Die Unterkunft Kollaustraße grenzt direkt an das Haus Stapelstraße 25 Foto: mf

Die Unterkunft Kollaustraße grenzt direkt an das Haus Stapelstraße 25 Foto: mf

Konflikt in der Kollaustraße

Nachbarn beschweren sich über nächtlichen Lärm aus der Flüchtlingsunterkunft

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Die einen wollen schlafen, weil sie am Morgen früh aus dem Bett müssen, die anderen treibt die Hitze und Enge aus den Wohncontainern: Um die Flüchtlingsunterkunft in der Kollaustraße ist ein Nachbarschaftsstreit entbrannt. „Das ist hier kein Nebeneinander sondern ein Gegeneinander“, resümiert Erik Dunkelmann.

 

Bei den acht Mietparteien seines Mehrfamilienhauses in der Stapelstraße kommt es immer wieder zu Beschwerden über die direkt angrenzende Folgeunterkunft in der Kollstraße 15. Hier leben 161 Geflüchtete, darunter 42 Minderjährige. Das Fußballspielen der Kinder zwischen den Containerwänden sei sehr laut, ebenso die Gespräche der Erwachsenen bis weit nach 22 Uhr. Auch würden Müll und Spielsachen auf das Grundstück in der Stapelstraße geworfen und „es gibt überkapazitiertes Licht auf der Anlage.“ Ein Mieter habe bereits gekündigt: „Als Vermieter sind wir überfordert, diese Situation zu einem allumfänglichen, erträglichen Zustand zu bringen“, so Dunkelmann.

„Der Standort ist baulich äußerst schwierig. Die Unterkunft wurde sehr nah an die benachbarten Wohnhäuser gebaut, was genehmigungsrechtliche Gründe hat und am Zuschnitt des Grundstücks liegt“, erklärt Susanne Schwendtke, Sprecherin von fördern und wohnen. Wegen des knappen Zuschnitts ließe die Anlage Kindern außerdem wenig Außenfläche zum Spielen. Insbesondere wegen der Hitze und des Ramadans, währenddessen die muslimischen Bewohner sich erst nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen treffen, suchen die Bewohner aus ihren beengten Wohnverhältnissen die Freifläche auf.

„Das Lärm-Problem ist nicht gelöst“, räumt Susanne Schwendtke ein. Zum Vorwurf des Müllentsorgens fährt sie fort: „Das Team hat auf entsprechende Beschwerden hin immer auf den Nachbargrundstücken nachgesehen, dann aber keinen Müll vorgefunden. Unser technischer Dienst wird in der nächsten Zeit verstärkt darauf achten, ob Abfall aus unserer Unterkunft auf Nachbargrundstücke gelangt und gegebenenfalls eingreifen.“

Außerdem sei das Grundstück mit extra hohen Zäunen umgeben, damit die Kinder nicht hinüber klettern können.

Laut Erik Dunkelmann habe eine seiner Mieterinnen in der Unterkunft Kontakt gesucht: „Sie hat es auf gütliche Weise versucht, das interessierte aber nicht.“ Mehrfach seien seine Mieter bepöbelt worden. Dunkelmann kritisiert, dass trotz Informationsveranstaltung zu der neuen Unterkunft im April 2016 keine Rücksicht auf die Bedenken der Anwohner genommen worden sei: „Uns wurde gesagt, dass das Grundstück ebenerdig zu unserem gemacht werden würde. Wir hatten Bedenken wegen der zusätzlichen Höhe von etwa 90 Zentimetern. Das Resultat war, dass sogar noch aufgeschüttet wurde.“

Eine Lösung, die Anwohnern und Bewohnern der auf fünf Jahre angelegten Unterkunft gerecht wird, scheint schwierig. „Dass Kinder in Wohngegenden draußen spielen und dabei auch laut sind, sehen wir als etwas ganz Normales an“, betont Susanne Schwendtke. „Wichtig ist, dass Familien die Nachtruhe einhalten. Das Team der Unterkunft Kollaustraße spricht derzeit intensiv mit den Familien, dass nach 22 Uhr trotz heißen Wetters und beengten Verhältnissen Ruhe gehalten werden muss.

Zur nachbarschaftlichen Verständigung trägt man aber sicherlich nicht bei, wenn man unsere Bewohner von einem Nachbargrundstück aus anbrüllt und beschimpft, wie es mehrfach geschehen ist.“ Eine Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens gibt es am Mittwoch, 20. Juni, ab 16 Uhr. Dann lädt fördern und wohnen Bewohner und Anwohner zum Sommerfest in die Anlage ein. Auch Niels Annen (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages, hat sein Kommen zugesagt. mf

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