Die frisch renovierte Amsinck-Villa ist nun offiziell eröffnet Foto: mf

Ein knallmodernes Denkmal

Die Amsinck Villa in Lokstedt wurde als Kita wiedereröffnet

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Fast wäre die prächtige Villa im Lokstedter Amsinckpark nach mehr als 20 jährigem Leerstand verfallen. Nun öffnete sie in altem Glanz wieder ihre Türen – als Kita.

„Was lange währt, wird endlich gut“, fasste es Ulrike Muß, Geschäftsführender Vorstand der Betreiberin Rudolf- Ballin-Stiftung, in ihrer Eröffnungsrede am 8. Juni zusammen und spielte auf die fast zweijährige Verzögerung bis zur Fertigstellung an. Starker Schwammbefall und Brandschutzauflagen hatten unter anderem zu den Verzögerungen geführt.

Nachdem die ersten Kinder im vergangenen Jahr nur das Erdgeschoss beziehen konnten und Eltern immer wieder vertröstet wurden, sind nun 40 Kinder in das 650 Quadratmeter große Gebäude eingezogen. Insgesamt 90 Plätze stehen für Null- bis Sechsjährige zur Verfügung.

Pastellige Töne und Prinzessin-Lillifee-Rosa sucht man in der neoklassizistischen Villa vergeblich, die 1868 bis 1870 nach Plänen des Rathaus-Architekten Martin Haller als Sommerresidenz für den Hamburger Kaufmann Wilhelm Amsinck entstand. In den ehemaligen Repräsentations- und Privaträumen der Familie herrschen gedeckte Farben und Schablonenmalereien aus den 1920er Jahren vor, die bei der Sanierung freigelegt wurden.

Beeindruckend ist auch die Haupttreppe mit den filigranen gusseisernen Efeuranken zwischen den Stufen. Zur Sicherheit der Kinder wurde ein weiteres Geländer eingesetzt.

„Das ist ein knallmodernes Denkmal für Kinder“, freut sich Architekt Sönke Prell. „Es ist gut und richtig, dass die Kinder sich in einer historischen Umgebung bewegen mit Respekt und Achtung vor der Sache“, ergänzt Ulrike Muß. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) freut sich besonders, dass die Nutzung des Gebäudes zu ihren historischen Wurzeln zurückkehrt: „Wilhelm Amsinck baute die Villa für seine zwölf Kinder. Jetzt, 130 Jahre später, wird es wieder ein Haus für Kinder. Und dank Kitagutscheinen für alle Kinder.“

Zur Geschichte der Villa gehört auch die Nutzung der Nazis mit einer Polizei-Hundestaffel. In einem Personalraum mahnt eine freigelegte Inschrift an diese Zeit. Die Rudolf-Ballin-Stiftung hat für 25 Jahre einen Mietvertrag mit der Eigentümerin SAGA GWG geschlossen, die Umbaukosten von ursprünglich rund drei Millionen Euro sind auf knapp vier Millionen Euro gestiegen. Am Tag des Offenen Denkmals (7. bis 9. September) soll die Amsinck-Villa allen Interessierten offen stehen. Außerhalb der Kita-Nutzungszeiten stehen außerdem Sozialräume zur Verfügung. mf

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