Historisches Schmuckstück im Niendorfer Gehege: Die Villa Mutzenbecher

Historisches Schmuckstück im Niendorfer Gehege: Die Villa Mutzenbecher

Mit Leinöl Wissen aufpoliert

Schüler übernehmen kleinere Restaurationsarbeiten in Villa Mutzenbecher

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Ein altes Gebäude verstehen, daran arbeiten, es wiederherstellen und pflegen – darum ging es beim „Care and Repair“-Workshop in der Villa Mutzenbecher. Im Rahmen einer Projektwoche lernten Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis sieben vom Gymnasium Bondenwald unter anderem, mit Leinöl zu arbeiten.

 

Mit dicken leinölgetränkten Lappen bearbeiten die Schüler die uralten Dielen im ersten Obergeschoss der Villa Mutzenbecher. „Das Öl sollte richtig satt aufgetragen werden, damit es in den Boden eindringen kann“, erklärt Projektleiterin und Architektin Gesa Mueller von der Haegen vom Verein „Werte erleben“ als Initiator der Mutzenbecher-Instandsetzung: „Das Leinöl ist einerseits Pflege für den Boden und trägt zum Erhalt bei und bildet andererseits die Basis für die Restauration.“

Schüler vom Gymnasium Bondenwald halfen jetzt in einem Workshop das alte Haus zu pflegen und zu reparieren

Schüler vom Gymnasium Bondenwald halfen jetzt in einem Workshop das alte Haus zu pflegen und zu reparieren

In dem Workshop gehe es neben dem praktischen Arbeiten und Experimentieren aber auch darum, ein altes Gebäude zu verstehen, betont die Architektin. Die Schüler lernen beispielsweise, dass früher ausschließlich natürliche Materialen verwendet wurden. „Häuser wurden errichtet aus Kalk, Leinöl, Erde, Stroh, Holz und Leim, hergestellt aus Quark und Stärke, und hatten beziehungsweise haben im Gegensatz zu heutigen Gebäuden eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren“, so die Projektleiterin.

Zeitzeuge vor Ort

Um das Verstehen ging es auch im Gespräch mit Berndt Fischbeck. Der ehemalige Bewohner, der von 1948 bis 1955 in der Villa Mutzenbecher seine, wie er selbst sagt, „unbeschwerte“ Kindheit verbrachte, berichtet den Jugendlichen als Zeitzeuge vom Leben in der Villa: „Nach dem Krieg wurden meiner Familie zwei Räume zugewiesen und wir lebten hier mit fünf bis sechs anderen Familien“, so Fischbeck. Auch mit dem derzeitigen Bewohner Marc Schlesinger konnten die Schüler ein Gespräch führen.

Vermittelten Schülern ein altes Gebäude zu verstehen: Projektleiterin Gesa Mueller von der Haegen und der ehemalige Bewohner Berndt FischbeckFotos: kh

Vermittelten Schülern ein altes Gebäude zu verstehen: Projektleiterin Gesa Mueller von der Haegen und der ehemalige Bewohner Berndt Fischbeck Fotos: kh

„Die Projektwoche ist eine tolle Gelegenheit, den Schülern zu vermitteln, was es bedeutet, ein Gebäude wie dieses instand zu setzen“, fasst Mueller von der Haegen zusammen. Im Fokus der geplanten weiteren Restaurationsarbeiten, die gemeinsam mit Schülern der Gewerbeschulen erfolgen, stehen in diesem Jahr noch die Veranda, der Balkon sowie die Südfassade. Nebenbei wurden auch bereits einige Fenster gereinigt: Diese Maßnahme ist unbedingt erforderlich, damit wir entscheiden können, wie wir sie restaurieren.“ Bis Ende 2020 sollen die Instandsetzungsarbeiten an der Villa Mutzenbecher abgeschlossen sein. kh

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