaut werden können. Als dann klar war, dass Pfahlgründungen nötig waren, musste neu geplant und danach neue Aufträge vergeben werden“, so Hamdan.

Die Protestschilder der Anwohner lehnen noch am Bauzaun Foto: mf

Die Protestschilder der Anwohner lehnen noch am Bauzaun Foto: mf

Insgesamt 22 Pavillonhäuser bieten Platz für bis zu 528 Menschen. Außerdem entstehen zwei Verwaltungsgebäude für die Betreiberin fördern und wohnen sowie Gemeinschaftsräume. Die Spiel- und Freizeitflächen stehen laut Elke Thieme vom ZKF „Bewohnern und Nachbarn frei zur Verfügung.“ Trotz der mit dem „Dachverband für erfolgreiche Integration“ ausgehandelten maximalen Belegung von 300 Geflüchteten pro Unterkunft werden alle Plätze belegt, da bereits geplante Unterkünfte von dieser Regelung nicht betroffen sind. Die Nutzung der Fläche für die Unterbringung von Geflüchteten ist für zehn Jahre geplant. Ob und wie viele Geflüchtete aus Lokstedter Erstaufnahmen einziehen werden, um im gewohnten Stadtteil zu bleiben konnte das ZKF noch nicht sagen.

Eine kleine Anfrage an den Senat der CDU-Abgeordneten Carsten Ovens und Franziska Grunwaldt ergab, dass die Kosten für die Baumaßnahmen mit rund 19,67 Millionen Euro deutlich gestiegen sind. „Die Kostensteigerung liegt im Mehraufwand für die technische Infrastruktur begründet, unter anderem Auflagen aus wasserrechtlicher Genehmigung wie Wasserenteisung und Auflagen zum Stromnetz wie Herrichtung eines Trafos“, lautet die Erklärung des Senats. Eine weitere Kostensteigerung sei nicht zu erwarten. Auf die Frage der Abgeordneten, wie der Senat die aufgewandten Kosten im Vergleich zu anderen neu gebauten, in den Baukosten deutlich günstigeren Unterkünften seit 2015 bewertet, macht dieser folgende Rechnung auf: „Um einen Kostenvergleich unter Bauprojekten darzustellen, wird die kalkulatorische Kennzahl „Bau- und Mietkosten pro Platz und Tag/Laufzeit“ ermittelt.“ Da die Unterkunft Hagendeel zehn Jahre und damit doppelt so lange wie die anderen Neubauten genutzt würde, lägen die Kosten von rund 13 Euro unter denen der Vergleichsunterkünfte mit 16 bis 19 Euro pro Platz und Tag.

Neue Zufahrtsstraße Der Alma-Ohlmann-Weg hat noch kein Straßenschild Foto: mf

Neue Zufahrtsstraße Der Alma-Ohlmann-Weg hat noch kein Straßenschild Foto: mf

Zur Unterkunft führt vom Wehmerweg abgehend eine neu erschlossene Straße, die im Mai den Namen Alma-Ohlmann- Weg erhalten hat. Die Lokstedterin Alma Ohlmann (1909 – 2005) leitete seit 1976 verschiedene Gymnastikgruppen unter dem Motto „Älter werden und in Schwung bleiben“ in Lokstedt, Niendorf und Schnelsen und ab 1996 übernahm sie im Alter von 87 Jahren noch den Seniorenkreis der Stadtteile. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde Alma Ohlmann 2003 mit der „Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes“ ausgezeichnet. mf

Comments are closed.